Die Reifen auf der Antriebs­achse nutzen sich schneller ab. Gehören die besseren Reifen nach vorn oder hinten?

Vier Autoreifen mit exakt gleicher Profiltiefe: Das gibt es eigentlich nur bei Neuwagen, oder nachdem der Autofahrer gerade einen kompletten Satz neuer Reifen montiert hat. Denn die beiden Reifen auf der angetriebenen Achse des Autos nutzen sich stets schneller ab als die beiden nicht angetriebenen Räder. Der Unterschied in der Profiltiefe wird dadurch ständig größer, üblicherweise, bis die beiden abgefahrenen Reifen durch zwei neue ersetzt werden.

Profiltiefe messen: Sie sollte vorn und hinten höchstens um 1 Millimeter abweichen. Spätestens bei 3 Millimeter Restprofil ist Ersatz fällig.

Auch jetzt besteht wieder ein großer Unterschied zwischen den Profiltiefen der alten und der neuen Pneus, nur dass sich die besseren Reifen nun auf der Antriebsachse befinden. Zur unterschiedlichen Profiltiefe kommt noch der Altersunterschied der Reifen hinzu. Selbst bei Reifenersatz vom gleichen Anbieter unterscheiden sich womöglich noch Reifentyp, Gummimi­schung und Profilbild. Eine erhebliche Veränderung des Fahrverhaltens ist die Folge und kann zu gefährlichen Situationen führen.

Wir haben geprüft, wie sich ein geringer und ein größerer Unterschied der vorderen und hinteren Profiltiefen sowie unterschiedlich alte Reifen an Vorder- und Hinterachse auf das Fahrverhalten auswirken, und gehen der Frage nach: Montiert man die Reifen mit dem besseren Profil eher auf die Vorder- oder die Hinterachse des Autos?

Bei Autos mit Vorderradantrieb

Nur eine ausgewogene Bereifung sichert gute Fahreigenschaften auf Nässe.

Bei Autos mit Frontantrieb verschleißen die Vorderreifen schneller, dadurch sind die besseren Reifen automatisch immer hinten. Das ist unproblematisch, weil die Spurtreue beim Fahren und Bremsen erhalten bleibt. Der Unterschied der Profiltiefe zwischen Vorder- und Hinterrädern darf jedoch nicht zu groß werden, weil Vorderreifen mit zu wenig Profil zu längeren Bremswegen vor allem bei Nässe führen. Auch das Risiko des Aquaplaning steigt, also die Gefahr, dass das Auto bei regennasser Fahrbahn „aufschwimmt“ und dadurch plötzlich nicht mehr lenkbar ist.

Bei Autos mit Hinterradantrieb

Bei Autos mit Heckantrieb verschleißen die Hinterreifen schneller. Ist die Profiltiefe dort zu gering, kann der Wagen in kritischen Situationen, zum Beispiel beim Bremsen in Kurven, hinten aus der Spur ausbrechen. Geht es dabei noch bergab oder ist die Fahrbahn nass, erhöht sich das Risiko einer gefährlichen Instabilität, bei der das Auto durch Gegenlenken, Abbremsen oder an­dere fahrerische Maßnahmen nicht mehr einzufangen ist.

Profiltiefenunterschied begrenzen

Regelmäßige Radwechsel vermeiden zu große Unterschiede der Profiltiefe.

Auch elektronische Stabilitätsprogramme wie ESP helfen bei zu großem Profiltiefenunterschied nicht weiter. Das gefährli­che Fahrverhalten betrifft ebenso Autos mit Vorderradantrieb, wenn sie auf der Hinterachse mit deutlich niedrigerer Profiltiefe bereift sind. Für den Test konnten wir uns deshalb auf die Verwendung eines einheitlichen Prüffahrzeugtyps beschränken: auf Ford Focus Kombis mit Frontantrieb. Im Fall 1 fuhren wir zunächst mit einem Pro­filtiefenun­ter­schied zwischen den vorderen und hinteren Reifen von etwa 1 Millimeter. Dieser Test ergab, dass die Fahrwerke moderner Autos, besonders wenn sie mit elek­troni­schen Fahrdynamikhilfen ausgerüstet sind, geringe Profiltiefenunterschiede zwischen Vorder- und Hinterreifen noch recht gut ausgleichen können. In der zweiten Testreihe, Fall 2, prüften wir, wie sich stärkere Profiltiefenunterschiede von 2 Millime­tern und mehr im Vergleich zur Neube­reifung bei den Fahrmanövern auswirken. Mal waren die besseren Reifen vorn, mal hinten am Fahrzeug montiert (Ergebnisse siehe Tabelle).

Bei den Versuchen zum Fall 2 wurde deutlich, dass sich der Autofahrer erhebliche Sicherheitsmängel einhandeln kann, egal ob die besseren Reifen vorn oder hinten montiert sind. Schlechte Vorderreifen führen zu längeren Bremswegen auf nasser Straße. Schlechte Hinterreifen wirken sich dramatischer auf die Fahrstabilität aus, besonders in der Kurve und beim plötzlichen Ausweichen auf nassen Fahrbahnen.

Tipps: Unabhängig vom Antriebskonzept des Autos empfiehlt es sich generell, die besseren Reifen auf der Hinterachse zu fahren. Vermeiden Sie jedoch größere Unterschiede der Profiltiefen zwischen Vorder- und Hinterreifen. Praktischer Weise montieren Sie beim jährlichen Wechsel von Winter- auf Sommerreifen die Pneus vorn, die im letzten Jahr hinten waren und umgekehrt. Dadurch bleiben die Unterschiede der Profiltiefen vorn und hinten bei etwa 1  Millimeter. Die elektronischen Fahrstabilisie­rungen moderner Fahrzeuge können in diesem Bereich Nachteile beim Fahrverhalten noch gut ausgleichen. Wichtig ist, dass die Räder nicht über Kreuz getauscht werden, damit sich die Laufrichtung der Reifen nicht ändert. Das würde nicht nur Unwucht erzeugen, sondern auch Abrollgeräusch und Verschleiß erhöhen.

Reifen mit einem Pfeilsymbol und der Aufschrift „Rotation“ auf der Reifenflanke sind ohnehin laufrichtungsgebunden. Der Pfeil muss in Fahrtrichtung zeigen.

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