Auto­verkauf Bei Probefahrt lieber mitfahren

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Auto­verkauf - Bei Probefahrt lieber mitfahren
Verkäufer sollten Interes­senten bei einer Probefahrt begleiten. © Getty Images / Adam Gault

Wer Kauf­interes­senten sein Auto für eine Probefahrt über­lässt, ist es los, wenn der Probefahrer das Fahr­zeug nicht zurück­bringt, sondern an eine dritte Person verkauft – sofern diese es in gutem Glauben erwirbt. Das hat der Bundes­gerichts­hof in einem aktuellen Urteil entschieden.

Teilkasko zahlt nur bei Diebstahl

Wer sein Auto verkaufen will, sollte dabei sein, wenn der Interes­sent eine Probefahrt unternimmt. Denn wenn man einem Fremden freiwil­lig das Auto über­lässt und er es nicht zurück­bringt, ist das kein Diebstahl, sondern Unter­schlagung. Wichtig: Bei Unter­schlagung zahlt die Teilkasko meist nicht, bei Diebstahl schon.

Der Fall

In dem Fall vor dem Bundes­gerichts­hof (BGH) traf es keinen Privatverkäufer, sondern ein Auto­haus. Es hatte einem Kauf­interes­senten einen 52 900 Euro teuren Mercedes für eine Probefahrt mitgegeben. Doch der Mann brachte das Auto nicht zurück, sondern verkaufte es übers Internet. Als die Käuferin es zulassen wollte, flog auf, dass es als gestohlen gemeldet war. Nun verlangte das Auto­haus den Wagen zurück – getreu dem Rechts­grund­satz, dass man geklaute Sachen nicht recht­mäßig erwerben kann.

Das Urteil

Der BGH gab der Frau recht. Sie konnte nicht ahnen, dass der Verkäufer ein Betrüger war. Sein Pass und die Kfz-Papiere waren hoch­wertig gefälscht. Das war für Laien nicht erkenn­bar. Es gab für die Frau keinen Anhalts­punkt für einen Verdacht (Az. V ZR 8/19).

Bei Unter­schlagung kein Anspruch auf Rück­gabe

Der BGH argumentierte, dass der Betrüger zwar nicht Eigentümer des Pkw war, aber Besitzer. Denn er hatte die volle Verfügungs­gewalt über den Wagen, ohne dass das Auto­haus auf das Auto einwirken konnte. Daher hatte der Mann es nicht gestohlen, sondern unter­schlagen. Anders als bei Diebstahl hat ein Eigentümer dann keinen Anspruch auf Rück­gabe des Diebes­guts. Das Auto­haus musste der Käuferin sogar noch die Auto­papiere aushändigen.

Versicherung zahlt bei Unter­schlagung meist nicht

Auch viele Kaskotarife unterscheiden zwischen Diebstahl und Unter­schlagung. Im Klein­gedruckten steht oft unter Punkt A 2.2: „Unter­schlagung ist nur versichert, wenn dem Täter das Auto nicht zum Gebrauch in seinem eigenen Interesse über­lassen wird.“ Eine Probefahrt ist in seinem Interesse und daher nicht versichert.

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