In der Kfz-Haft­pflicht­versicherung und vor allem in der Kasko­versicherung gibt es viele Deckungs­erweiterungen. Bevor Sie unter­schreiben, sollten Sie aber Nicht alle sind sinn­voll.

Das Wichtigste in Kürze

nach oben

Empfehlens­werte Zusatz­leistungen in der Auto­versicherung

Viele Versicherer bieten nicht nur einen Stan­dard­tarif, sondern zusätzlich eine teurere Variante mit mehr Leistungen. Einige haben sogar drei oder vier Tarife. Das güns­tigste Angebot heißt dann oft Basis oder Compact, die nächst teureren Komfort, Plus oder Classic, die teuersten Tarife laufen oft unter Premium oder Exklusiv.

Vor allem in Kasko bieten teure Versionen viele Zusatz­leistungen. Die wichtigsten davon zeigt unsere große Über­sicht­stabelle auf den Seiten 18 bis 25. Viele dieser Extras klingen zunächst toll, sind aber am Ende nur nettes Beiwerk: schön zu haben, aber nicht unbe­dingt notwendig. Für wirk­lich empfehlens­wert halten wir:

Deckungs­summe.

Für die Kfz-Haft­pflicht­versicherung sind gesetzlich vorge­schrie­ben mindestens 7,5 Millionen Euro für Personenschäden und 1,12 Millionen Euro für Sach­schäden, dazu 50 000 Euro für Vermögens­schäden. Für wenig Aufpreis gibt es höhere Deckungs­summen wie 50 oder 100 Millionen Euro. Oft gilt aber auch dann eine Grenze von maximal 12 Millionen Euro pro geschädigter Person.

Die Stiftung Warentest empfiehlt diese hohen Deckungs­summen. Zwar kommen Schä­den in dieser Höhe nur sehr selten vor, aber sie können passieren. Als bisher teuerster Schaden gilt mit 30 Millionen Euro ein Unfall 2004 auf der Wiehltalbrücke der Auto­bahn A 4. Ein 26-Jähriger war mit seinem Pkw gegen einen Tank­last­zug gerast, der in Brand geriet und von der Brücke stürzte.

Neuwert­entschädigung.

Versichert der Kunde einen Neuwagen, erstattet der Kasko­versicherer bei Totalschaden oder nach einem Diebstahl den Neuwert des Fahr­zeugs. Achtung: Meist gilt das schon in der Teil­kasko, bei wenigen Tarifen aber nur in der Voll­kasko. Oft wird nur in den ersten sechs Monaten nach der Zulassung an den Erst­besitzer gezahlt. Wir meinen, die Frist sollte mindestens zwölf Monate betragen. Einige Tarife bieten sogar 24 Monate. Ähnliches gibt es auch für Gebraucht­wagen. Dann ersetzt der Versicherer in den ersten Monaten nach dem Kauf den Kauf­preis.

Marderbisse.

Einfache Teilkaskotarife versichern oft nur den direkten Schaden, beispiels­weise den Ersatz eines durch­gebis­se­nen Schlauchs. Aber die Kosten dafür sind häufig nicht so hoch wie die Selbst­beteiligung. Im Ergebnis hilft dieser Schutz dem Kunden dann gar nicht. Viel teurer sind mögliche Folgeschäden. Oft bemerkt der Fahrer den undichten Kühlerschlauch zunächst gar nicht. Das kann zu einem schweren Motordefekt führen. Solche Folgeschäden sollten mitversichert sein.

Wild­schaden.

Viele Teilkaskotarife zahlen bei Wild­unfällen nur, wenn es Haarwild war. Was das ist, orientiert sich am Bundes­jagd­gesetz – im wesentlichen Hirsche, Rehe, Wild­schweine. Der Unfall mit einer ausgebüxten Kuh oder einem entlaufenen Hund zählt nicht dazu, ebenso wenig der Zusammen­stoß mit einem Rentier bei der Urlaubs­reise in Norwegen. Viele Kaskotarife, vor allem teure Varianten, erweitern aber den Deckungs­umfang und bieten auch Versi­cherungs­schutz bei Zusammen­stößen mit Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen, Hunden oder Katzen. Bei einigen heißt es auch schlicht „alle Tiere“.

Grobe Fahr­lässig­keit.

Wenn der Fahrer grob fahr­lässig zum Schaden beigetragen hat, darf die Kasko­versi­cherung ihre Entschädigung kürzen oder komplett streichen. Viele Tarife bieten als Extra den „Verzicht auf den Einwand der groben Fahr­lässig­keit“ an. Dann zahlen sie auch, wenn es gekracht hat, weil der Kunde zum Beispiel eine rote Ampel über­fahren hat. Die Klausel greift aber nicht, wenn der Fahrer unter Alkohol oder Drogen stand, oder wenn er den Diebstahl des Pkw grob fahr­lässig ermög­licht hat.

Mallorca­police.

Hier geht es um die Versi­cherung von Mietwagen im Ausland. In einigen Urlaubs­ländern sind die gesetzlichen Deckungs­summen nied­rig. Mit diesem Zusatz erhöht die eigene Haft­pflicht­versi­cherung die Deckung für den geliehenen Wagen – oft bis zur deutschen gesetzlichen Mindest­deckung.

Auslands­schaden­schutz.

Wird der Kunde im Ausland ohne Schuld in einen Unfall verwickelt, reguliert der eigene Haft­pflicht­versicherer den Schaden mit der ausländischen Gesell­schaft. Für den Schaden­ersatz gilt dann deutsches Recht.

Schadenrück­kauf.

Mit dieser Vertrags­klau­sel hat der Kunde in der Voll­kasko sechs, oft auch zwölf Monate Zeit, nachdem sein Versi­cherer einen Schaden bereits reguliert hat, das Ganze doch noch aus eigener Tasche zu bezahlen. Damit kann er eine Rück­stufung seines Schadenfrei­heits­rabatts (SF-Klasse) ver­meiden.

Zusätzliche Policen

Neben Haft­pflicht, Teil- und Voll­kasko gibt es zusätzliche Policen, die ratsam sind:

Schutz­brief. Dieser Zusatz­schutz kann vor allem auf Urlaubs­reisen Nerven sparen. Er kostet als Extra zur Haft­pflicht­versicherung in vielen Tarifen unter 10 Euro jähr­lich. Dafür gibt es Abschleppen, Pannen­hilfe, Rück­trans­port des kaputten Autos und vieles mehr.

Fahrer­schutz­versicherung. Verursacht der Fahrer einen Unfall, erhalten seine Beifahrer Schmerzens­geld von seiner Kfz-­Haft­pflicht­versi­cherung. Ein Zusatz­schutz für sie ist deshalb über­flüssig. Aber der Fahrer selbst erhält nichts. Schließ­lich kann er niemanden für seine Verletzungen haft­bar machen. In dem Fall greift die Fahrer­schutz­versicherung.

nach oben

Weniger wichtige Zusatz­leistungen in der Auto­versicherung

Für weniger wichtig halten wir folgende Zusatz­leistungen:

Abzug Neu für Alt. Wenn das Auto des Kunden nach einem Unfall mit Neuteilen repariert wird, kann es vorkommen, dass der Versicherer nicht die volle Werk­stattrech­nung über­nimmt. Schließ­lich können die Neuteile einen Wert­zuwachs des Autos bedeuten, zum Beispiel eine neue Lackierung. Diesen Gewinn zieht er von der Entschä­digung ab. Mit dieser Klausel verzichtet er auf den Abzug, der Kunde bekommt also den vollen Rechnungs­betrag.

Rabattretter. Mit dieser Klausel behalten Auto­besitzer ihren bisherigen Prozent­satz, wenn sie einen Unfall bauen. In vielen alten Verträgen ist das automa­tisch für Kunden in sehr güns­tigen SF-Klassen gratis enthalten. In neuen Verträgen gibt es den Rabattretter nur noch selten.

Rabatt­schutz. Dies ist der Ersatz für den Rabattretter, kostet aber meist Aufpreis. Damit wird der Kunde nach einem Unfall nicht zurück­gestuft. In einigen Tarifen darf er bis zu drei Schäden insgesamt melden. Anders als den Rabattretter können diese Klausel auch Kunden abschließen, die noch nicht in einer sehr nied­rigen SF-Klasse sind. Den Schutz gibt es oft ab SF-Klasse 4. Wechselt der Kunde später den Versicherer, gilt dort die SF-Klasse, die er ohne Rabatt­schutz hätte. Dann zählt der Unfall also doch.

Leasing. Die GAP-Deckung (eng­lisch für „Lücke“) greift, wenn die Versicherung nach Totalschaden oder Diebstahl nur den Wiederbeschaffungs­wert des Fahr­zeugs zahlt. Bei geleasten Autos liegt er aber oft unter dem im Vertrag vereinbarten Rest­wert.

Direkt­regulierung. Erleidet der Kunde im Inland schuldlos einen Unfall, ersetzt der eigene Versicherer den Schaden so, als wäre der Unfall­gegner bei ihm versichert.

nach oben

Verzicht­bare Leistungen in der Auto­versicherung

Einige Zusatz­leistungen sind in manchen Tarifen kostenlos enthalten. Einen Aufpreis wären sie auch nicht wert:

Vignette. Wenn die Front­scheibe kaputt ist und ausgetauscht werden muss, sind meist auch die dort aufgeklebten Plaketten hinüber und müssen nachgekauft werden. Doch das sind keine so hohen Beträge, dass dafür Versicherungs­schutz nötig wäre.

Park­schaden. Dieser Zusatz­schutz greift oft nur, wenn lediglich ein einziges Bauteil betroffen ist. Außerdem darf es in einigen Tarifen höchs­tens hand­flächen­groß sein. Hinzu kommen häufig 50 Euro Selbst­beteiligung.

Fähre. Mit dieser Klausel ist das Auto versichert, falls es bei einem Fähr­unglück im Wasser untergeht oder beschädigt wird.

Handy. Diese Klausel versichert Handys, die im geparkten Pkw liegen, gegen Diebstahl. Das gilt aber nur, wenn das Gerät nicht von außen zu sehen ist.

nach oben

Dieser Artikel ist hilfreich. 0 Nutzer finden das hilfreich.