“Papa, ich will auch mal fahren. Gibst du mir den Schlüssel?“ Wenn der Nach­wuchs ans Steuer will, muss der der Fahrer­kreis erweitert werden.

Wer sein Auto versichert, kann sparen, indem er den Fahrer­kreis klein hält. Kommen später weitere Fahrer hinzu, kann man das unkompliziert als kurz­fristige Fahrer­kreis­erweiterung versichern. Hier lesen Sie, worauf Sie beim Thema Zusatz­fahrer unbe­dingt achten müssen. Zudem haben Ihnen die Auto­versicherungs-Experten der Stiftung Warentest ermittelt, welche Zusatz­fahrer-Regeln bei den einzelnen Versicherern im Detail gelten.

Wenn die Kinder den Führer­schein gemacht haben

Kann ich mal kurz dein Auto haben? Viele Auto­besitzer hätten damit kein Problem – wäre da nicht ihre Kfz-Versicherung. Wer dort als Allein­fahrer einge­tragen ist, darf andere nicht einfach ans Steuer lassen. Besonders haarig wird das für Eltern, wenn Tochter oder Sohn den Führer­schein gemacht haben und nun auch fahren wollen. Es gibt zwei Lösungen: Die Angabe der Zusatz­fahrer im Kfz-Versicherungs­vertrag oder die kurz­zeitige Fahrer­kreis­erweiterung.

Zusatz­fahrer im Vertrag – junge Leute besonders teuer

Nutzen Dritte das Auto häufig, führt kein Weg daran vorbei, sie als zusätzliche Berechtigte in die Kfz-Police aufzunehmen. Das ist teuer. Die Stich­proben der Stiftung Warentest zeigen: Wenn junge Leute nachgemeldet werden, steigt die Jahres­rechnung oft sehr stark. Einige Anbieter verlangen auch das Doppelte oder mehr. Die Alters­grenze beträgt häufig 23 oder 24 Jahre. Deshalb lohnt sich ein Preis­vergleich besonders, wenn Eltern Führer­scheinneulinge in ihre Kfz-Police aufnehmen wollen.

Tipp: Wer diese Lösung in Betracht zieht und den Fahrer­kreis sehr weit ziehen will, sollte die Preise gründlich vergleichen. Dabei hilft der individuelle Tarif­rechner Kfz-Versicherungsvergleich der Stiftung Warentest.

Warum junge Zusatz­fahrer so teuer sind

Grund für die saftigen Aufschläge ist das hohe Unfall­risiko. Junge Leute verursachen die mit Abstand meisten Unfälle, weit mehr als Senioren. Knapp 20 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden gehen auf das Konto von 18- bis 24-Jährigen.

Zusatz­fahrer in der Kfz-Versicherung – das müssen Sie wissen

Vertrag. Nutzen Tochter oder Sohn das Auto regel­mäßig, bleibt nur die Möglich­keit, sie im Kfz-Versicherungs­vertrag aufzunehmen. Das kostet in der Regel jähr­lich mehrere Hundert Euro zusätzlich. Ein Preis­vergleich, etwa mit dem individuellen Tarif­rechner Kfz-Versicherungsvergleich der Stiftung Warentest, ist geboten.

Kurz­zeit. Fahren Dritte das Auto nur gelegentlich – maximal vier Wochen pro Jahr – ist es güns­tiger, sie kurz­fristig für jede Fahrt zu melden (siehe dazu weiter unten im Text). Manche Versicherer lassen dies kostenlos zu (Tabelle Zusatzfahrer gratis), andere Versicherer kassieren einen Aufpreis (Tabelle Zusatzfahrer gegen Aufpreis).

Notfall. In Notfällen, zum Beispiel eine dringende Fahrt ins Kranken­haus, darf auch eine ungemeldete Person ans Steuer.

Sparen. Der Preis­aufschlag für Führer­scheinneulinge ist nach ­begleitetem Fahren oft nied­riger.

Kurz­zeitig Fahrer anmelden – das sollten Sie beachten

Brauchen Jugend­liche das Familien­auto nur gelegentlich, kann man sie kurz­fristig anmelden, jeweils für den betreffenden Tag oder auch für mehrere Tage. Unsere Abfrage bei den Versicherern zeigt, dass das oft auch ohne Aufpreis möglich ist. Die Gesell­schaften hand­haben solche Fälle unterschiedlich. Bei einigen kann man nur einmal pro Jahr eine zusätzliche Person anmelden, bei anderen öfter. Viele begrenzen den Gesamt­zeitraum zum Beispiel auf vier Wochen. Damit können Sohn oder Tochter den Wagen auch für eine mehr­wöchige Urlaubs­reise nutzen. Manche nehmen einen Pauschal­preis, andere kassieren pro Tag. Teils muss man sich vorher registrieren und eine App aufs Handy laden, teils reicht ein Anruf.

Beispiel Württem­bergische: Der Zusatz­schutz ist für jede Person möglich, auch per Anruf. Bei Anmeldung per E-Mail oder Whats­App gibt es sofort vorläufigen Schutz, auch ohne Bestätigung durch einen Berater. Das ist für maximal 28 Tage möglich. Für einen Tag kostet es 5,95 Euro, für 28 Tage 89,95 Euro.

Lässt sich der Schutz für Zusatz­personen auch erweitern?

Mitunter ja. Beim HDI etwa lässt sich gegen weiteren Aufpreis auch ein Fahrer­schutz absichern. Dann bekommt der fremde Fahrer eine Entschädigung, wenn er sich bei einem selbst verschuldeten Unfall verletzt. Darüber hinaus bietet der HDI eine Entschädigung an, wenn nach einem Unfall der Schadenfrei­heits­rabatt des Auto­besitzers zurück­gestuft wird. Die Rück­stufung kann über die nächsten Jahre mehrere Tausend Euro kosten. Dies muss der Fremdfahrer aus eige­ner Tasche erstatten. Wie viel die Rück­stufung im Einzel­fall kostet, zeigt unser kostenloser Rückstufungsrechner.

Wenn eine nicht angemeldete Person einen Unfall baut

Sitzt jemand am Steuer, der nicht angemeldet ist, bleibt der Schutz der Kfz-Versicherung erhalten. Bei einem Unfall zahlen Haft­pflicht und Voll­kasko. Aber: Häufig verlangen sie ­eine Strafe, oft einen kompletten Jahres­beitrag, teils auch das Doppelte. Verti zum Beispiel, die frühere Direct Line, nimmt eine zusätz­liche Selbst­beteiligung von 2 500 Euro, wenn eine nicht gemeldete Person unter 24 Jahren einen Kaskoschaden verursacht. Außerdem dürfen die Versicherer den Vertrag kündigen. Dann kann es schwierig werden, anderswo ­eine neue Voll­kasko zu bekommen.

Privathaft­pflicht­versicherung – diese Tarife zahlen die Rück­stufung

Wer eine Privathaftpflichtversicherung hat, sollte ins Klein­gedruckte schauen. Denn es gibt einige neuere Tarife, die zumindest einen Teil der Kosten über­nehmen, wenn man sich privat von Freunden ein Auto leiht, einen Unfall baut und dann den Rück­stufungs­schaden ersetzen muss. Diese Privathaft­pflicht­tarife bezahlen zwar nicht die Reparatur des Autos, dafür ist die Voll­kasko zuständig. Aber sie über­nimmt die Zusatz­kosten, wenn der Kfz-Versicherer den Schadenfrei­heits­rabatt zurück­stuft, teils auch den fälligen Selbst­behalt. Die Regeln sind unterschiedlich, einige zahlen maximal nur 1 000 Euro. Diese Privathaft­pflicht­tarife zahlen zumindest einen Teil dieser Kosten:

Arag (Tarif Premium), Axa (mehrere Tarife), Barmenia (Premium), Basler (Ambiente Top), Condor (Kfz-Spezial), Continentale (Baustein Kfz), DFV, Haft­pflicht­kasse (Einfach Komplett), Ergo (Premium, Baustein Kfz), Feuersozietät (Zusatz­schutz), Gothaer (PH Premium), GVO (Top-Vit), HanseMerkur (Top), HDI (Premium Online), Helvetia (Baustein Plus), Interrisk (XXL), Janitos (Best Selection, OnlineMax), LBN (Besser +), Neodigital (Neo L), Nürn­berger Allgemeine (Komfort­Plus), NV (PrivatPremium 2.0), Öffent­liche Braun­schweig (Premium), Ostangler (Exclusiv Fair Play Plus), R+V (Baustein KfzSpezial), Rhein­land (Plus, Premium), Schwarz­wälder (Exclusiv Fair Play Plus Direkt), Signal Iduna (Baustein Auto), SLP/Swiss Life (Prima Plus 2018), Versicherungs­kammer Bayern (Zusatz­schutz), VHV (Klassik-Garant Exklusiv), Prokundo (Komplett-Tarife), Waldenburger (Premium Plus), Württem­bergische (Premi­umSchutz), WWK (PHV Plus).

Kann man Zusatz­fahrer auch anderswo versichern?

Nicht für alle Tarife gibt es die kurz­zeitige Erweiterung des Fahrer­kreises. Bietet der eigene Kfz-Versicherer dies nicht, bleibt ein Ausweg: eine Zusatz­police bei einem anderen Anbieter. Einige über­nehmen die Strafzahlung.

Beispiel Barmenia: Der Xtra-Fahrer-Schutz richtet sich an Kunden, die ihr Auto bei einer anderen Gesell­schaft versichert haben. Der Auto­besitzer verleiht sein Auto, ohne dies dem eigenen Kfz-Versicherer zu melden. Statt­dessen meldet er es der Barmenia vor jeder Fahrt. Auch diese Police kann man kurz­fristig abschließen. Für einen Tag kostet sie 5,49 Euro, für 21 Tage 69,99 Euro. Andere Unternehmen bieten ähnliches. Friday beispiels­weise nimmt 5,49 Euro pro Tag, die SV Sparkassen Versicherung 6,75 Euro. Genau besehen bleibt diese Variante aber eine Vertrags­verletzung, da man den fremden Fahrer der eigenen Kfz-Versicherung verschweigt. Der Versicherer könnte deshalb den Vertrag kündigen.

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