Interview: Eine Sache der Mentalität

Nach einem Unfall im Ausland kann es Jahre dauern, bis der Geschädigte an sein Geld kommt. Was die EU dagegen tut, erklärt Ulf Lemor, ­Geschäftsführer des Deutschen Büros Grüne Karte. Die Einrichtung hilft bei Unfällen im Ausland.

Finanztest: Herr Lemor, was sind die häufigsten Probleme bei einem Unfall im Ausland?

Lemor: Kompliziert für Unfallbeteiligte ist, dass ein ausländisches Gericht für sie zuständig ist und auch das fremde Recht des Unfalllandes gilt. Das heißt, wenn ich in Griechenland einen Unfall habe, muss ich auch in Griechenland klagen. Beim Schadenersatz gibt es außerdem große Unterschiede.

Finanztest: Welche? 

Lemor: Deutschland ist ein Blechschadenland. Jeder Schaden rund ums Auto wird ersetzt. In Frankreich und Italien gibt es dagegen Schmerzensgeld für Hinterbliebene. Das sind sehr unterschiedliche Mentalitäten. Manche ausländischen Gerichte reagieren auch sehr schwerfällig.

Finanztest: Mitte Juni ist die 5. Kraftfahrzeug-Haftpflichtrichtlinie in Kraft ­getreten, die die EU-Mitgliedsländer jetzt binnen zwei Jahren in nationales Recht umsetzen müssen. Bringt sie Verbesserungen?

Lemor: Einiges wird sich verbessern. So schafft sie Abhilfe in Sachen Gerichtsstand. Der Unfallgeschädigte kann sich dann aussuchen, ob er in zum Beispiel Griechenland oder in Deutschland klagen will. Allerdings gilt, auch wenn er in Deutschland klagt, griechisches Recht. Bei sehr großen oder komplizierten Schäden ist es deshalb weiterhin sinnvoll, im Unfallland zu klagen. Welcher deutsche Anwalt kennt sich schon so genau mit dem fremden Recht aus? Außerdem wird es höhere einheitliche Mindestdeckungssummen bei der ­Kfz-Haftpflichtversicherung geben. Bei Personenschäden müssen diese dann entweder bei einer Million Euro pro ­Unfallopfer oder bei fünf Millionen pro Schadensfall liegen. Bei Sachschäden bei einer Millionen Euro pro Schadensfall.

Finanztest: Reichen die Änderungen?

Lemor: Es gibt Baustellen. Zum Beispiel die uneinheitlichen Verjährungsfristen oder dass anders als in Deutschland nicht alle bei einem erfolgreichen Prozess anfallenden Kosten übernommen werden.

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