Autoversicherung Meldung

Sieht ein Unfall wie Betrug aus, weigern sich Autoversicherer erst einmal zu zahlen.

Bei rund 10 Prozent aller Schadensfälle ist nach Schätzungen der Autoversicherer Betrug im Spiel. "Diese 10 Prozent machen etwa 5 Milliarden Mark Schadenssumme aus und damit rund ein Viertel der Gesamtschadenssumme der Versicherer in diesem Bereich", erklärt Jörg Beier vom Berliner Landeskriminalamt. Er ist stellvertretender Leiter des Fachkommissariats "Verkehrsunfälle in betrügerischer Absicht", kurz VUBA. Dieses wurde 1989 eigens gegründet, um geplante Verkehrsunfälle einzudämmen.

Die Betrüger, die aus mutwillig zerstörten Autos Profit schlagen wollen, schaden nicht nur den Versicherern. Sie bringen andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr und treiben die Versicherungsprämien in die Höhe. Sie haben dazu beigetragen, dass Versicherer bei bestimmten Unfällen misstrauisch reagieren.

Typische Betrugsmanöver

Zu den häufigsten Betrugsmanövern zählt der fingierte Unfall: Der Fahrer lässt zum Beispiel einen Freund mit einem Mietwagen in den eigenen Wagen fahren und kassiert die Summe, die die Haftpflichtversicherung des Autoverleihers zahlt. "Hier kann es schon mal um eine Schadenssumme bis zu 30.000 Mark gehen. Diese wird von einem Gutachter ermittelt, man bekommt das Geld von der Versicherung und lässt das Auto in einer Hinterhofgarage für 8.000 Mark reparieren", sagt Kommissar Jörg Beier. Das ist aber nur eine von vie-len Varianten des fingierten Unfalls.

Eine Sonderform ist das Berliner Modell: Ein Auto wird geparkt und nachts gezielt mit einem gestohlenen Auto gerammt. Der Unfallfahrer, der bestellt war, macht sich zu Fuß davon und die Haftpflichtversicherung des Bestohlenen soll zahlen. Zuerst und gehäuft aufgetreten ist dieses Betrugsmuster Ende der achtziger Jahre im Berliner Stadtbezirk Kreuzberg. Dann wurde es im Rest der Republik nachgeahmt.

Weniger häufig, aber umso gefährlicher sind die provozierten Unfälle. Ein Fahrer deutet zum Beispiel einem anderen, der die Spur wechseln will, an, dass er ihn vorlässt. Dann bremst er aber nicht und der Spurwechsler fährt ihm ­ wie gewünscht ­ ins Auto. Oder ein Fahrer beschleunigt absichtlich vor einer auf Gelb umspringenden Ampel und macht dann doch eine Vollbremsung. Der nachfolgende Pkw fährt auf.

Bei provozierten Unfällen kann es schnell zu Verletzten kommen. Auch sind sie oft sehr schwer zu beweisen. "Am besten man schaut sich sofort nach Zeugen um, die notfalls die eigene Aussage bestätigen können", rät Beier.

Ziemlich hinterhältig ist der Trick, dem Hintermann vor einer Ampel rückwärts in die Stoßstange zu fahren. Das sieht dann aus wie ein Auffahrunfall, und bei so geringer Geschwindigkeit sagen die hinterlassenen Spuren nichts über die Fahrtrichtung aus. Wieder ist es sehr wichtig, Zeugen zu haben.

Unschuld beweisen

Die Versicherer sind inzwischen sensibel geworden, vor allem was das Berliner Modell angeht. Passiert ein Unfall nach diesem Muster, zahlen sie erst einmal nicht. Auch vor Gericht stehen die Chancen des vermeintlichen Betrügers nicht besonders gut.

Häufen sich die Indizien, die auf einen solchen gestellten Unfall hinweisen, kehrt sich die Beweislast um. Nicht mehr der Versicherer muss beweisen, dass es sich um einen Unfall nach dem Berliner Modell handelt, sondern der Besitzer des angefahrenen Autos muss schlüssig darlegen, dass dem nicht so ist.

Inzwischen haben alle Versicherer bestimmte Verdachtsraster, die echte Unfälle von betrügerischen trennen sollen. Wichtiger aber wäre, meint Jörg Beier vom Berliner Landeskriminalamt, dass die Gesellschaft endlich aufhört, den Betrug der Autoversicherung als Kavaliersdelikt anzusehen. Denn oft werden dabei andere Verkehrsteilnehmer bewusst einer Gefahr ausgesetzt.

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