Viele Kunden, die den Kündigungs­termin 30. November für ihre Auto­versicherung verpasst haben, können trotzdem noch zu einem billigeren Anbieter wechseln. test.de sagt, was möglich ist.

Späte Rechnung

Viele Auto­fahrer bekommen die Rechnung ihrer Auto­versicherung erst kurz vor knapp: Bis 30. November muss jeder, der zu einem anderen Anbieter wechseln will, seinen Altvertrag kündigen. Spätestens zu diesem Termin muss das Kündigungs­schreiben beim Versicherer sein. Doch was, wenn die Rechnung erst ein paar Tage vorher im Brief­kasten war? Oder sogar erst nach dem Termin ankam? Die meisten Betroffenen können auch dann noch aussteigen: Immer wenn bei gleichen Leistungen eine Beitrags­erhöhung erfolgt – und das ist in diesem Jahr bei den meisten Kunden so – greift ein außer­ordentliches Kündigungs­recht. Ausnahme ist, wenn der Beitrag steigt, weil der Kunde einen Unfall hatte und in eine schlechtere Schadenfrei­heits­klasse zurück­gestuft wird.

Rechnung billiger, aber Grund­beitrag steigt

Dabei kommt es nicht auf den individuellen Beitrag an, sondern auf den Grund­beitrag. Oft ist für den Versicherten gar nicht ersicht­lich, dass eine Beitrags­erhöhung vorliegt. Denn es kann vorkommen, dass trotz Beitrags­erhöhung sein individueller Beitrag um einige Euro sinkt – nämlich wenn er schadenfrei blieb und deshalb in eine güns­tigere Schadenfrei­heits­klasse mit nied­rigerem Prozent­satz rutscht, etwa von SF 8 mit 50 Prozent Beitrags­satz in SF 9 mit 45 Prozent. Auf der Rechnung steht das aber häufig nicht deutlich genug. Zwar muss dort der so genannte Vergleichs­beitrag genannt werden. Doch der steht mitunter nur im Klein­gedruckten oder auf den Seiten mit der Beitrags­information. Der Kunde kann den Grund­beitrag aber leicht selbst ausrechnen.

Einfache Rechnung

Das geht so: Preis mal 100 geteilt durch den individuellen Beitrags­satz. Beispiel: Ein Kunde mit 55 Prozent Beitrags­satz bekommt eine Rechnung über 402,31 Euro. Dieser Betrag multipliziert mit 100 geteilt durch 55 ergibt 731,47 Euro. Das ist der Grund­beitrag. Außerdem muss die Rechnung den individuellen Beitrag sowie den Beitrags­satz aus dem Vorjahr aufführen. Daraus lässt sich nach demselben Rechenschema der Grund­beitrag des Vorjahres errechnen. Anschließend kann der Kunde vergleichen, ob eine Beitrags­erhöhung vorliegt.

Jetzt noch ein Monat Zeit

Wer das Sonderkündigungs­recht nach Beitrags­erhöhung nutzen möchte, hat dafür einen Monat Zeit ab Zugang der Beitrags­rechnung. Die Kündigung gilt dann mit sofortiger Wirkung, frühestens zu dem Zeit­punkt, an dem die Erhöhung wirk­sam werden sollte. Der Kunde sollte im Schreiben klar Bezug nehmen auf die Beitrags­erhöhung.

Güns­tige Tarife finden

Tipp: Kümmern Sie sich schon vor der Kündigung um einen güns­tigeren neuen Vertrag. Sie erhalten die Police oft inner­halb weniger Tage zuge­schickt. Meist bestätigt der Versicherer umge­hend per Email oder Brief, dass Versicherungs­schutz ab dem neuen Jahr besteht. Die neue Gesell­schaft sendet auto­matisch eine Versicherungs­bestätigung an die Zulassungs­stelle. Güns­tige Tarife finden Sie im Test Autoversicherungen im Vergleich. Mit Hilfe des Kfz-Versicherungsvergleich der Stiftung Warentest erhalten Sie individuell güns­tige Tarife für Ihr Fahr­zeug.

Mehr Möglich­keiten zum Ausstieg

Das Sonderkündigungs­recht besteht ebenfalls nach einem Schadens­fall. Bei einem Totalschaden oder bei Verschrottung endet der Vertrag auto­matisch, sobald der Wagen beim Straßenverkehrs­amt abge­meldet wurde. Bei Verkauf kann der Altvertrag binnen eines Monats gekündigt werden. In der Regel beantragt der Käufer bei einer anderen Gesell­schaft einen neuen Vertrag. Dann gilt der Altvertrag auto­matisch als gekündigt. Den bereits bezahlten Jahres­beitrag muss der bisherige Versicherer anteilig erstatten.

Ausnahme: Lauf­zeit endet unterjäh­rig

Ausnahme: Einige Unternehmen lassen das Versicherungs­jahr nicht am 31. Dezember enden, sondern genau ein Jahr nach dem Datum, an dem der Vertrag begonnen wurde. Wer so eine Police beispiels­weise am 15. Mai abge­schlossen hat, kann dann auch nur zum 15. Mai des nächsten Jahres aussteigen. Dabei beträgt die Kündigungs­frist ebenfalls einen Monat. Das Schreiben müsste also einen Monat zuvor beim Versicherer sein.

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