So testet die Stiftung Warentest (ab Mai 2020)

Die Stiftung Warentest bewertet Auto­kinder­sitze aktuell in vier Disziplinen: Unfall­sicherheit, Hand­habung, Ergonomie und Schad­stoffe. Die Noten in den Disziplinen werden Gruppen­urteile genannt. Aus den vier Gruppen­urteilen ergibt sich das test-Qualitäts­urteil. Lesen Sie hier, wie die Stiftung Warentest testet.

Hinweis: Frühere Test­programme für die Jahre bis 2010, von 2011 bis 2014 und von 2015 bis 2019 weichen teil­weise ab.

Herz­stück des Tests: Die Crashtests

Kinder­sitz auf der Rück­bank der Crashtest-Karosse.

Ob ein Kinder­sitz bei einem Unfall gut schützt, kann man ihm nicht ansehen. Die Stiftung Warentest prüft die Sicherheit in aufwendigen Crashtests. Frontal­aufprall und Seiten­aufprall stehen auf dem Programm. Die Testbedingungen sind dabei für alle Kinder­sitze gleich. Bietet ein Kinder­sitz unterschiedliche Befestigungs­arten, zum Beispiel Isofix oder Drei­punkt­gurt, vorwärts- oder rück­wärts­gerichtet, mit oder ohne Basis, Rückenlehne mit Ruhepos­ition, dann führen die Tester eine entsprechende Anzahl von Crashtests für alle Varianten durch. Das gilt auch für unterschiedlich große Dummys zum Beispiel bei mitwachsenden Kinder­sitzen.

Auto­kinder­sitze – die Prüfungen im Detail

Die Stiftung Warentest testet Auto­kinder­sitze gemein­sam mit dem ADAC und Verbraucher­organisationen aus Belgien, China, Dänemark, Finn­land, Frank­reich, Groß­britannien, Hong­kong, Irland, Italien, Nieder­lande, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien, Thai­land, Tschechien, Ungarn.

Gewichtung

Die Stiftung Warentest berechnet das test-Qualitäts­urteil aus den Gruppen­urteilen Unfall­sicherheit, Hand­habung und Ergonomie. Jedes Gruppen­urteil geht mit einem festen Anteil ins Qualitäts­urteil ein. Ausnahme: Das Gruppen­urteil für Schad­stoffe geht nicht direkt ins Qualitäts­urteil ein. Nur wenn die Tester Schad­stoffe in kritischer Menge finden, werten sie das Qualitäts­urteil ab. Die Gruppen­urteile selbst entstehen aus einer Vielzahl von Einzel­wertungen, auch Einzel­urteile genannt.
Die Gruppen­urteile für Auto­kinder­sitze sind wie folgt gewichtet:

  • Unfall­sicherheit 50 %
  • Hand­habung 40 %
  • Ergonomie 10 %
  • Schad­stoffe 0 %

Abwertungen

Abwertungen führen dazu, dass sich Produktmängel verstärkt auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in der Test-Tabelle mit einem Stern­chen gekenn­zeichnet.

  1.  Ist die Unfall­sicherheit, die Hand­habung oder die Note für Schad­stoffe mangelhaft kann das test-Qualitäts­urteil nicht besser sein.
  2. Ab befriedigend (2,6) im Urteil Unfall­sicherheit oder Hand­habung werten wir das test-Qualitäts­urteil ab.
  3. Ab ausreichend (3,6) im Urteil Schad­stoffe werten wir das test-Qualitäts­urteil ab.
  4. Sind Frontal- oder Seiten­aufprall mangelhaft, kann die Unfall­sicherheit nicht besser sein.
  5. Ab befriedigend im Urteil Frontal- oder Seiten­aufprall oder Sicherheit der Sitz­konstruktion führt das zu einer Abwertung der Unfall­sicherheit.
  6. Ist der Schutz vor Fehlbedienung mangelhaft, kann die Hand­habung nicht besser sein.
  7. Ab befriedigend im Urteil Schutz vor Fehlbedienung, Einbauen oder Anschnallen, führt das zu einer Abwertung der Hand­habung.
  8. Das Urteil für Schad­stoffe kann nicht besser sein als die schlechteste Note für PAK, Phthalate (Weichmacher), Organo­phosphor-Flamm­schutz­mittel, Bromierte Flamm­schutz­mittel, Pheno­lische Verbindungen, Organozinn-Verbindungen, Farb­stoffe, Form­aldehyd oder Isothiazolinone.

Sind die Urteile gleich oder nur gering­fügig schlechter als diese Noten, ergeben sich nur geringe negative Auswirkungen. Je schlechter die Urteile, desto stärker ist der jeweilige Abwertungs­effekt.

Unfall­sicherheit 50 %

Das Urteil berechnet die Stiftung Warentest aus den Crashtest-Ergeb­nissen aller Befestigungs­arten. Lässt sich ein Sitz vorwärts- und rück­wärts­gerichtet montieren, muss er beide Crashtests absol­vieren.

Die Prüfungen werden durch­geführt in Anlehnung an die Normen UN ECE R 44 und R 129.

Unter anderem wird die Vorverlagerung und Belastung des Kopfes bewertet, die Belastung der Brust und das Bauch­verletzungs­risiko. Es wird mit unterschiedlich großen Dummys geprüft.

Im Vergleich zu den Tests bis 2019 wurden die Dummys für die Gewichts­klasse I und II (9 bis 25 kg) bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder von ca. 87 bis 105 cm mit neuen Sensoren (Bauch) ausgestattet.

Ebenfalls für die Gewichts­klasse I und II bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder von ca. 87 bis 125 cm wurden die Dummys um einen Hüft­schild erweitert. Hier­durch wird verhindert, dass der Gurt in den für Dummys typischen Spalt zwischen Bauch und Oberschenkel rutscht. Dem Dummy für die Gewichts­klasse III (22 bis 36 kg) bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder über 125 cm wurde ein weiter­entwickeltes Schulter­teil einge­setzt.

Aufprall­versuche mit einem an den Test­vorgaben des Auto­mobil-Bewer­tungs­programms Euro-NCAP orientierten Schlitten erfolgten mit einer VW-Polo-Rohkarosse.

Front­aufprall: Die Testkarosse mit dem Kinder­sitz wird beim Front­aufprall auf 64 km/h beschleunigt. Dann prallt sie auf das Hindernis. Hoch­geschwindig­keits­kameras halten jede Bewegung fest: Diese Video­sequenzen werden genau ausgewertet, falls es zu schlechten Test­ergeb­nissen kommt. Die extreme Zeitlupe lässt keinen Moment während des Aufpralls aus.

Seiten­aufprall: Der Kinder­sitz wird auf einer Test­bank befestigt, die quer auf dem Prüf­schlitten montiert ist. Aufprall des Sitzes bei etwa 25 Kilo­metern pro Stunde gegen eine fest­stehende Tür. * Das entspricht im realen Verkehrs­geschehen einem Aufprall, bei dem ein Auto mit 50 Kilo­metern pro Stunde in die Seite eines stehenden Wagens fährt. Abweichend von ECE-R 129: Die Tür ist nur mit 20 Milli­meter Styrodur verkleidet und der Aufprall­winkel beträgt 80 Grad statt 90 Grad.

Sicherheit der Sitz­konstruktion: Drei Experten beur­teilten den Gurt­verlauf und die Stand­festig­keit des Kinder­sitzes auf dem Fahr­zeugsitz.

Hand­habung 40 %

Das Urteil Hand­habung beinhaltet folgende Einzel­prüfungen:
Schutz vor Fehlbedienung: Drei Experten und vier Test­personen prüfen die Sitze im Praxis­test. Falsch montierte Systeme stellen den Unfall­schutz infrage. Die Experten bewerten das konzeptionelle Fehlbedienungs­risiko – auch mit Blick darauf, dass die Kinder­sitze manchmal von Personen bedient werden, die mit dem System nicht vertraut sind.

Einbauen, Anschnallen, Sitzumbau und Größen­anpassung: Beur­teilung durch drei Experten. Für die Bewertung des Sitzein- und -ausbaus kommen aktuelle Fahr­zeugmodelle zum Einsatz.

Gebrauchs­anleitung: Ein Experte beur­teilt die Anleitung nach einer Check­liste.

Reinigung und Verarbeitung: Zwei Experten beur­teilen das Abnehmen und die Wasch­barkeit des Bezugs sowie die Verarbeitung des Sitzes.

Ergonomie 10 %

Drei Experten beur­teilten mit Kindern und Dummys in Prüffahr­zeugen den Platz­bedarf im Fahr­zeug, den Platz für das Kind, den Komfort für das Kind (Bein­auflage, Pols­terung und Sicht­verhält­nisse für das Kind) und die Sitz­position (Winkel der Sitzlehne und Platz­angebot für die Beine). Die genutzten Testwagen: Ford Fiesta, VW T-Cross, Citroen Berlingo.

Schad­stoffe 0 %

Folgende Materialien im Kontakt­bereich des Kindes (Sitzbezüge) wurden getestet: PAK in Anlehnung an die Spezifikation AfPS GS2019:01 PAK des Ausschusses für Produktsicherheit. Phthalate (Weichmacher) in Anlehnung an 2005/84/EG und 76/769/EWG.

Organo­phosphor-Flamm­schutz­mittel in Anlehnung an EN 71–9 und an die 2014/79/EU. Flamm­schutz­mittel (bromierte Verbindungen) in Anlehnung an EN 71–9.

Pheno­lische und Organozinn-Verbindungen in Anlehnung an Ökotex-Stan­dard 100. Gesund­heits­schädliche Farb­stoffe in Anlehnung an EN 71–9.

Form­aldehyd in Anlehnung an EN ISO 14184-1 und EN 71–9 und Isothiazolinone.

Preise

Der Produktfinder Auto­kinder­sitze zeigt Laden­preise. Die Stiftung Warentest erhebt die Preise mittels Anbieterbefragung. Der Stand des Preises wird für jedes Produkt ange­zeigt.

* Passage korrigiert am 12.06.2020.

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TestAuto­kinder­sitze24.06.2020
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