Autokauf bei Lidl Schnelltest

VW Cross Polo 1.4 16 V

Der Discounter Lidl bietet in seinem Online-Shop seit kurzem auch Autos an. Doch der Kauf der Schnäppchen-Vehikel birgt einige Tücken. test.de hat die Angebote unter die Lupe genommen.

Zwei Kleinwagenmodelle

Autokauf bei Lidl Schnelltest

Opel Corsa 1.0

Lidl verkauft online einen Opel Corsa 1.0 für 10 570 Euro und einen VW Cross Polo 1.4 16 V für 13 645 Euro. Die Preise liegen laut Lidl mehr als ein Viertel unter dem deutschen Händler-Listenpreis. Mit der Abwrackprämie ließen sich sogar bis zu 40 Prozent einsparen. Bei den Pkws handelt es sich um Importautos, so genannte EU-Neuwagen. Das Angebot gilt noch bis zum 31. März.

Scheinbar günstiger

Lidl bietet die Schnäppchen-Autos zwar mit einem ordentlichen Nachlass an, für EU-Importwagen sind aber generell vergleichbar hohe Nachlässe drin. Und vor allem können Kunden beim Vertragshändler noch handeln - das entfällt bei Lidl. Ein Preisvergleich lohnt sich deshalb unbedingt! Hinzu kommt, dass die beiden angebotenen Kleinwagen schon älter sind. Der VW Cross Polo ist sogar ein Auslaufmodell. Wer lieber „up to date“ ist, guckt sich besser woanders um.

Eingeschränkte Auswahl

Entscheiden sich Lidl-Kunden für eines der Autos, klicken sie im Shop auf „Fahrzeug konfigurieren“ und haben dann - im Vergleich zum Opel- oder VW-Shop - nur begrenzte Wahlmöglichkeiten. Wer diese nutzt, liegt in der Endsumme doch ganz schnell über dem Prospektpreis. So können Kunden beim Opel Corsa 1.0 zwar noch kostenlos zwischen drei verschiedenen Lackierungen wählen. Alle weiteren Optionen aber kosten extra.

Der Vertragspartner

Mit Lidl als Anbieter haben Kunden beim Kauf der Autos nicht viel zu tun. Das Unternehmen ist nur Vermittler. Verkäufer und damit auch Vertragspartner ist die Firma ATG Automobile GmbH im nordrhein-westfälischen Heinsberg-Dremmen. Damit liegt auch die Gewährleistung in der Verantwortung der ATG. Das ist für Kunden in jedem Fall von Vorteil.

Die Garantie

Für die Lidl-Autos gilt eine europaweite Herstellergarantie von zwei Jahren. Ein Auto mit Garantiemängeln kann der Halter einfach in eine Werkstatt des Herstellers bringen. Das gilt allerdings nur, wenn die Übergabeinspektion ordnungsgemäß vom ausländischen Vertragshändler durchgeführt, im Kundendienstscheckheft eingetragen und dem Importeur mitgeliefert worden ist. Und auch dann kann es im Vergleich zum Autokauf beim Vertragshändler in Deutschland noch Nachteile bei Kulanzansprüchen geben. Das aber gilt für EU-Neuwagenverkäufe generell.

Das Rückgaberecht

Und auch das ist ein allgemeines Risiko beim EU-Autokauf - auch bei Lidl: Wollen Halter den Pkw auf Grund gravierender Mängel zurück geben, kann es schwierig werden. Denn häufig wird in solchen Fällen auf Grund schwammig formulierter Klauseln zunächst darum gestritten, wer die Kosten für den Transport zum Verkäufer trägt. Das kann sich hinziehen. Bei berechtigten Ansprüchen aber muss der Verkäufer zahlen. Den vollen Kaufbetrag bekommen Käufer trotzdem nicht zurück, da das Auto bereits in Gebrauch war.

Fix bestellen, lange warten

Das Angebot hat weitere Schwachpunkte: Weder eine Besichtigung, noch eine Probefahrt der Autos sind möglich. Wer trotzdem bestellt - und das geht ganz einfach und schnell -, muss anschließend lange warten: auf den Opel Corsa laut Lidl drei bis fünf Monate, auf den VW Cross Polo vier bis sieben Monate. Das, und eine weitere, nicht ganz unwichtige Information, stehen im Kleingedruckten: Der Verkäufer hat bis zu vier Wochen Zeit, den Eingang der Bestellung überhaupt zu bestätigen. Erst dann beginnen die oben genannten Lieferzeiten. Und ob in sieben Monaten noch Geld im Abwrackprämie-Topf liegt, ist fraglich. Um diese zu beantragen, benötigen Kunden eine Kopie des Kaufvertrags. Das Risiko, dass die Abwrackprämie nicht gezahlt wird, trägt in jedem Fall der Kunde.

Zu knappe Abholfrist

Und noch mal wichtiges Kleingedrucktes: Ist das Auto bei der ATG in Heinsberg-Dremmen in Nordrhein-Westfalen eingetroffen, fordert sie vom Kunden, innerhalb von nur acht Tagen ab Zugang der Bereitstellungsmitteilung, das Auto abzuholen. Bevor das geschehen kann, müssen Käufer eine Kfz-Versicherung abschließen und sich um die Überführung kümmern. Um Kosten für ein Überführungskennzeichen zu sparen, müssten sie den Pkw schon im Voraus am Wohnort zulassen. Dafür aber benötigen sie die Fahrzeugpapiere. Die erhalten sie wiederum erst, wenn das Auto bezahlt wurde. Deshalb sollten Kunden versuchen, direkt mit der ATG einen verbindlichen Liefertermin zu vereinbaren, um sich die Möglichkeit der Reklamation offen zu halten, sollte das Auto nicht pünktlich eintreffen.

Schwer erreichbar

Es ist jedoch schwierig, den Vertragspartner ATG Automobile GmbH zu erreichen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Verkäuferadresse stehen zwar noch auf der Homepage von Lidl. Kontaktdaten aber, wie Telefonnummer, Internetseite und MailAdresse, fehlen. Über Google finden Interessenten zwar schnell eine Homepage, diese ist aber nicht ohne Kenn- und Passwort zugänglich.

Der Weg ist das Ziel

Wie also den Verkäufer kontaktieren? Bei der Telefonauskunft erfährt test.de, dass es zur angegebenen Adresse in Heinsberg nur einen Eintrag gibt - auf den Autohändler Jütten & Koolen Automobile GmbH. Dieser hat eine allgemein zugängliche Homepage, inklusive aller Kontaktdaten. Mit einem Anruf erfahren Käufer auch die Telefonnummer der ATG. Ganz schön umständlich und wenig erfreulich für die zahlende Kundschaft. Bei der ATG Automobile GmbH handelt es sich im Übrigen um eine Tochterfirma von Jütten & Koolen, die unter anderem für die Abwicklung solcher Sonderangebote zuständig ist.

Nicht im Voraus zahlen

Im Kleingedruckten heißt es, die Zahlung habe bargeldlos per Banküberweisung bis spätestens zwei Tage vor der Fahrzeugübergabe zu erfolgen. Das sollten Kunden in Zeiten der Finanzkrise und auch sonst in jedem Fall nicht tun! Geht das Unternehmen kurz nach Eingang der Überweisungssumme pleite, ist das Geld weg. Normalerweise gilt also: Zahlen Sie erst bei Erhalt der Ware! Die ATG akzeptiert nach vorheriger schriftlicher Absprache auch Bargeld. Das ist eine Option für diejenigen, die auch mit tausenden Euros im Gepäck entspannt unterwegs sind.

Zahlung mit Scheck

Die ATG bietet noch eine dritte - durchaus empfehlenswerte - Zahlungsart per Landeszentralbankscheck an. Den LZB-Scheck beantragen Kunden bei ihrer Hausbank (nicht möglich bei der Postbank). Dafür sind 15 Euro für die Ausstellung durch die LZB plus die zusätzlichen Gebühren der jeweiligen Hausbank fällig. Angesichts des hohen Kaufbetrags, der bei Insolvenz verloren wäre, ist die Zahlung per LZB-Scheck aber die sicherste. Doch auch hier gibt es einen Nachteil: Den Fahrzeugbrief erhalten Kunden eventuell erst nach Einlösung und Gutschrift des Schecks.

Resonanz

Ob die Lidl-Autos bei den Kunden gut angekommen, lässt sich nur schwer ausmachen. Denn Verkaufszahlen nennt auf Nachfrage weder Lidl, noch die ATG. Dafür aber haben beide Unternehmen recht unterschiedliche Eindrücke vom Erfolg des Angebots. Lidl-Pressesprecherin Petra Trabert: „Wir sind zufrieden.“ ATG-Verantwortlicher Alexander van der Forst: „Wir haben einen Riesenansturm.“ Und was sagt die Konkurrenz, wie zum Beispiel der Opel-Vertragshändler Dürkop? Geschäftsführer Stefan Quary: „Das Lidl-Angebot macht uns nichts aus. Im Gegenteil, viele Kunden kommen, wenn sie darauf aufmerksam werden, doch erstmal zu uns und fragen, ob sie hier nicht genauso günstig wegkommen. Und das ist in der Regel auch so. Wir können uns also bei Lidl für den Kundenkontakt bedanken.“

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