Autoversicherung Test

Rund 35 Prozent der Schäden in der Kfz-Haftpflicht liegen unter 1 500 Euro. In diesem Bereich ist Selbstzahlen für den Verursacher oft günstiger.

Eine Kfz-Versicherung mit einem niedrigen Beitragssatz ist solange günstig, bis die Fahrerin kein anderes Auto rempelt. Wer dann den Schaden über die Haftpflicht reguliert, bekommt meist eine deftige Quittung: Denn der Versicherer kürzt den über Jahre angefütterten Schadenfreiheitsrabatt. Manche Unternehmen gehen dabei drastisch vor und verlangen ab dem folgenden Versicherungsjahr einen fetten Beitragsaufschlag. Oft günstiger ist, den Blechschaden aus eigener Tasche zu begleichen. Finanztest rechnet anhand zweier Modellfälle für jeweils 126 Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskotarife vor, bis zu welcher Schadenshöhe Unfallverursacher besser selber zahlen. Stiftung Warentest online bietet den passenden Rechner kostenlos zum Download.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Autoversicherung

Grenzwert-Rechner weist den Weg

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Jeder Fahrzeuglenker, der schon mal einem anderen Auto das Blech verbeult hat, kennt das Dilemma: Soll ich von meiner Versicherung den Schaden regulieren lassen? Dann wird mein Schadensfreiheitsrabatt herabgesetzt und der Beitrag steigt. Oder soll ich den Schaden besser aus dem eigenen Portmonee bezahlen und meine Schadenfreiheitsklasse dafür behalten? Für den Versicherer spielt es bei der Rückstufung keine Rolle, ob der Autofahrer einen Totalschaden oder eine winzige Delle verursacht hat. Wie stark sich die Rückstufung der Gesellschaft auswirkt, hängt von der Höhe des Jahresbeitrags und der vor dem Unfall erreichten Schadenfreiheitsklasse ab. Für jeden Tarif einzeln gibt der aktualisierte Finanztest Grenzwert-Rechner darauf blitzschnell Auskunft. Das Ergebnis sagt, bis zu welcher Grenzsumme es sich für den Versicherten in der Haftpflicht- oder der Vollkaskoversicherung lohnt, die Reparatur selbst auszubügeln.

Rückstufung wird teuer

Dieses Beispiel verdeutlicht das Sparpotential: Ein junger Fahrer, eingestuft in Schadenfreiheitsklasse 2, zahlt für seine Haftpflicht einen Jahresbeitrag von 1 000 Euro. Er baut einen Unfall. Der Versicherer stuft ihn nun von Schadenfreiheitsklasse 2 auf Klasse 1/2 herunter. Sein Beitrag würde für das nächste Versicherungsjahr 1 647 Euro betragen. Ohne den Unfall erhielte der Fahrer einen zusätzlichen Schadenfreiheitsrabatt und müsste im Folgejahr nur 824 Euro zahlen. Damit nicht genug. Im zweiten Jahr liegt der Beitrag nach Regulierung des Unfalls durch den Versicherer bei 1 176 Euro, während ohne nur 706 Euro fällig wären. Erst im 23. Versicherungsjahr nach dem Unfall hat der Unfallverursacher den Schadenfreiheitsrabatt erreicht, den ihm der Versicherer ohne den Schaden schon längst gewähren würde. Der Unfall würde ihn bei konstantem Beitrag über die Jahre insgesamt 2 765 Euro mehr kosten. Es lohnt sich deshalb für ihn, einen Schaden, dessen Barwert darunterliegt, selbst zu begleichen, anstatt ihn vom Versicherer zahlen zu lassen.

Anbieter wechseln lohnt sich oft

In welch unterschiedlichem Maß einzelne Tarife den Schadenfreiheitsrabatt reduzieren, verdeutlicht die Tabelle. Einem bereits 25 Jahre unfallfrei fahrenden Haftpflicht- und Kaskoversicherten kann es passieren, dass ein Anbieter nach reguliertem Schaden den Beitrag um mehr als das Fünffache anhebt. Wegen der unterschiedlichen Regeln für die Rückstufung im Schadensfall kann sich gerade nach einem Unfall der Wechsel zu einem anderen Anbieter lohnen. Zudem sind die Preisunterschiede bei Kfz-Policen enorm, sodass sich der Wechsel zu einer günstigen Versicherung oft sowieso rechnet. Wessen Fahrerbiographie aber zu viele Vorschäden aufweist, kann es schwer haben, eine neue Kaskoversicherung zu finden. Im Gegensatz zur Haftpflicht sind die Autoversicherer nicht verpflichtet, jedem Kunden einen Kaskoschutz zu geben.

Rabattretter: Gut, wer einen hat

Wer schon länger Auto fährt, sollte bei einem Wechsel darauf achten, dass der neue Vertrag einen Rabattretter bietet. Dieser schützt Versicherungsnehmer, die mindestens schon Schadenfreiheitsklasse 25 erreicht haben. Nach einem Schaden rettet er den Kunden davor, mehr als 30 Prozent des Beitrags zahlen zu müssen. Allerdings können Fahrer solche Sondereinstufungen durch den Versicherer oft nicht zu einem neuen Anbieter mitnehmen. Denn der nimmt die Einstufung lediglich nach der unfallfreien Zeit und den Schäden vor, berücksichtigt den Beitragssatz des alten Versicherers aber nicht. Gegen Aufpreis kann der Fahrer einen vollständigen Rabattschutz zur Versicherung dazukaufen. Nur in wenigen Tarifen ist er enthalten. Er verhindert bei manchen Gesellschaften aber nur bei einem Crash die Rückstufung, dann ist der Joker weg.

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