Autounfall Meldung

Noch am Unfallort sollten die Beteiligten den Vorfall aufschreiben und ­Zeugen suchen. Sie können wichtig werden, auch wenn ein Fahrer ­zunächst die Schuld auf sich nimmt.

Jedes Jahr scheppert es auf Deutschlands Straßen rund 4,8 Millionen Mal. Finanztest sagt, worauf die Unfallbeteiligten nach dem Schaden achten müssen und welche Kosten die Versicherung erstattet.

Britta Ossig aus Berlin war auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Als die Ampel auf Grün sprang, fuhr sie von der Rechtsabbiegerspur in den Kreisverkehr „Großer Stern“ an der Berliner Siegessäule. „Und dann rammte mich plötzlich ein anderer Wagen“, erinnert sie sich. „Mein ­Auto wurde herumgeschleudert. Das war ein ganz schöner Schock.“

Die Folge des Zusammenpralls: ein Blechschaden an ihrem Auto in Höhe von knapp 6 000 Euro. „Gut, dass ich Zeugen hatte“, sagt die Sekretärin. Einer von ­ihnen sagte aus, dass ihr Unfallgegner bei roter Ampel losgefahren war. Dessen Autoversicherung hat den Schaden inzwischen ­erstattet.

Glücklicherweise war niemand verletzt worden. Trotzdem haben Britta Ossig und der andere Fahrer die Polizei gerufen. „Das ist auf jeden Fall zu empfehlen! Besonders wichtig ist es, wenn die Schuldfrage nicht geklärt ist“, rät Rechtsanwalt Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein. Wurde jemand verletzt, ist es Pflicht, die Polizei zu holen.

Jedes Jahr kracht es nach Angaben der Autoversicherer rund 4,8 Millionen Mal in Deutschland. Die Polizei wurde im vergangenen Jahr zu rund 2,2 Millionen Unfällen gerufen. In den meisten Fällen blieb es bei Blechschäden.

Die Beteiligten stehen immer vor denselben Fragen: Welche Ansprüche habe ich gegenüber der Versicherung? Wie komme ich an mein Geld? Was passiert, wenn mir eine Teilschuld zugesprochen wird?

Unfallbericht ausfüllen

Autounfall Meldung

Schock nach Feierabend. Durch den Unfall entstand an Britta Ossigs Wagen ein Schaden von rund 6 000 Euro.

Damit die Regulierung des Schadens möglichst reibungslos abläuft, sollten die Fahrer noch am Unfallort einige Vorkehrungen treffen. Selbst wenn es nur ein Blechschaden war und keiner die Polizei ruft, müssen sie die wichtigsten Daten austauschen: Name, Kennzeichen und Versicherungsunternehmen. Gemeinsam sollten die Beteiligten den Hergang protokollieren sowie anhand von Skizzen beschreiben und wenn möglich die Situation auf Fotos festhalten, ehe sie die Unfallstelle räumen.

Für die Aufnahme der Unfalldaten eignet sich am besten der Europäische Unfallbericht, den es kostenlos zum Beispiel bei den Autoversicherern gibt. Dort tragen die Fahrer unter anderem die Namen von Zeugen sowie ihren Versicherer und die Nummer ihres Versicherungsscheins ein.

Manchmal scheint es klar, wer schuld am Unfall war, und alle sind sich einig. Trotzdem sollte das Unfallopfer auch seinen eigenen Autoversicherer informieren. „Das gehört zu den Obliegenheiten des Versicherten und ist besonders wichtig, wenn er hinterher eine Teilschuld zugesprochen bekommt“, erklärt Jörg Elsner.

Zur Sicherheit zum Anwalt

Der gegnerische Haftpflichtversicherer ersetzt einem Unfallopfer den Schaden komplett, wenn sein Kunde die alleinige Schuld trägt. Der Versicherer muss dem Geschädigten auch die Kosten für einen Rechtsanwalt erstatten. Stellt sich aber heraus, dass der Geschädigte eine Teilschuld trägt, muss er Abzüge beim Schadenersatz hinnehmen und möglicherweise einen Teil der Anwaltsgebühren selbst tragen.

Die Kosten für Britta Ossigs Anwalt hat der Versicherer des Unfallgegners komplett übernommen. „Der Anwalt kannte auch einen Sachverständigen, der die Höhe des Schadens ermittelte“, erklärt die Berlinerin. Die Kosten für so ein Gutachten trägt ebenfalls das Versicherungsunternehmen des Unfallverursachers – vorausgesetzt die Reparatur kostet wahrscheinlich mehr als 1 000 Euro.

Der Versicherer bietet in der Regel an, einen eigenen Gutachter zu schicken. Das Unfallopfer kann dieses Angebot aber auch ablehnen und sich einen unabhängigen Sachverständigen suchen.

Weiterfahren mit einer Beule

Den Unfallwagen bringt der Fahrer am besten in eine nahe gelegene Werkstatt oder lässt ihn vom Abschleppdienst dorthin bringen. Denn die Kosten für einen unnötig weiten Transport wird der Versicherer kaum übernehmen.

Den Schaden am Auto kann sich der ­Geschädigte mit der Reparaturrechnung erstatten lassen. Er kann aber auch das Gutachten des Sachverständigen oder – bei kleineren Schäden – den Kostenvoranschlag der Werkstatt einreichen. In ­diesem Fall ersetzt der Versicherer den Schaden ohne die Mehrwertsteuer, die im Gutachten berechnet ist.

In welcher Werkstatt der Fahrer seinen beschädigten Wagen dann reparieren lässt oder ob er auf eine Reparatur ganz verzichtet und mit der Beule weiterfährt, bleibt ihm überlassen.

Trotz Reparatur kann der Wagen an Wert verlieren, weil zum Beispiel Unfallspuren nicht beseitigt werden können. Die Versicherung kommt jedoch in der Regel nicht dafür auf, wenn der Wagen älter als fünf Jahre ist oder bereits 100 000 Kilometer gefahren wurde.

Kann das Auto nicht mehr repariert werden oder liegen die Kosten dafür 30 Prozent über dem Preis, den Geschädigte für den Kauf eines gleichwertigen Wagens ausgeben müssten, handelt es sich um einen Totalschaden. Dann erhalten Unfallopfer von der gegnerischen Versicherung den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes, den ihr Wagen noch hat.

Ersatzwagen oder Nutzungsausfall

Für die Zeit, in der ihr Wagen repariert wurde, bekam die Sekretärin einen Ersatzwagen. Die Werkstatt stellte ihn ihr zur Verfügung.

Wer sich selbst um einen Mietwagen bemüht, sollte sich sicherheitshalber für ein Fahrzeug entscheiden, das eine Klasse kleiner ist als das eigene. Sonst kann es sein, dass der gegnerische Versicherer die Kosten nicht komplett erstattet. „Weil die Rechtsprechung zu Mietwagenkosten derzeit im Umbruch ist, geht der Geschädigte ganz sicher, wenn er gleich den Versicherer bittet, ihm einen Mietwagen zu beschaffen“, rät Jörg Elsner.

Aufpassen müssen Unfallopfer, die sich ein Ersatzfahrzeug nehmen, obwohl sie nur wenige Kilometer pro Tag damit fahren. Da es günstiger sein könnte, für die kurzen Strecken ein Taxi zu nehmen, können Versicherer die Zahlung verweigern.

Verzichten die Geschädigten auf den Mietwagen, können sie eine Entschädigung für den Nutzungsausfall bekommen. Je nach Fahrzeugtyp erhalten sie zwischen etwa 30 und 100 Euro pro Tag.

Nach dem Unfall zum Arzt

Unfallopfer haben zudem Anspruch auf eine Auslagenpauschale für Fahrt-, Telefon- und Portokosten, die aufgrund des Unfalls anfallen. Die pauschale Entschädigung liegt zwischen 20 und 25 Euro.

Ein Arztbesuch ist sinnvoll, um sicherzugehen, dass mögliche Beschwerden als Unfallfolgen anerkannt werden. Wurde jemand durch den Unfall verletzt, steht ihm Schmerzensgeld zu. Britta Ossig bekam kein Schmerzensgeld. „Ich war ja nicht verletzt. Aber der Schock und der Blechschaden haben mir schon gereicht.“

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