400 Auto­kinder­sitze im Test

So testet die Stiftung Warentest

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400 Auto­kinder­sitze im Test - Gute Sitze gibt es schon ab 40 Euro
Crashtest. Jetzt neu mit Modellen mit sehr gutem Airbag-Kinder­sitz. © Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest bewertet Auto­kinder­sitze aktuell in vier Disziplinen: Unfall­sicherheit, Hand­habung, Ergonomie und Schad­stoffe. Lesen Sie hier, wie wir testen.

400 Auto­kinder­sitze im Test Testergebnisse für 400 Auto­kinder­sitze

Inhalt

Prüf­methodik wird regel­mäßig angepasst

Die Stiftung Warentest prüft regel­mäßig Auto­kinder­sitze. Die Noten in den Disziplinen heißen Gruppen­urteile. Aus den vier Gruppen­urteilen ergibt sich die Gesamt­note, das test-Qualitäts­urteil. Wenn erforderlich, passen wir die Prüfungen an den tech­nischen Fort­schritt oder neue Studien­erkennt­nisse an. Im Folgenden beschreiben wir das aktuelle, seit Mai 2022 gültige Prüf­programm. Links auf frühere Test­programme finden Sie am Ende dieses Textes.

Hinweis: Für die Tests ab Mai 2022 haben wir die Schad­stoff­analyse angepasst. Die Analyse der Bezugs­stoffe, welche sich im Kontakt­bereich des Kindes befinden, wird nun für PAK, Flamm­schutz­mittel (Organo­phosphor-Verbindungen) und Form­aldehyd nicht mehr in Misch­proben, sondern in Einzel­proben durch­geführt.

Herz­stück des Tests: Die Crashtests

Ob ein Kinder­sitz bei einem Unfall gut schützt, kann man ihm nicht ansehen. Die Stiftung Warentest prüft die Sicherheit in aufwendigen Crashtests. Frontal­aufprall und Seiten­aufprall stehen auf dem Programm. Die Testbedingungen sind dabei für alle Kinder­sitze gleich. Bietet ein Kinder­sitz unterschiedliche Befestigungs­arten, zum Beispiel Isofix oder Drei­punkt­gurt, vorwärts- oder rück­wärts­gerichtet, mit oder ohne Basis, Rückenlehne mit Ruhepos­ition, dann führen die Tester eine entsprechende Anzahl von Crashtests für alle Varianten durch. Das gilt auch für unterschiedlich große Dummys zum Beispiel bei mitwachsenden Kinder­sitzen.

Auto­kinder­sitze – die Prüfungen im Detail

Die Stiftung Warentest testet Auto­kinder­sitze gemein­sam mit dem ADAC, dem österrei­chischen ÖAMTC und dem TCS aus der Schweiz sowie Verbraucher­organisationen aus Belgien, China, Dänemark, Finn­land, Frank­reich, Groß­britannien, Hong­kong, Irland, Italien, Nieder­lande, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien, Thai­land, Tschechien, Ungarn. Sind zwei Produkte weit­gehend ähnlich, prüfen wir die abweichenden Eigenschaften separat.

Gewichtung

Die Stiftung Warentest berechnet das test-Qualitäts­urteil aus den Gruppen­urteilen Unfall­sicherheit, Hand­habung und Ergonomie. Jedes Gruppen­urteil geht mit einem festen Anteil ins Qualitäts­urteil ein. Ausnahme: Das Gruppen­urteil für Schad­stoffe geht nicht direkt ins Qualitäts­urteil ein. Nur wenn die Tester Schad­stoffe in kritischer Menge finden, werten sie das Qualitäts­urteil ab. Die Gruppen­urteile selbst entstehen aus einer Vielzahl von Einzel­urteilen.
Die Gruppen­urteile für Auto­kinder­sitze sind wie folgt gewichtet:

  • Unfall­sicherheit 50 %
  • Hand­habung 40 %
  • Ergonomie 10 %
  • Schad­stoffe 0 %

Abwertungen

Abwertungen führen dazu, dass sich Produktmängel verstärkt auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in der Test-Tabelle mit einem Stern­chen gekenn­zeichnet.

  1.  Lautet die Note in einem der Prüf­punkte Unfall­sicherheit, Hand­habung oder Schad­stoffe mangelhaft, kann das test-Qualitäts­urteil nicht besser als mangelhaft sein.
  2. Ab der Note befriedigend (2,6) im Prüf­punkt Unfall­sicherheit oder Hand­habung werten wir das test-Qualitäts­urteil ab.
  3. Ab der Note ausreichend (3,6) im Prüf­punkt Schad­stoffe werten wir das test-Qualitäts­urteil ab.
  4. Sind die Ergeb­nisse im Crashtest – Frontal- oder Seiten­aufprall mangelhaft, kann die Note im Prüf­punkt Unfall­sicherheit nicht besser als mangelhaft sein.
  5. Ab der Note befriedigend bei den Prüf­punkten Frontal- oder Seiten­aufprall beziehungs­weise Sicherheit der Sitz­konstruktion wird die Teilnote Unfall­sicherheit abge­wertet.
  6. Ist der Schutz vor Fehlbedienung mangelhaft, kann die Hand­habung nicht besser sein.
  7. Ab der Note befriedigend im Prüf­punkt Schutz vor Fehlbedienung, Einbauen oder Anschnallen, werten wir die Note im Prüf­punkt Hand­habung ab.
  8. Das Urteil für Schad­stoffe kann nicht besser sein als das schlechteste Einzel­urteil für einen der untersuchten Schad­stoffe.

Sind die Urteile gleich oder nur gering­fügig schlechter als diese Noten, ergeben sich nur geringe negative Auswirkungen. Je schlechter die Urteile ausfallen, desto stärker ist der jeweilige Abwertungs­effekt.

Unfall­sicherheit 50 %

Das Urteil berechnet die Stiftung Warentest aus den Crashtest-Ergeb­nissen aller Befestigungs­arten. Lässt sich ein Sitz vorwärts- und rück­wärts­gerichtet montieren, muss er beide Crashtests absol­vieren. In das Qualitäts­urteil geht jeweils die schlechteste Note aller Monta­gearten ein.

Die Prüfungen werden durch­geführt in Anlehnung an die Normen UN ECE R 44 und R 129.

Unter anderem haben wir die Vorverlagerung und Belastung des Kopfes bewertet, die Belastung der Brust und das Bauch­verletzungs­risiko. Wir prüfen mit unterschiedlich großen Dummys.

Im Vergleich zu den Tests bis 2019 wurden die Dummys für die Gewichts­klasse I und II (9 bis 25 kg) bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder von ca. 87 bis 105 cm mit neuen Sensoren (Bauch) ausgestattet.

Ebenfalls für die Gewichts­klasse I und II bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder von ca. 87 bis 125 cm wurden die Dummys um einen Hüft­schild erweitert. Hier­durch wird verhindert, dass der Gurt in den für Dummys typischen Spalt zwischen Bauch und Oberschenkel rutscht. Dem Dummy für die Gewichts­klasse III (22 bis 36 kg) bzw. bei i-Size-Sitzen für Kinder über 125 cm wurde ein weiter­entwickeltes Schulter­teil einge­setzt.

Aufprall­versuche mit einem an den Test­vorgaben des Auto­mobil-Bewer­tungs­programms Euro-NCAP orientierten Schlitten erfolgten mit einer VW-Polo-Rohkarosse.

Front­aufprall: Die Testkarosse mit dem Kinder­sitz wird beim Front­aufprall auf 64 km/h beschleunigt. Dann prallt sie auf das Hindernis. Hoch­geschwindig­keits­kameras halten jede Bewegung fest. Diese Video­sequenzen werden genau ausgewertet, falls es zu schlechten Test­ergeb­nissen kommt. Die extreme Zeitlupe lässt keinen Moment während des Aufpralls aus.

Seiten­aufprall: Der Kinder­sitz wird auf einer Test­bank befestigt, die quer auf dem Prüf­schlitten montiert ist. Aufprall des Sitzes bei etwa 25 Kilo­metern pro Stunde gegen eine fest­stehende Tür. Das entspricht im realen Verkehrs­geschehen einem Aufprall, bei dem ein Auto mit 50 Kilo­metern pro Stunde in die Seite eines stehenden Wagens fährt. Abweichend von ECE-R 129: Die Tür ist nur mit 20 Milli­meter Styrodur verkleidet und der Aufprall­winkel beträgt 80 Grad statt 90 Grad.

Sicherheit der Sitz­konstruktion: Drei Experten beur­teilten den Gurt­verlauf und die Stand­festig­keit des Kinder­sitzes auf dem Fahr­zeugsitz.

400 Auto­kinder­sitze im Test Testergebnisse für 400 Auto­kinder­sitze

Hand­habung 40 %

Das Urteil Hand­habung beinhaltet folgende Einzel­prüfungen:
Schutz vor Fehlbedienung: Drei Experten und vier Test­personen prüfen die Sitze im Praxis­test. Falsch montierte Systeme stellen den Unfall­schutz infrage. Die Experten bewerten das konzeptionelle Fehlbedienungs­risiko – auch mit Blick darauf, dass die Kinder­sitze manchmal von Personen bedient werden, die mit dem System nicht vertraut sind.

Einbauen, Anschnallen, Sitzumbau und Größen­anpassung: Beur­teilung durch drei Experten. Für die Bewertung des Sitzein- und -ausbaus kommen aktuelle Fahr­zeugmodelle zum Einsatz.

Gebrauchs­anleitung: Ein Experte beur­teilt die Anleitung nach einer Check­liste.

Reinigung und Verarbeitung: Zwei Experten beur­teilen das Abnehmen und die Wasch­barkeit des Bezugs sowie die Verarbeitung des Sitzes.

Ergonomie 10 %

Drei Experten beur­teilten mit Kindern und Dummys in Prüffahr­zeugen den Platz­bedarf im Fahr­zeug, den Platz für das Kind, den Komfort für das Kind (Bein­auflage, Pols­terung und Sicht­verhält­nisse für das Kind) und die Sitz­position (Winkel der Sitzlehne und Platz­angebot für die Beine). Die genutzten Testwagen: Ford Fiesta, VW T-Cross, Citroen Berlingo.

Schad­stoffe 0 %

Materialien im Kontakt­bereich des Kindes wurden auf folgende Schad­stoffe getestet: PAK in Anlehnung an die Spezifikation AfPS GS2019:01 PAK des Ausschusses für Produktsicherheit. Phthalate (Weichmacher) und kurz­kettige Chlorparaf­fine nach Extraktion mit GC-MS.

Test auf Form­aldehyd in Anlehnung an EN 71–9. Test auf in EN 71–9 gelistete Flamm­schutz­mittel (Organo­phosphor-Verbindungen) und auf Organozinn- und pheno­lische Verbindungen in Anlehnung an Ökotex-Stan­dard 100. Die Schad­stoff­gehalte werden teil­weise auf den Ergeb­nissen von Misch­proben bewertet. Für PAK, Flamm­schutz­mittel (Organo­phosphor-Verbindungen) und Form­aldehyd wurden Einzel­proben analysiert.

Preise

Der Produktfinder Auto­kinder­sitze zeigt Laden­preise. Die Stiftung Warentest erhebt die Preise mittels Anbieterbefragung. Der Stand des Preises wird für jedes Produkt ange­zeigt.

Frühere Prüf­programme

Die Prüfungen aus früheren Jahre weichen in einzelnen Punkten vom aktuellen Test­verfahren ab. Die Test­ergeb­nisse lassen sich deswegen nicht 1:1 vergleichen.

400 Auto­kinder­sitze im Test Testergebnisse für 400 Auto­kinder­sitze

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923 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Liza74 am 26.07.2022 um 11:05 Uhr
Cybex solution s i-fix oder Cybex Solution s2? Nac

@Dilledöppchen @Stiftung_Warentest: Ich habe bei Cybex nachgefragt und der Unterschied liegt in der Verpackung. Laut Hersteller wurde bei dem S der Seitenaufprallschutz häufig nicht aktiviert. Deshalb wurde die Verpackung des S2 dahingehend angepasst, dass sich der Seitenaufprallschutz sofort aktiviert, wenn der Sitz aus der Verpackung geholt wird. Dadurch müssen die Eltern den Schutz manuell deaktivieren und wissen anschließend dass es in gibt und wie er funktioniert. :)

Profilbild Stiftung_Warentest am 31.05.2022 um 13:59 Uhr
Cybex solution s i-fix

@Dilledöppchen: Leider haben wir den Autokindersitz Cybex Solution s2 nicht überprüft und können dazu leider keine Aussage machen. Bitte wenden Sie sich direkt an den Anbieter mit der Frage, ob eine Baugleichheit vorliegt.

Dilledöppchen am 31.05.2022 um 13:49 Uhr
Cybex solution s i-fix oder Cybex Solution s2?

Sehr geehrtes Expertenteam,
mein Sohn wird im September 4 Jahre alt und fährt bisher im Reboarder von besafe und passt dort von der Körpergröße eigentlich noch sehr gut rein, der Sitz hinten ragt noch recht weit über den Kopf hinaus. Mir wäre am Liebsten er führe darin solange er noch reinpasst, da dies wahrscheinlich das Sicherste ist.
Allerdings beschwerte er sich bei längerem Sitzen zuletzt (3 Stunden), dass er nicht mehr gut sitzen könne und ihm das Sitzen wehtue.
Meine Vermutung ist, dass er durch das Anziehen der Bein zu sehr auf dem Sitzbeinhöckern sitzt und ihm das weh tut nach 2 Stunden Fahrt.
Daher wollen wir uns nun den Cybex solution s i -fix kaufen. Allerdings wird hauptsächlich das Nachfolgermodell s2 angeboten. Ist dies baugleich und sind daher die Testergebnisse vom Vorgängermodell zugrunde zu legen? Ich habe gelesen, dass das Nachfolgermodell denn Seitenaufprallschutz direkt aktiviert hat und somit noch sicherer ist.
Vielen Dank für Ihre Hilfe und Einschätzung

Profilbild Stiftung_Warentest am 22.04.2022 um 13:01 Uhr
Sitze mit Airbags, drehbare Reboarder

@martin.unterholzner: Airbags füllen sich bei einem Unfall binnen Millisekunden mit Gas. Der Kunststoffbeutel soll verhindern, dass der Kopf mit Wucht irgendwo aufprallt. Diese Technik gibt es nun auch für Autokindersitze. Das erste Produkt dieser Art stammt von Maxi-Cosi, den wir schon untersucht haben.
Sensoren in der Sitzhalterung geben das Signal an eine Steuerung. Sie löst den Airbag aus. Luftsäcke schnellen aus den Brustgurten und bilden ein Kissen vor dem Gesicht des Kindes. Der Airbag senkt die gemessenen Belastungen für Kopf und Nacken beim Frontcrash, aber nur wenn das Kind in Fahrtrichtung sitzt. Sicherer ist es indes, den kleinen Passagier entgegen der Fahrtrichtung zu transportieren. Dann ist ein Airbag unnötig. Auch beim Seitenaufprall hat der Luftsack keine Vorteile. Billigere Produkte aus unseren Tests von Autokindersitzen, auch vom selben Anbieter, bieten hier Besseres.
Ihre Anregung weitere Sitze mit Airbag sowie drehbare Reboarder zu untersuchen nehmen wir gern auf. Das Qualitätsurteil lässt sich von untersuchten reinen Reboardern nicht auf drehbare Schwestermodelle übertragen. Bislang haben wir vier drehbare Reboarder mit guten test-Qualitätsurteilen untersucht.

martin.unterholzner am 16.04.2022 um 22:17 Uhr
Modellvorschläge und Benchmark-Optimierung?

Hallo Stiftung-Warentest-Team,
zuerst bedanke ich mich für die professionellen Tests, welche für mich bei der Kaufentscheidung sehr wichtig sind.
Dann möchte ich noch zwei Anregungen für die nächste Testreihe für Kindersitze geben:
Cybex Anoris T (scheint der erste Sitz mit Airbag zu sein?)
BeSafe iZi Turn i-Size
Zuletzt habe ich noch eine Frage bzw. einen Zweifel: Manche Modelle sind reine Reboarder (z. B. von BeSafe oder Joie). Diese haben Spitzenwerte bei der Sicherheit. Aber es gibt bei BeSafe und Joie Schwestermodelle (den genannten BeSafe iZi Turn oder bei Joie die 360er Modelle), welche auch in die Fahrtrichtung gedreht werden können. Das Testverfahren analysiert alle Einbauvarianten und bewertet dann das schlechteste Ergebnis. Entsteht da nicht ein Anreiz, nur für das Spitzenergebnis beim Sicherheitstest einen reinen Reboarder ins Rennen zu schicken, während in der Praxis die meisten Eltern dann doch zu den drehbaren Schwestermodellen greifen?