Autoradios Test

Ein Radio hat fast jedes Auto. CDs kann in Gebrauchtwagen aber erst jedes dritte abspielen. Kein Problem, denn CD-Autoradios zum Nachrüsten gibt es schon ab 100 Euro.

Die Musikanlage im Auto lässt sich dank genormter Einbau­schächte im Armaturenbrett leicht modernisieren. Zwölf Autoradios haben wir getestet. Sie bieten RDS-Empfänger, CD- und MP3-Spieler sowie abnehmbare Fronten als Diebstahlschutz und kosten zwischen 100 und 270 Euro. Im Test mussten die Radios beweisen, wie ihre Empfangsqualität bei starken und schwachen Sendern ist, wie die Musik von der CD klingt und wie man auf die einzelnen Titel beziehungsweise die MP3-Dateien zugreifen kann. Die Bedienung sollte auch während der Fahrt möglich sein, ohne den Chauffeur über Gebühr vom Verkehr abzulenken.

Gute ab 180 Euro

Autoradios Test

Auf den vorderen Rängen landeten je zwei Geräte von JVC und Sony. Erstaunlich, dass jeweils das preiswertere Modell dieser Marken (180 und 199 Euro) etwas besser abschnitt. Die teureren Mar­­­­­­kenbrüder sind meist reichhaltiger aus­­gestattet. Beim kostspieligeren JVC lässt sich die Bedienfront zur besse­ren Ablesbarkeit mehr­stufig an­­­kippen. Beide JVC erlauben als Einzige den direkten Zugriff auf die ersten zwölf CD-Titel. Sowohl die JVC- als auch die Sony-Radios bieten „guten“ bis „sehr guten“ Empfang, außer bei Mittelwellensendern (MW). Da waren aber die meisten nur „ausreichend“, während Red Star, Roadstar und Supertech gar kein MW-Band haben. Bei Sony erschweren ein relativ dunkles Display, Kontrast und Form der Knöpfe die Bedienung, das teurere Modell verfügt jedoch über eine Infrarot-Fernbedienung.

Ein überfrachtetes Menü und schlecht beschriftete Knöpfe komplizieren auch die Handhabung des Kenwood KDC-­W6027. Große Teile des Displays werden für nutzlose Anzeigen verschwendet. Der Empfang ist „gut“, in der Mittelwelle „befriedigend“, was die beste Wertung im Test war. Das preiswertere Kenwood-Modell W4527 ist geringfügig schlechter.

Der Empfang des Pioneer ist etwas unter Durchschnitt – oft traten Störungen und Aussetzer auf. Kontrast und Beschriftung der Knöpfe könnten besser sein. „Gut“ bewertet wurde dagegen sein CD-Spieler. Wer fern der Heimat neue Sender abspeichert, überschreibt damit die gespeicherten Lieblingssender. Nur der VDO bietet einen separaten Speicher für die Reise (Travel­store-Band) und kommt damit auf 25 UKW-Speicherplätze, während die Konkurrenten nur 18 bieten. Die MP3-Bedienung ist ungünstig, weil keine Titel, sondern nur Nummern im Display angezeigt werden. Schwer verständlich und lückenhaft fanden wir die Gebrauchsanleitung. Gerade noch „gut“ ist der Panasonic. Auch er zeigt beim MP3-Betrieb nur Nummern an. Die Zugriffszeiten sind relativ lang, der CD-Klang „sehr gut“, jedoch mit sehr starkem Lautstärkeunterschied zum Radioteil.

Die weniger bekannten Marken Red Star, Roadstar und Supertech landeten am Ende des Testfelds. Auch hier hinterließ das preiswerteste der drei Fabrikate, Supertech CD-1042 zu 99 Euro, noch den besten Eindruck. Der Hörtest von Radio, CD und MP3 fiel „gut“ aus. Abzüge gab es bei den Messungen des UKW-Empfangs unter kritischen Bedingungen und für lange Zugriffszeiten auf CD- und MP3-Titel. Mit nur sechs Watt Ausgangsleistung ist der Verstärker zudem deutlich schwächer als die der Konkurrenten. Der Roadstar CD-354 MP/FM lieferte bei den Messungen von Radioempfang und CD keine guten Ergebnisse. Die Gebrauchsanleitung bietet dürftige Erklärungen und Übersetzungen. Schlusslicht mit dem einzigen „Mangelhaft“ im Test ist Red Star RCD-503. Von der Gestaltung der Bedienelemente bis zur Ablesbarkeit des Displays konnte die Handhabung nicht überzeugen. Die UKW-Messungen bei guten, der Hörtest bei kritischen Empfangsbedingungen sowie die CD-Messungen, die Erschütterungsfestigkeit und die Zugriffszeiten waren schlechter als bei den Mitbewerbern. Hinzu kommt eine „mangelhafte“ Gebrauchsanleitung.

Neuwagen nachrüsten?

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Reicht die Einbautiefe? Dicker Kabelbaum an der Rückseite des Red Star RCD-503.

Es stellt sich die Frage, ob eines der „guten“ Nachrüstradios nicht auch beim Neuwagenkauf eine günstige Alternative zu teureren Ab-Werk-Anlagen darstellt, die ab etwa 500 Euro kosten. Allerdings sind die Preise nicht direkt mit denen der Nachrüstradios zu vergleichen, weil im Audio-Paket der Autohersteller neben dem Radio auch Antenne, Lautsprecherboxen, Verkabelung und Entstörung enthalten sind. Die schlagen bei der Nachrüstung zusätzlich zu Buche, ganz abgesehen von den Einbaukosten. In der Tabelle haben wir verglichen, was einige Ab-Werk-Radios leisten.

Ein Fall für die Werkstatt

Trotz des genormten Einbauschachts können beim Austausch eines Autoradios Probleme auftauchen. Oft findet man einen Kabelbaum vor, dessen Leitungen in markenspezifischen Steckern enden, die nicht zum Nachrüstradio passen. Tückischer ist, wenn ein genormter ISO-Stecker mit anderer Belegung verwendet wird. Fehlfunktionen sind die harmlosere, Kurzschlüsse die unangenehmere Folge. Um die Anschlüsse passend zu machen, gibt es Adapter. Die erschweren es aber, das Radiogehäuse bündig in den ohnehin knapp bemessenen Einbauschacht einzubauen. Alternativ kann zwar der Kabelbaum des Autos vom Stecker abgetrennt und die einzelnen Drähte auf die entsprechenden Positionen eines ISO-Steckergehäuses ummontiert werden. Die Möglichkeit der Rückrüstung, zum Beispiel beim Verkauf des Autos, wird so jedoch beeinträchtigt. Auch der Einbau zusätzlicher Lautsprecherboxen in den Türen ist nichts für Bastler. Früher ein geräumiger Resonanzkörper, sind Autotü­ren heute mit Fensterhebermechanik und -motoren, Zentralverriegelung, Aufprallschutz und womöglich Seitenairbags vollgestopft. Da bleibt kaum noch Platz, voluminöse Bassboxen zu installieren.

Fazit: Hobbybastler ohne Elektronikkenntnisse sollten Autoradios nicht selbst ein- oder umbauen. Der Einbau durch eine Fachwerkstatt kann – je nach Aufwand – aber leicht den Gerätepreis übersteigen. Ist das Radio installiert, kann es oft passieren, dass die Fernbedienung am Lenkrad, die geschwindigkeitsabhängige Lautstärkenanpassung oder die Senderanzeige im Display des Autos nicht mehr funktionieren. Nur an den wenigsten Nachrüstradios lässt sich ein Zubehörteil anschließen, das es bei ausgewählten Fahrzeugen ermöglicht, deren Fernbedienung und Anzeigedisplays zu nutzen. Serienmäßig bieten die meisten Nachrüstradios aber zumindest eine Telefonstummschaltung an.

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