Auto­versicherung Special

Wer ein Auto versichert, muss beim Versicherer den Kreis der Fahr­zeugnutzer angeben. Ändert sich der Fahrer­kreis später, muss er das dem Versicherer mitteilen. Bei einigen Auto­versicherern ist das gelegentliche Verleihen des Autos an Verwandte oder Freunde kostenfrei möglich, bei anderen kostet es Aufpreis. Der Auto­versicherer muss auch dann einen Unfall­schaden bezahlen, wenn ein Fahrer am Lenk­rad saß, der nicht einge­tragen war. Dies kann jedoch eine Strafzahlung zur Folge haben.

Kleine Gefäl­ligkeit unter Freunden

Der gute Freund will sich nur mal übers Wochen­ende das Auto ausleihen. Keine große Sache. Der Auto­besitzer hat nichts dagegen, schließ­lich braucht er den Wagen gerade nicht. Aber spielt die Auto­versicherung mit?

Tipp: Bei der Suche nach der richtigen Versicherung hilft die individuelle Analyse Autoversicherung der Stiftung Warentest. Sie bezieht so gut wie alle Versicherer mit ein.

Der Fahrer­kreis

Bei Abschluss einer Auto­versicherung muss der Kunde angeben, wer das Auto fahren wird. Denn das hat Einfluss auf den Beitrag. Er hat häufig vier Möglich­keiten:

  • Er kann nur sich als Fahrer eintragen.
  • Er kann sich und einen Partner eintragen.
  • Er kann die Namen mehrerer Nutzer – etwa auch den des Nach­barn – ausdrück­lich in den Versicherungs­schein aufnehmen lassen.
  • Und er kann, um immer flexibel zu bleiben, einen „beliebigen“ Fahrer­kreis angeben. Dann kann er das Auto an jeden verleihen, zum Beispiel auch an den gerade 18 Jahre alt gewordenen Sohn.

Die flexibelste Variante ist die teuerste. Im Einzel­fall kann sich der Preis für die Auto­versicherung dadurch verdoppeln.

Kurz­fristig verleihen ist kein Problem

Wer bei Versicherungs­abschluss einen engen Fahrer­kreis angegeben hat, kann diesen jeder­zeit nach­träglich verändern und so künftig Personen fahren lassen, die das bislang nicht durften. Je nach Versicherer ist es auch möglich, das Auto spontan zu verleihen. „Gelegentliches Fahren von anderen als den angegebenen Personen ist zulässig, sofern diese anderen Personen mindestens 23 Jahre alt sind“, heißt es zum Beispiel in den Versicherungs­bedingungen der LVM aus Münster. Das einmalige Ausleihen des Wagens übers Wochen­ende an einen 25-jährigen Sohn wäre also versichert – auch ohne Meldung bei der LVM – die dauer­hafte Mitnutzung des Autos durch ihn hingegen nicht. Bei der Ergo müssen Kunden den Namen eines gelegentlichen Fahrers vorher melden und bekannt­geben, wie lange er das Fahr­zeug nutzen wird. Das geht formlos, etwa per Anruf oder E-Mail. Nach Angaben der Ergo kostet es keinen Versicherungs­zuschlag, wenn der Fahrer­kreis nur gelegentlich und nur für einen kurzen Zeitraum von bis zu fünf Tagen erweitert wird.

Ausleih-App der Nürn­berger

Die Nürn­berger Versicherungs­gruppe bietet ihren Kunden neuerdings die App „FahrerPlus“, um das kurz­fristige Verleihen des Autos anzu­melden. Über ihr Handy können die Kunden ihr Auto einem anderen Fahrer bis zu drei Tage lang über­lassen. Ist der neue Fahrer unter 25 Jahre alt, kostet jeder Tag einen Aufschlag von pauschal 6,99 Euro. Bei Fahrern ab 25 Jahren beträgt der Zuschlag 4,99 Euro pro Tag.

Jeder Fahrer ist geschützt

Was viele nicht wissen: Es hat keinen Einfluss auf den Versicherungs­schutz, ob ein Fahrer im Versicherungs­schein namentlich genannt ist oder nicht. Ein Auto­versicherer muss auch dann einen Unfall­schaden bezahlen, wenn ein Fahrer am Lenk­rad saß, der nicht einge­tragen war. Das gilt sowohl für die Haft­pflicht- wie auch für die Kasko­versicherung. Eine Folge hat der Unfall durch einen nicht gemeldeten Fahrer aber: Erfährt die Versicherung davon, verlangt sie vom Kunden den Beitrag nach, der fällig gewesen wäre, wenn von Anfang an der korrekte Fahrer­kreis angegeben gewesen wäre. Hat der Kunde absicht­lich nur sich als Fahrer angegeben, um Beitrag zu sparen, behalten sich einige Versicherer wie Nürn­berger, CosmosDirekt oder Ergo vor, zusätzlich einen Jahres­beitrag als Strafzahlung zu kassieren. Da der Versicherer aber beweisen muss, dass der Kunde vorsätzlich geschummelt hat, und das schwierig ist, kommt es nur selten zu solchen Strafen.

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