Autoversicherung Meldung

Autoversicherer wollen sparen: Unfallopfer sollen weniger Schadenersatz bekommen und bei Reparaturen Gebrauchtteile.

"Schnell ran an den Schaden" ist seit einigen Jahren die Devise der Fahrzeugversicherer. Deshalb investierten sie auch 170 Millionen Mark, um die Notrufsäulen an den Autobahnen zu übernehmen. Unfallopfer, die an den orangefarbenen Säulen um Hilfe bitten, landen heute nicht mehr bei der Autobahnmeisterei, sondern direkt in einem Call-Center der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Hat der Versicherungsmitarbeiter den Unfallgeschädigten erst einmal am Wickel, kann er ihn von der praktischen Rundumbetreuung der Gesellschaft nach einem Unfall überzeugen: Der Kunde muss sich um nichts kümmern, bekommt sofort einen Mietwagen und das reparierte Auto steht zwei Tage später wieder vor seiner Haustür.

Effektives Schadensmanagement ist das Stichwort. Es hat vor allem zum Ziel, die Kosten der Versicherungsunternehmen zu drücken. Der Versicherte soll erst gar nicht auf die Idee kommen, sich selbst eine Werkstatt, einen freien Sachverständigen, eine teure Mietwagenfirma oder gar einen Anwalt zu suchen. Die Gesellschaft macht das schon. Das ist für den Versicherten bequem, aber nicht immer ohne Tücken. Denn dass bei dem ungezügelten Spardrang der Geschädigte schon mal nicht ausdrücklich auf die Nutzungsausfallentschädigung hingewiesen oder ihm die Ausgleichszahlung für die Wertminderung seines Autos vorenthalten wird, kommt vor. Es ist deshalb wichtig, dass er seine Rechte als Unfallopfer genau kennt.

Reparatur mit Gebrauchtteilen

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Doch auch die effektive Schadensregulierung hat der durch harten Wettbewerb angeschlagenen Kfz-Versicherungsbranche in den letzten Jahren nicht in gewünschtem Maße Gewinne gebracht. Dies hat den Versicherer Allianz zu einer neuen Sparvision inspiriert: Statt Neuteile sollen in Zukunft gebrauchte Ersatzteile in Unfallwagen eingebaut werden. Mit bis zu 5 Prozent Ersparnis rechnet Wolfgang Heilmann von der Allianz. "Das ganze Unterfangen steckt aber noch in den Kinderschuhen. Es gibt erste kleine Versuche."

Die Idee, einen drei Jahre alten Unfallwagen mit günstigen, aber geprüften Teilen aus einem ebenfalls drei Jahre alten Auto desselben Modells zu reparieren, klingt zunächst vernünftig ­ vor allem aus ökologischer Sicht. Für den einzelnen Geschädigten bedeutet es aber auch, dass sein wertgeminderter Unfallwagen durch die Gebrauchtteile noch weniger wert ist und sich wahrscheinlich schlechter verkaufen lässt. Ein Gebrauchtteil verschleißt zudem schneller als ein neues. Schon wieder trägt das Unfallopfer die Last. Branchenexperten weisen zudem darauf hin, dass durch den Einbau von Gebrauchtteilen meist die dreijährige Hersteller-Garantie entfällt.

Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) rechnet damit, dass sich das Allianz-Vorhaben längerfristig durchsetzt und andere Versicherer dem Beispiel folgen werden. Besonders wenn die Altautoverordnung von 1997, die die Hersteller zur Rücknahme von Altautos verpflichtet, richtig in Gang kommt und sich dann Gebrauchtteile leichter beschaffen lassen.

Weniger Schadenersatz

Auch der neue Entwurf zum Zweiten Schadenersatzrechtsänderungsgesetz, das nach Planung des Bundesjustizministeriums Anfang 2002 in Kraft treten soll, hilft den Kfz-Versicherern zu sparen. Das Schmerzensgeld soll im Bagatellbereich abgeschafft werden: Für blaue Flecken, ein leichtes Schleudertrauma oder vorübergehendes Unwohlsein wird der Autofahrer künftig kein Geld mehr von der gegnerischen Versicherung bekommen.

Ein viel größerer finanzieller Coup steht den Kfz-Versicherern aber mit der Änderung des Paragraphen 249 des Bürgerlichen Gesetzbuches ins Haus: Unfallgeschädigten, die ihr Auto nicht reparieren, sondern sich auf Basis eines Gutachtens von den Versicherern das Geld auszahlen lassen, soll die Schadensumme um 16 Prozent Umsatzsteuer gekürzt werden.

240 Millionen Mark werden die Versicherer damit nach Angaben des GdV sparen. Hans-Jürgen Gebhardt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein schätzt sogar, dass die Unternehmen durch diese Gesetzesänderung langfristig mehrere Milliarden Mark einsparen werden.

Zurzeit kann der Geschädigte entweder sein Auto reparieren und sich die entstandenen Kosten einschließlich Umsatzsteuer vom Versicherer erstatten lassen. Oder aber er lässt die Kosten für die Reparatur von einem Gutachter schätzen ­ ebenfalls inklusive Umsatzsteuer ­ und sich die Summe auszahlen. Bekommt er dann von der Versicherungsgesellschaft den Betrag, fragt niemand, ob er überhaupt reparieren lässt oder weiterhin mit einer Beule im Auto herumfährt und seine Freundin von dem Geld zu einem Kurztrip einlädt. Was geht es das Versicherungsunternehmen auch an?

Diese so genannte fiktive Abrechnung ist den Versicherern aber schon lange ein Dorn im Auge. Die Schätzungen der Gutachter seien zu hoch, viele Geschädigte würden ihre Autos billig im Ausland reparieren lassen und so an dem Unfall auch noch verdienen. Indem nun 16 Prozent weniger gezahlt werden, soll diesem angeblichen Missbrauch Einhalt geboten werden.

Bruno Gas vom GdV reicht das nicht. Er fordert sogar, weitere Kosten nicht mehr zu erstatten, weil sie gar nicht anfielen: Neben der Mehrwertsteuer seien das die Lohnnebenkosten. "Nach unseren Berechnungen wäre ein Abzug von insgesamt 25 Prozent gerechtfertigt", sagt Gas.

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