Auto­versicherung Meldung

Auch nach dem 30. November können viele Auto­fahrer ihre Versicherung noch wechseln. Das kann viel Geld sparen. Denn nicht nur nach Unfall oder Fahr­zeugwechsel, sondern auch nach einer Beitrags­erhöhung besteht ein außer­ordentliches Kündigungs­recht. So eine Preis­anhebung wird oft in der Jahres­rechnung versteckt. Wer genau hinschaut, kann auch jetzt noch aus dem Vertrag aussteigen.

275 Euro gespart

Schnell mal 275 Euro sparen? So viel brachte der Wechsel der Auto­versicherung einem test-Leser. Bei der Huk-Coburg betrug die Jahres­rechnung für seinen C-Klasse-Mercedes 831 Euro – zu viel, meinte der Leser und kündigte. Wenige Tage später kam Post von der Huk. Sie senkte den Preis auf 774 Euro. Doch ein Preis­vergleich mit der Analyse Autoversicherung der Stiftung Warentest zeigte: Die DEVK bot Versicherungs­schutz zu ähnlichen Bedingungen schon für 556 Euro.

Tipp: Bei der Suche nach der richtigen Police hilft die individuelle Analyse der Stiftung Warentest. Sie bezieht so gut wie alle Versicherer mit ein und nennt güns­tige Tarife – genau für Ihren persönlichen Versicherungs­bedarf. Hier geht’s zur Analyse Autoversicherung.

Außer­ordentliche Kündigung nach dem 30. November

Der Fall zeigt: Selbst Fahrer, die schon bei einem preisgüns­tigen Versicherer wie der Huk sind, können mit einem Wechsel viel Geld sparen. Das klappt häufig auch jetzt im Dezember noch, obwohl der allgemeine Kündigungs­termin 30. November schon vorbei ist. Viele Versicherer erhöhen zum 1.1.2015 die Preise. Wird dabei nicht gleich­zeitig auch der Leistungs­umfang erweitert, steht Auto­besitzern ein außer­ordentliches Kündigungs­recht zu. Frist: ein Monat ab Erhalt der Rechnung. Eine Beitrags­erhöhung kann selbst dann vorliegen, wenn die Rechnung billiger ausfällt als im Vorjahr. Denn wenn ein Kunde unfall­frei geblieben ist, rutscht er in aller Regel in eine güns­tigere Schadenfrei­heits­klasse, sodass allein deshalb ein paar Prozent Beitrag weniger fällig sind. Es reicht daher nicht, nur danach zu schauen, ob der Endbetrag nied­riger ausfällt als im Vorjahr. Vielmehr ist ein genauer Blick in die Jahres­rechnung nötig.

Vergleichs­beitrag offen­bart verdeckte Preis­erhöhung

Dort müssen Kunden nach dem „Vergleichs­beitrag“ suchen, den viele Versicherer gut in der Rechnung verstecken. Er zeigt, ob eine verdeckte Preis­erhöhung vorliegt. Der Vergleichs­beitrag ist die Summe, die der Kunde hätte zahlen müssen, wenn seine neue Schadenfrei­heits­klasse schon im letzten Jahr gegolten hätte. Fällt dieser Betrag nied­riger aus als die neue Rechnung, hat der Versicherer die Preise erhöht. Das heißt: Selbst wenn die persönliche Endabrechnung billiger ist als im Vorjahr, wurde der Grund­beitrag ange­hoben. Ohne diese Anhebung wäre die Rechnung des einzelnen Kunden noch billiger ausgefallen. Eine verdeckte Preis­erhöhung liegt auch vor, wenn der Anbieter den Versicherungs­schutz verringert, ohne den Beitrag entsprechend zu senken. Selbst wenn die Anpassung Folge einer Änderung der Gesetzes­lage ist, steht dem Kunden ein außer­ordentliches Kündigungs­recht zu.

Kündigung bei Wechsel der Typklasse oder Regionalklasse

Dieses Kündigungs­recht greift auch, wenn der Beitrag aufgrund einer geänderten Typklasse ange­hoben wird. Jedes Auto­modell ist einer solchen Typklasse zuge­ordnet. Sie richtet sich nach der Summe der Schäden, die die Versicherer für dieses Auto­modell regulieren. Im nächsten Jahr werden 14 Prozent aller Fahr­zeuge einer neuen, teureren Typklasse zuge­ordnet. Die betreffenden Fahrer haben daher ein außer­ordentliches Kündigungs­recht. Ähnlich ist es bei den Regionalklassen. Alle Regionen sind bundes­weit je nach Schadenhöhe in unfall­trächtige und weniger unfall­trächtige Zonen einge­stuft. Rund 12 Prozent der Auto­fahrer kommen 2015 in eine teurere Regionalklasse. Auch eine Preis­anhebung aufgrund dieser Umstufung berechtigt zur Kündigung. Wenn der Kunde allerdings nur deshalb in eine teurere Regionalklasse kommt, weil er umzieht, kann er nicht aussteigen. Denn den Umzug hat er selbst zu vertreten. Aus demselben Grund gibt es kein außer­ordentliches Kündigungs­recht, wenn der Beitrag nur deshalb steigt, weil der Kunde einen Unfall hatte und daher in eine ungüns­tigere Schadenfrei­heits­klasse rutscht.

Einige Policen enden erst im Lauf des Jahres

Dagegen können auch Versicherte, deren Vertrag „unterjäh­rig“ endet, jetzt noch kündigen. Die meisten Kfz-Versicherungen legen das Ende des Versicherungs­jahrs auf den 31. Dezember, sodass die Kündigung bei einem Monat Frist bis 30. November beim Versicherer sein muss. Doch einige Anbieter scheren aus. Sie lassen das Versicherungs­jahr punkt­genau ein Jahr nach Vertrags­abschluss enden. Begann der Vertrag beispiels­weise am 20. März 2014, kann der Kunde zum 19. März 2015 aussteigen. Die Kündigung muss dann spätestens am 19. Februar beim Versicherer sein.

Nach Unfall und nach Fahr­zeugwechsel

Auch nach einem Schadenfall greift das Sonderkündigungs­recht. Wer einen Unfall hat, kann also mit einem Monat Frist aus dem Vertrag aussteigen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Versicherer den Schaden reguliert hat oder nicht. Dasselbe gilt, wenn der Kunde sein Auto abgibt und ein neues kauft. Bei einem Fahr­zeugwechsel darf er sofort außer­ordentlich kündigen, ohne eine Frist einzuhalten. Wenn er zuvor das versicherte Fahr­zeug verkauft, geht die Kfz-Versicherung dieses Autos auto­matisch auf den Fahr­zeugkäufer über. Der Neubesitzer kann den Vertrag inner­halb eines Monats außer­ordentlich kündigen. Wer sein Auto verkauft, sollte aber unbe­dingt den Versicherer darüber informieren.

Nach einer Kündigungs­bestätigung fragen

Die Kündigung sollte schriftlich erfolgen. Vielen Versicherern reicht eine E-Mail. Bitten Sie um eine Kündigungs­bestätigung. So können Sie im Zweifels­fall nach­weisen, dass Sie den Vertrag recht­zeitig und wirk­sam beendet haben. Wer ganz sicher gehen will, kündigt per Einschreiben. Nennen Sie dabei die Nummer des Versicherungs­scheins, das Kfz-Kenn­zeichen und den Kündigungs­grund – zum Beispiel „außer­ordentliche Kündigung wegen Beitrags­erhöhung“. Gerade in der Kasko ist es sinn­voll, zunächst eine neue Versicherung zu suchen und erst danach zu kündigen. Für extrem teure Autos bieten einige Gesell­schaften keinen Vertrag an. Bei einigen Anbietern ist das ab 80 000 Euro Kauf­preis so. Das gilt aber nur in der Kasko. Die Haft­pflicht ist gesetzlich vorgeschrieben. Da müssen die Versicherer jeden Kunden annehmen, zumindest zu den gesetzlichen Mindest­deckungs­summen.

Nicht nur auf Preis achten, sondern auch auf die Leistungen

Tipps für den neuen Vertrag: Achten Sie beim Neuabschluss nicht nur auf den Preis. Die Kfz-Haft­pflicht sollte als maximale Deckung mindestens 50 Millionen Euro, besser 100 Millionen Euro vorsehen. Der Schutz bei Tierbissen sollte sich auf alle Tiere erstre­cken, nicht nur auf Marder. Auch Wild­schäden sollten alle Tiere umfassen, nicht nur Haarwild. Außerdem sollten Teil- und Voll­kasko auf den „Einwand der groben Fahr­lässig­keit“ verzichten – also auch nach Unfällen zahlen, die der Kunde durch extreme Unaufmerk­samkeit verursacht hat. Für Neuwagen­besitzer ist es wichtig, dass die Neupreis­entschädigung möglichst lange gilt: nicht nur für sechs Monate, sondern besser für 18 oder gar 24 Monate.

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