Wenn bei einem Schadens­fall ein Auto beteiligt ist, wollen Privathaft­pflicht­versicherer nicht zahlen. Dagegen klagt der Bund der Versicherten (BdV), berichtet Vorstand Thorsten Rudnik.

Der BdV verklagt Axa, Allianz und R+V. Was ist der Hintergrund?

Rudnik: Es gibt seit Jahren Beschwerden von Kunden, die aus allen Wolken fallen, wenn ihre Privathaft­pflicht plötzlich nicht zahlt. Denn alle Versicherer verwenden eine „Benzinklausel“. Sie legt fest, dass Schäden nicht versichert sind, die der Kunde mit Autos oder anderen Motorfahr­zeugen anrichtet. Solche Schäden soll ihrer Meinung nach die Kfz-Haftpflicht zahlen.

Wie ist die Rechts­lage?

Rudnik: Ständig landen solche Fälle vor Gericht. Es liegen hunderte Urteile vor – und oft wider­sprechen sie sich trotz identischer Sachlage. Ein typisches Beispiel: Jemand packt seine Einkäufe ins Auto, der Einkaufs­wagen rollt weg, prallt gegen ein anderes Auto. Da sagen die einen Gerichte, das sei nur in der Kfz-Haft­pflicht versichert. Die anderen entscheiden das Gegen­teil. Und manche machen feine Unterschiede, zum Beispiel ob der Kunde mit dem Einpacken schon fertig war.

Und wenn der Kunde den Schaden der Kfz-Haft­pflicht meldet?

Rudnik: Falls sie zahlt, verliert er seinen Rabatt. Aber oft zahlt sie erst gar nicht. Als ein Auto­besitzer mit der Fernbedienung das Garagen­tor öffnete und dabei ein daneben geparktes Auto beschädigte, entschied das Gericht: kein Fall für die Privathaftpflicht. Auch die Kfz-Haft­pflicht zahlte nicht.

Also eine Versicherungs­lücke?

Rudnik: Genau. Für solche Fälle gibt es keine Versicherung. Der Kunde denkt, seine Haft­pflicht­police schützt ihn, aber das stimmt nicht. Und im Klein­gedruckten steht das nicht, die Klausel ist viel zu vage formuliert. Kein Kunde kann ahnen, was gemeint ist.

Sie wollen also erreichen, dass mehr Klarheit herrscht?

Rudnik: Ja, denn das kann existenz­bedrohend sein. Wenn ein Jugend­licher, der kein Geld hat, mit einem seit langem unver­sicherten Mofa einen Fußgänger anfährt, zahlt keine Mofa­versicherung und auch keine Privathaft­pflicht. Der Fußgänger bekäme vom Schädiger nichts. Wir mahnen das schon seit Jahren an. Die Klage soll da endlich etwas anstoßen.

Tipp: Eine Kfz-Haft­pflicht­versicherung ist Pflicht. Doch bei der Wahl einer Police lässt sich viel Geld sparen. Wenn Sie es sich einfach machen wollen, dann nutzen Sie den Service der Stiftung Warentest. Für 16 Euro suchen Ihnen die Versicherungsexperten ganz individuell einen passenden Tarif heraus. Die private Haft­pflicht­versicherung ist freiwil­lig – aber ein Muss für jeden. Wenn Sie noch keine Police haben, hilft der aktuelle Test Privathaftpflichtversicherungen. Sehr gute Tarife gibt es ab 49 Euro. Und auch wenn Sie schon versichert sind, sollten Sie einen Blick in die Police werfen. In alten Haft­pflicht­verträgen sind die Versicherungs­summen häufig zu gering.

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