Auto­versicherung Special

Auto­fahrer, die eine Auto­versicherung abschließen, müssen Fragen beant­worten. Wie viele Kilo­meter fahren Sie pro Jahr? Nutzen Sie das Auto allein oder mit Ihrem Partner? Um den Beitrag zu drücken, machen manche Kunden falsche Angaben. Doch nach einem Schadens­fall kommt die Schummelei schnell raus. Dann verlangen die Versicherer nach­träglich Geld – oder verhängen sogar eine Vertrags­strafe. Finanztest erklärt, worauf Sie achten müssen.

Versicherer verlangen nach­träglich Geld

Wie viele Kilo­meter fahren Sie pro Jahr? Nutzen Sie das Auto allein oder mit Ihrem Partner? Das sind zwei von vielen Fragen, die Auto­versicherer vor dem Abschluss eines Vertrags stellen. Die Antworten wirken sich auf den Beitrag aus. Wer zu wenig Kilo­meter angibt oder lügt, dass nur er selbst den Wagen fahre, senkt seinen Beitrag teil­weise um mehr als 100 Euro im Jahr. Kommt die Schummelei heraus, verlangen die Versicherer aber nach­träglich ihr Geld. In Extremfällen verhängen einige sogar eine Vertrags­strafe.

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Bei einem Unfall kommt alles raus

Falsch­angaben fliegen oft nach einem Unfall auf. „Wenn ein Kunde uns einen Schaden meldet oder eine Reparatur­rechnung einreicht, fragen wir nach dem Kilo­meter­stand und merken dann, ob er sich bei der Angabe seiner jähr­lichen Fahr­leistung verschätzt hat“, teilt uns die Huk-Coburg mit. Taucht im Unfall­bericht der Name eines Fahrers auf, der laut Versicherungs­schein das Auto gar nicht fahren durfte, führt auch das zu Nach­fragen. Der Kunde hat Glück im Unglück: Der Versicherungs­schutz geht ihm nicht verloren. Doch auf Basis der wahren Daten berechnen die Versicherer den Beitrag neu und kassieren bei Bedarf nach.

Ein Jahres­beitrag Vertrags­strafe

Hat der Auto­fahrer absicht­lich falsche Angaben gemacht, kann zusätzlich eine Vertrags­strafe fällig werden, zum Beispiel ein Jahres­beitrag bei Axa, Generali und R+V24. In der Praxis kommt es aber selten dazu. Denn der Versicherer müsste beweisen, dass der Kunde bewusst falsche Angaben gemacht hat. Und das ist schwer. Unternehmen wie Huk-Coburg, Direct Line oder DEVK verzichten daher auf Vertrags­strafen. Gelingt der Nach­weis doch einmal, wird es teuer. Das Amts­gericht Heidenheim hat im Jahr 2008 eine Vertrags­strafe in Höhe von 500 Euro abge­segnet (Az. 8 C 711/08). Der Fahrer hatte als Lauf­leistung 12 000 Kilo­meter pro Jahr angegeben und diese „deutlich über­schritten“. Das Ober­landes­gericht Stutt­gart fand im Sommer 2013 einen Jahres­beitrag als Vertrags­strafe in Ordnung. Statt 9 000 Kilo­metern war der Fahrer 32 000 Kilo­meter pro Jahr unterwegs. Nur weil die Klausel zur Strafe unklar formuliert war, musste er am Ende doch nicht zahlen (Az. 7 U 33/13).

Manchmal gibt es Beitrag zurück

Stellen Auto­fahrer fest, dass sie ihre Lauf­leistung zu nied­rig angesetzt haben, sind sie verpflichtet, die korrekte Kilo­meterzahl mitzuteilen. Sie müssen sich aber nicht bei jeder kleinen Abweichung regen. Der Versicherer Asstel fordert zum Beispiel erst ab 15 Prozent Abweichung eine Mitteilung. Einige Versicherer arbeiten mit Kilo­meterklassen. Klasse 1: bis 6 000 Kilo­meter, Klasse 2: 6 001 bis 9 000 Kilo­meter, Klasse 3: 9 001 bis 12 000 Kilo­meter und so weiter. Erst wenn der Kunde in eine andere Klasse rutscht, ist die Mitteilung nötig. Andere Unternehmen bleiben im Ungefähren. Es sei ratsam, „eine größere Differenz der Versicherung zu melden“, so die Huk-Coburg. Ratsam ist die Meldung auch, wenn ein Fahrer erheblich weniger gefahren ist als geplant – etwa weil die Urlaubs­fahrt nach Spanien ausgefallen ist. Auch dann sollte er den Versicherer anrufen. Im besten Fall springt nämlich eine Beitrags­erstattung raus.

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