Auto­unfall im Ausland Special

Wenn es im Urlaub kracht, kann die Regulierung des Schadens lange dauern. Immerhin: Gegen solchen Ärger können sich Auto­fahrer versichern. Hier lesen sie alles, was Sie rund ums Thema „Unfall im Ausland“ wissen müssen – und was Sie im Fall des Falles tun sollten.

Auslands­unfall – das Wichtigste in Kürze

Formulare. Nehmen Sie bei Fahrten ins Ausland die Grüne Karte mit. Legen Sie sich vorsorglich auch einen Europäischen Unfall­bericht ins Hand­schuhfach.

Schutz. Schließen Sie bei Ihrem Haft­pflicht­versicherer den Auslands­schaden­schutz ab zum Kfz-Versicherungsvergleich.

Bereich. Fragen Sie vor Fahrten außer­halb der EU Ihre Kfz-Versicherung, wie weit sie auch dort greift.

Polizei. Rufen Sie bei einem Unfall im Ausland grund­sätzlich die Polizei.

Beweise. Notieren Sie Namen und Kenn­zeichen des Unfall­gegners. Fragen Sie Zeugen nach ihren Personalien. Machen Sie Fotos vom Unfall.

Unfälle oft in Frank­reich und Italien

Rund 27 000 Mal hatten deutsche Auto­fahrer im Jahr 2014 einen Unfall im Ausland, am häufigsten in Frank­reich und Italien. Jeweils 4 600 Unfälle wurden aus diesen Ländern dem Zentralruf der Auto­versi­che­rer gemeldet. Die Nieder­lande, Österreich und Polen folgen in der Statistik. Der Zentralruf ist die Anlauf­stelle, wenn Urlauber einen Unfall haben. Heiko Beermann, Geschäfts­führer der Dienst­leistungs-GmbH des Gesamt­verbandes der Versiche­rungs­wirt­schaft (GDV), die den Zentralruf betreibt, erklärt: „Wir ermitteln die Versicherung und nennen einen Ansprech­partner.“

Erreich­bar ist der Zentralruf unter der kostenlosen Rufnummer 0 800/2 50 26 00 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Da 0 800er Nummern aus dem Ausland nicht funk­tionieren, steht dort die Fest­netz­nummer +49 4 03 00 3 3 03 00 zur Verfügung.

Tipp: Wenn es um einen Unfall mit einem Mietwagen im Ausland geht, dann hilft unser Special „Mietwagen – Unfall im Ausland“.

Deutsch­sprachigen Schaden­bearbeiter erreichen

Wichtig ist der Anruf vor allem für Urlauber, die am Unfall keine Schuld tragen und nun von einem ausländischen Fahrer Schaden­ersatz wollen. Ihnen nennt der Zentralruf einen Ansprech­partner. Wer selber Schuld hat am Unfall, meldet den Schaden schnell seiner Kfz-Haft­pflicht­versicherung. Sie setzt sich mit dem Unfall­gegner in Verbindung (zum Basiswissen Autoversicherung).

Der Ansprech­partner, den der Zentralruf nennt, ist der offizielle Schaden­regulie­rungs­beauftragte. Gesell­schaften, die in der Europäischen Union Kfz-Versicherungen verkaufen, haben in Deutsch­land einen Vertreter, der deutsch spricht.

Wer einen Unfall im Ausland hatte, kann also auch von Deutsch­land aus seine Ansprüche gegen die fremde Versicherung geltend machen. Aber Achtung: Die Regulie­rungs­beauftragten arbeiten im Auftrag der ausländischen Versicherungen. Sie sind keine Schlichtungs­stelle. Sie vertreten nicht die Interessen des deutschen Unfall­opfers, wie es ein eigener Anwalt tun würde.

Nach dem Unfall immer die Polizei rufen

Wenn es gekracht hat, sollten die Betrof­fe­nen die Polizei rufen. Die Notrufnummer lautet EU-weit 112. In einigen Ländern verlangen die Versicherer ein polizei­liches Protokoll. Es ist sinn­voll, sich eine Durch­schrift geben zu lassen, inklusive Aktenzeichen und Adresse der Polizei­station. Lassen Sie sich die Papiere des Unfall­gegners zeigen. Egal was die Polizisten machen: Es empfiehlt sich, selber Beweise zu sichern.

Unfall im Ausland: Diese Daten sollten Sie sichern

Die Daten des Unfall­gegners notieren. Name, Anschrift, Kenn­zeichen, Versicherer.

Zeugen. Anschriften von Zeugen aufschreiben.

Fotos machen. Über­sichts­bilder der ge­sam­ten Unfall­situation aus verschiedenen Blick­winkeln und erhöhter Position, ebenso Details wie Knicke in der Brems­spur.

Danach zuerst die Autos zur Seite fahren. Dann ist Zeit, die Schäden an den Autos im Detail zu fotografieren.

Den Europäischen Unfall­bericht verwenden

Es ist ratsam, den Europäischen Unfall­bericht zu verwenden. Das ist ein EU-weit einheitliches Formular, abge­fasst in jeweils einer Sprache der EU. Inhalt­lich und grafisch ist es in allen Sprachen gleich. Die Fragen sind durch­nummeriert. Man kann also ein Formular auf deutsch ausfüllen, der Unfall­gegner in seiner Sprache, und anschließend wechselseitig unter­schreiben. Die Unter­schrift bedeutet kein Schuld­anerkennt­nis. Formulare bekommen Auto­besitzer bei ihrem Versicherer oder gratis beim GDV unter www.gdv-dl.de/infocenter.html. Andere Schrift­stücke sollten Sie am Unfall­ort besser nicht unter­schreiben, vor allem keines in einer fremden Sprache.

So geht es nach dem Unfall und der Meldung weiter

Bei Unfällen in der EU muss der Schaden­beauftragte inner­halb von drei Monaten ein Entschädigungs­angebot vorlegen. Lehnt er jede Leistung ab, muss er dies begründen. Die Frist beginnt, sobald das Unfall­opfer den Antrag auf Entschädigung stellt. Das kann man selbst per Post erledigen und aus Beweisgründen am besten per Einschreiben. Kommt keine Antwort, kann der Geschädigte sich an die Verkehrs­opfer­hilfe wenden.

Der Schaden­ersatz richtet sich nicht nach deutschem Recht, sondern nach dem Recht des Staats, in dem der Unfall passiert – es sei denn, der Unfall­gegner ist ebenfalls aus Deutsch­land. Dann gilt deutsches Recht.

Kommt es zum Gerichts­streit, müssen Geschädigte bei Unfällen in der EU nicht vor Gericht im Ausland klagen. Sie können das Gericht an ihrem Wohn­ort wählen (Europäischer Gerichts­hof, Az. Rs. C-463/06). Es gilt aber das Recht des Unfall­staats.

Schaden­ersatz: Je nach Land sehr unterschiedliche Regeln

Die Regeln für den Schaden­ersatz unterscheiden sich erheblich, selbst inner­halb der EU. Teils wird deutlich weniger gezahlt als in Deutsch­land. In Frank­reich und Spanien werden Anwalts­kosten meist nicht ersetzt. Wert­minderung, Mietwagen, Gutachter­kosten muss das Unfall­opfer teils selbst tragen. Dennoch empfiehlt es sich, gleich einen Anwalt einzuschalten. Das gilt vor allem bei Unfällen außer­halb Europas. Die Schaden­regulierung mit ausländischen Versiche­rern ist häufig nerven­aufreibend und lang­wierig, meist dauert es Monate. Wer sich den Ärger sparen will, kann sich schon in Deutsch­land dagegen versichern. Viele Tarife bieten in der Kfz-Haft­pflicht einen Zusatz: den Aus­lands­scha­denschutz. In wenigen Policen ist er sogar ohne Aufpreis auto­matisch enthalten, sonst kostet er häufig um die 20 Euro zusätzlich pro Jahr.

Tipp: Die für Sie individuell beste Auto­versicherung ermittelt Ihnen der Vergleich Autoversicherung der Stiftung Warentest.

Schaden­ersatz nach deutschem Recht

Mit diesem Zusatz­schutz reguliert die eigene Versicherung den Unfall­schaden so, als sei der ausländische Unfall­gegner ebenfalls bei ihr haft­pflicht­versichert. Dann gibt es Schaden­ersatz nach deutschem Recht und der Geschädigte braucht sich nicht mit ausländischen Versicherungen, Anwälten oder Gerichten herum­zuschlagen. Das ist auch dann hilf­reich, wenn der fremde Unfall­ver­ursacher nicht versichert ist oder seine Deckungs­summen nicht ausreichen.

Wer eine Voll­kasko­versicherung hat, kann auch diese in Anspruch nehmen – selbst wenn ihn am Unfall keine Schuld trifft und die Versicherung des Unfall­gegners den Schaden bezahlen müsste. Sinn­voll kann das sein, wenn die Schuld­frage strittig ist. Allerdings wird dann der Schadenfrei­heits­rabatt zurück­gestuft. Falls die gegnerische Versicherung später den Schaden doch zahlt, macht der heimische Versicherer die Rück­stufung rück­gängig.

Wo die deutsche Versicherung gilt

Die deutsche Haft­pflicht­versicherung gilt in den geografischen Grenzen Europas sowie den außer­europäischen Gebieten, die zur Europäischen Union gehören. Das heißt in der Türkei bis zum Bosporus, nicht aber im asiatischen Teil des Landes.

Jenseits dieser Grenzen greift die Versicherung nur in Ländern, die auf der Grünen Versicherungs­karte stehen und nicht durch­gestrichen sind. Das kann von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich sein. Im Zweifel sollten Auto­fahrer sich eine Grüne Versi­che­rungs­karte geben lassen und nach­sehen – vor allem vor Fahrten nach Russ­land und in die Türkei. Häufig erweitert der Versicherer die Deckung gegen Aufpreis auf andere Regionen. „Der Schutz richtet sich dann mindes­tens nach dem deutschen Versicherungs­vertrag“, erklärt Expertin Kathrin Jarosch vom GDV. Die Grüne Karte gilt nur für die Haftpflicht, nicht für die Teil- und Voll­kasko. Wer auch Kasko­schutz will, muss dies mit dem Versicherer vereinbaren.

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