Interview: Viele Auto­fahrer wollen Geld statt Reparatur

Dem Sach­verständigen Markus Plebst entgeht keine Delle. Nach Hagel­unwettern begut­achtet er Autos für den Versicherer Württem­bergische. Rund 20 000 Hagelschäden regulierte der Versicherer im vergangenen Jahr. Gut die Hälfte der Auto­fahrer ließ den Schaden nicht reparieren, sondern sich das Geld auszahlen.

Wie erkennen Sie Hagelschäden?

Plebst: Hagelschäden sind am besten in einer gut beleuchteten Halle oder Garage zu erkennen. Wir stellen Stell­wände mit Streifen­muster auf, benutzen sogenannte Dellenreflektoren und beleuchten das Fahr­zeug mit Neonlicht. Um Verformungen gut sehen zu können, ist es wichtig, dass das Auto bei der Begut­achtung sauber ist.

Wie geht es nach der Schaden­aufnahme weiter?

Plebst: Wir berechnen die Schadenhöhe mit einem Computer­programm. Dabei werden die Anzahl und Größe der Dellen sowie der Wert des Autos in Relation gesetzt. Der Kunde bekommt ein Gutachten und kann entscheiden, ob er die Schäden in einer Werk­statt beheben oder sich die Schadens­summe auszahlen lässt – das ist häufig bei älteren Autos der Fall. Erstattet wird dem Kunden der Nettoschaden­betrag abzüglich der vereinbarten Selbst­beteiligung. Dazu ein Beispiel: Bei einem sieben Jahre alten Passat, der laut Schwacke-Liste einen Wert von 9 000 Euro hat, stellen wir Hagelschäden in Höhe von 3 000 Euro fest. Dem Kunden erstatten wir 2 371 Euro, wenn die vereinbarte Selbst­beteiligung bei 150 Euro liegt. Die Rechnung geht so: 3 000 Euro Brutto minus 19 Prozent Mehr­wert­steuer minus 150 Euro Selbst­beteiligung.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden im Durch­schnitt?

Plebst: Die Kosten eines Hagelschadens variieren je nach Region, Art des Hagels und Fahr­zeugmodell. Meist liegen sie zwischen 500 und 5 000 Euro. In der Spitze können es aber auch mehr als 20 000 Euro bei hoch­wertigen Autos oder Wohn­mobilen sein.

Wie werden die Dellen repariert?

Plebst: Meist wird die sanfte Reparatur­methode genutzt: Die Dellen werden heraus­gedrückt oder mit einer Klebe­technik heraus­gezogen. Das erspart eine Nach­lackierung. Die Lackierung des Autos bleibt somit im Original erhalten.

Wie lässt sich das Auto am besten gegen Hagelschäden schützen?

Plebst: Nur eine Garage bietet voll­ständigen Schutz. Überge­legte Decken oder andere Abdeckungen haben sich oft nicht bewährt.

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