Autokindersitze Test

Die gute Nachricht: Für jedes Alter gibt es sichere Auto­kindersitze. Die schlechte: Vier Fabrikate versagten beim Crashtest und bekamen die Note „mangelhaft“.

Erst klicken, dann starten. So selbstverständlich, wie sich die Eltern vor der Abfahrt im Auto angurten, sollten auch die Kinder gesichert werden. Aber gerade die Sprösslinge ab dem Schulalter sieht man noch viel zu oft nicht richtig angeschnallt. Dabei ist die Gesetzeslage eindeutig: Kinder bis zum 12. Lebensjahr oder bis zu 1,50 Meter Größe sind im Auto durch altersgerechte Kinderrückhaltesysteme zu sichern.

In einem großen europäischen Gemeinschaftstest hat die Stiftung Warentest zusammen mit anderen Verbraucherorganisationen und Autoclubs Autokindersitze für alle Altersklassen untersucht. Daraus veröffentlichen wir die 28 Fabrikate, die auf dem deutschen Markt angeboten werden. Die Systeme mussten zeigen, wie gut das Kind im Falle eines Frontal- oder Seitenaufpralls in der Sitzschale geschützt wird. Ein Kindersitz, der hier schlecht abschnitt, konnte auch durch gute Handhabung oder Komfort keine bessere Gesamtnote erreichen.

Lebensgefahr für das Kind

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Storchenmühle Isofix: Erst wird das Basisgestell im Auto befestigt, ...

Aber selbst die Handhabung hat einen wichtigen Sicherheitsaspekt: den Schutz vor Fehlbedienung. Rastet zum Beispiel das Gurtschloss nicht richtig ein, besteht Lebensgefahr für das Kind. Bei zwei Fabrikaten im Test, Chicco Zenith und Wavo/Bimbo Fix, waren die Gurtschlösser gleicher Bauart trotz des Klickgeräuschs beim Schließen nicht zuverlässig verriegelt. Fatale Folge: Beim Frontalaufprallversuch mit 60 Kilometer pro Stunde sprang das Schloss auf und der Dummy war völlig ungesichert. Die beiden Kindersitze wurden deshalb auf „mangelhaft“ abgewertet. Die Stiftung Warentest hat die Gewerbeaufsicht informiert und die betroffenen Hersteller aufgefordert, sofort einen Rückruf dieser Modelle zu starten. Der ist nach Auskunft beider Anbieter inzwischen angelaufen.

Sicherheit in jeder Größe

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... dann die Babyschale aufgesetzt und verankert.

Zum Glück gibt es aber in jeder der geprüften Sitzgrößen auch sichere Fabrikate. Bei den rückwärts gerichteten Babyschalen der Normgruppe 0+, die bis 13 Kilogramm Körpergewicht ausreichen, schnitt der Römer Baby Safe Plus mit Abstand am besten ab. Sowohl in Handhabung und Komfort als auch bei der Unfallsicherheit lässt die Babyschale keine Wünsche offen. Für alle rückwärts gerichteten Babyschalen gilt: Sie dürfen nicht auf einem Beifahrersitz befestigt werden, wenn sich dort ein betriebsbereiter Airbag befindet.

Die Sitze der Normgruppe I werden vorwärts gerichtet befestigt und reichen für Kinder von etwa 9 bis 18 Kilogramm. Zwei „gute“ Produkte sind hier zu empfehlen: der Isofix-Sitz Römer Duo Plus (ab 245 Euro) und der Universalsitz HTS BeSafe iZi Comfort, den es schon ab 159 Euro gibt, wenn man von der mit Elchleder bezogenen Luxusversion zu 938 Euro einmal absieht. Unabhängig vom Bezugstoff sind beide Sitze „gut“, wobei der Römer seine Vorteile durch Isofix erreicht. Wer in seinem Auto keine Isofix-Verankerungen hat, findet beim Römer Lord oder King Quickfix eine ähnliche Sitzschale für weniger Geld – freilich auch mit weniger gutem Ergebnis.

Die Alternative zum Gruppe-I-Sitz ist ein „mitwachsender“ Kindersitz, der die Gewichtsklassen I, II und III umfasst. Beginnend bei etwa neun Kilogramm, kann er an das größer werdende Kind bis zu zwölf Jahren angepasst werden. Testsieger ist hier der Kiddy Life Plus (ab 198 Euro). Er ist einer der wenigen Sitze mit „sehr gutem“ Seitenaufprallschutz, der nicht zuletzt dadurch erreicht wird, dass die Kopf- und Rückenstütze auch noch für die großen Kinder verwendet wird. Beim Concord Trimax und dem IWH Vario Kid sollen laut Anleitung Kinder über vier Jahre ohne Kopf- und Rückenstütze nur noch auf dem Sitzkissen transportiert werden. Die schlechten Ergebnisse der Aufprallversuche zeigen: Diese Lösung ist auf keinen Fall zu empfehlen.

Am besten mit Isofix-Befestigung

Einfach zwei Fanghaken des Kindersitzes in die passenden Haltebügel zwischen Sitzfläche und -lehne des Autos einklicken, und schon ist das Rückhaltesystem korrekt und sicher befestigt. Das ist die Idee von Isofix. Die Praxis ist jedoch sehr viel komplizierter, was die flächendeckende Verbreitung eines prinzipiell wünschenswerten Systems seit Jahren erschwert. Während die Universalkindersitze mit den genormten Gurtsystemen in fast jedem Auto fixiert werden können, hängt die Erlaubnis für die Verwendung von Isofix-Befestigungen nach wie vor vom Automodell ab. Vor dem Kauf ist also nicht nur zu prüfen, ob das Kind richtig in den Sitz passt, sondern auch, ob der gewünschte Isofix-Sitz überhaupt im Fahrzeug verwendet werden darf.

Drei Fabrikate in diesem Test sind mit Isofix-Halterungen versehen: die Babyschale Storchenmühle Space mit Basisfix, der vorwärts gerichtete Gruppe-I-Sitz Römer Duo Plus sowie der „mitwachsende“ Wavo Fix/Bimbo Fix für Babys und Kinder bis zu vier Jahren. Der Römer Duo Plus – Testsieger in der Gruppe I – ist inzwischen für eine ganze Reihe von Autos freigegeben. Die aktuelle Modellliste ist beim Anbieter, auch im Internet, zu erfahren . Der Duo kann auch universal, das heißt mit Dreipunktgurten befestigt werden. Das Testurteil bezieht sich jedoch auf Isofix.

Während beim Römer Duo die Isofix-Fanghaken fest in den Sockel des Kindersitzes integriert sind, verfolgen Storchenmühle Space + Basisfix sowie Wavo Fix/Bimbo Fix eine andere Strategie. Hier wird zunächst ein separates Untergestell mit den Isofix-Befestigungen im Auto verankert und darauf die Sitzschale befestigt. Bei Babyschalen wie der Storchenmühle Space ist es ohnehin üblich, das Kleinkind mitsamt der Sitzschale zu tragen und so in das Auto hineinzusetzen beziehungsweise so herauszunehmen. Gruppe-I-Sitze wie der schwere Römer Duo bleiben dagegen im Auto eingebaut und nur das Kind wird hineingesetzt und herausgenommen. Wie ist es aber beim Wavo Fix/Bimbo Fix, der sowohl für Baby, als auch für Kinder bis zu vier Jahren geeignet ist? Größe, Gewicht und fehlende Tragegurte bedingen, dass der Wavo-/Bimbo-Sitz im Auto verbleibt. Mit der Isofixversion RWF (300 Euro) können Kinder in Sitzen der Gruppen 0+ und I im Wavo Fix/Bimbo Fix rückwärts gerichtet transportiert werden. Auf dem anders gestalteten Isofix-Gestell FWF (270 Euro) wird die Sitzschale dagegen vorwärts gerichtet befestigt. Das ist aber frühestens bei Kindern ab dem neunten Monat möglich (Normgruppe I). Für die gleiche Zielgruppe passt auch der Wavo Fix/Bimbo Fix Universal (190 Euro) – also nur die Sitzschale ohne Untergestell, die mit dem Dreipunktgurt im Auto befestigt wird. Dass wir diesen durchdachten Kindersitz dennoch nicht empfehlen können, liegt am unzuverlässigen Gurtschloss.

Einmal „sehr gut“ für Handhabung

Die letzte Gruppe der geprüften Autokindersitze passt für Kinder von etwa 15 bis 36 Kilogramm (Normgruppen II und III). Das entspricht etwa einem Alter von drei bis zwölf Jahren. In dieser Kategorie liegt der Römer Kid vorn. Er erreicht als einziges Fabrikat die Note „sehr gut“ für Handhabung und Komfort. Auch bei der Unfallsicherheit lag der Römer Kid aufgrund seines besseren Seitenaufprallschutzes vor dem Maxi-Cosi Rodi SRS und dem Bébé Confort Hipsos Safe Side.

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