Auto-Fahrradträger Test

Fahrräder mit dem Auto zu transportieren, kann ganz schön gefährlich werden. Im Test: 15 Dach-, Heck- und Kupplungsträger. Vor allem Dachträger sind problematisch.

Wer als Autofahrer Huckepack mit Fahrrädern unterwegs ist, fährt mit Risiko. Der Transport hinaus ins Grüne oder zum Urlaubsziel birgt Gefahren für den Fahrer, aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer, wenn sich Räder samt Trägersystem haltlos zeigen. Kommt auf der Fahrt nichts dazwischen, ist alles okay. Selbst eine Vollbremsung wird meist noch anstandslos verkraftet. Aber wehe, es gibt einen Crash.

Wir haben 15 Auto-Fahrradträger zu Preisen zwischen 20 und über 400 Euro geprüft – darunter Dachträger, Heck- und Kupplungsträger. Besonders bei Kupplungsmodellen ist auf allerlei zu achten: Sie müssen Rückleuchten sowie Kennzeichen haben und brauchen eine – mitzuführende – allgemeine Betriebserlaubnis. Auch der D-(Dauerhaltbarkeits-)Wert ist wichtig. Er findet sich in der Betriebserlaubnis und gibt an, wie viel Last die Anhängerkupplung verkraftet. Merke: Nicht jede Kupplung ist für jeden Fahrradträger zugelassen und geeignet. Ansonsten haben alle drei Systeme ihre speziellen Macken, aber auch Stärken. Am gefährlichsten kann es bei den Dachträgern werden. Das liegt aber nicht unbedingt an den Fahrradhaltern selbst, sondern häufig an den Grundträgern, auf die die Fahrradhalter zu montieren sind: Noch immer können die meisten von ihnen nicht ausreichend fest mit dem Autodach verschraubt werden, sondern krallen sich nur notdürftig an Dach oder Reling fest.

Wohin mit dem Fahrrad?

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Citycrash im Labor: Hier hängen die Räder wie Fallobst am Wagendach – aber immerhin bleiben sie oben.

Die erste Frage, die sich beim Kauf eines Trägers stellt: Sollen die Räder aufs Dach oder nach hinten an die Heckklappe beziehungsweise – so vorhanden – auf die Anhängerkupplung? Und natürlich auch: Was kostet das? Dachträger (ohne Grundträger!) gibt es für ein Einzelfahrrad schon ab 10 Euro (Unitec Multistar). Der teuerste lag mit 206 Euro für 2 Fahrräder (Montblanc Baracuda) in einer Preisregion, in der es bei den anderen Systemen oft gerade erst losgeht. Diese Preise verstehen sich ohne Basisträger. Muss der noch angeschafft werden, sind zusätzlich um die 100 Euro fällig. Teuerster des gesamten Tests war der Kupplungsträger von Thule für stolze 425 Euro. Will man seine Räder auf der Kupplung unterbringen und hat keine, kostet das bis 700 Euro zusätzlich.

Vom Preis her spricht also viel für den Dachträger – wenn da nicht das Sicherheitsproblem mit den Grundträgern wäre. Und es gibt noch ein weiteres Argument für den Dachtransport (mit fest verschraubten Grundträgern!): Die getesteten Modelle hielten sich ganz famos in der Fahrpraxis bei Vollbremsungen, auf Holperstrecken und beim Wedeltest. Dabei waren die Räder sicherer verkehrt herum aufgehoben, also mit dem Lenker zum Wagenheck zeigend. Auch die Gefahr von Schäden am Fahrzeug ist beim Dachtransport noch am geringsten. Die Heckträger zeigten sich im praktischen Fahrtest ebenfalls standfest.

Verglichen damit eierten die Träger auf der Kupplung bedenklich durch die Gegend und hätten das Hinterteil unseres Testfahrzeugs ganz erheblich beschädigt, wenn wir es nicht mit einer Schaumstoffmatte gegen Beulen und Schrammen geschützt hätten. Grund für den Eiertanz im Wedeltest: Anders als in unserem letzten Test vor zwei Jahren hatte diesmal keines der Systeme Komponenten zur Querkraftabstützung an der Kugel.

Schieflage am Heck

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Haltlos zeigt sich der Unitec Multistar: Die Räder stürzen vom Dach und gefährden den Verkehr.

Ergebnis: Schon schnelle Kurvenfahrten, plötzliche Ausweichmanöver, schlechte Wegstrecken oder sogar schärfere Bremsmanöver können Kupplungsträger aus der Balance bringen. Das ist allerdings selten ein Sicherheitsrisiko, sondern zeigt sich hauptsächlich für die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer als Schieflage am Fahrzeugheck. Die dadurch ausgelösten Irritationen können aber unter Umständen zu Fehleinschätzungen mit entsprechenden Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer führen, die ja nicht wissen, dass sich – obwohl es so aussieht – der Fahrradträger keineswegs gleich vom Wagenheck verabschiedet.

Dafür hatten die Kupplungsträger keine echten Probleme beim Citycrash aus 30 Stundenkilometern. Sie schwingen zwar beim Aufprall deutlich nach oben und würden damit zwangsläufig das Hinterteil des Fahrzeugs beschädigen, aber in keinem Fall löste sich das Trägersystem von der Kupplungskugel – die Gefahr für den nachfolgenden oder den entgegenkommenden Verkehr ist also gebannt.

Blamage im Crashtest

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Wehe, wenn sie losgelassen: der Heckträger Eufab Jumbo nach dem Citycrash – die Heckscheibe ist zerstört, die Gurte sind ge­rissen, die Räder schleudern über die Heckklappe.

Den Citycrash – im Labor auf der Dach- beziehungsweise Heckstruktur eines Kombi nachgestellt – überstanden der Dachträger Unitec Multistar sowie der Heckträger Eufab Jumbo nicht. Zwei weitere Dachträger (Eufab Super Bike und Montblanc Baracuda) sowie ein Heckträger (Eckla Porty) verkrafteten die Belastung gerade mal so mit Ach und Krach. Bei den Dachtypen war unser Grundträger übrigens unlösbar mit dem Dach verbunden – die Ergebnisse beziehen sich also nur auf den eigentlichen Fahrradhalter.

Entscheidend für ein „Ausreichend“ war, dass sich die Räder nicht vom Dach oder dem Heck lösten. Wenn sie wie Fallobst, beispielsweise am Autodach, herunterhingen (Montblanc Baracuda), war das zwar nicht schön, aber wenigstens blieben sie da, wo sie hingehören. Bei einem Crash geht ja auch ansonsten am Auto einiges kaputt. Bei den „mangelhaft“ genannten Modellen verloren die Räder dagegen jeden Halt. Die Dachträger flogen in weitem Bogen vor das Fahrzeug (Unitec Multistar) oder die Heckträger segelten über die Heckklappe hinweg (Eufab Jumbo).

Heckscheibe durchschlagen

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Unser Prüfschlitten für den Aufpralltest mit Bestückung.

Ansonsten hielten sich die Heckklappenträger in den Fahrprüfungen recht ordentlich. Atera Linea, Paulchen und Uebler Primavelo werden mit speziellen, auf den jeweiligen Autotyp (im Test VW Passat Variant) abgestimmten Befestigungssätzen aus Leichtmetall an der Heckklappe mittels Haltelaschen verschraubt. Eckla Porty und Eufab Jumbo sind dagegen mit universell einsetzbaren Spanngurten an der Heckklappe zu befestigen. Jumbo und Porty nutzen dabei die Heckscheibe als tragendes Bauteil für ihre Abstützung, was beim Crash zwangsläufig zum Durchschlagen der Heckscheibe führt – in der Realität würde sich ein scharfkantiger Splitterregen über die Insassen ergießen. Als Vorsichtsmaßnahme ist eine Schutzfolie zu empfehlen. Für Fahrzeuge mit eingeklebter Heckscheibe sind Träger, die sich auf der Scheibe abstützen, nicht geeignet. Achtung: Bei Spanngurtsystemen ist auf längeren Fahrten regelmäßiges Nachspannen angesagt, denn im Fahrbetrieb lockern sich die Riemen.

Einen Durchhänger hatten die Heckträger im Prüfpunkt Handhabung. Es kann eine Plage werden, wenn Anpassen und Festzurren, Be- und Entladen nur umständlich vonstatten gehen oder die Position der Räder nicht eindeutig festgelegt ist, und das Festzurren der Fantasie überlassen bleibt. Auch dass mit Heckträger der Kofferraum nicht mehr oder nur noch schwer zugänglich ist, kann nerven. Den Eckla Porty montierten wir um 180 Grad gedreht, sodass die Fahrräder kopfüber, also mit den Laufrädern nach oben standen. Das ist sicherer, war aber nur auf dem Beiblatt zur Anleitung verzeichnet.

Lackschäden programmiert

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Fahrradträger im Rütteltest.

Im Vergleich zu Dachträgern ist das Beladen von Heckträgern aber leichter, weil die Räder nur etwa auf die halbe Höhe gehoben werden müssen. Dafür sind Lackschäden an Heckklappe und/oder Stoßfängern bei unvorsichtiger Handhabung programmiert. Auch wenn die Halter zu fest gespannt werden, können Lack- und Blechschäden die Folge sein. Wer einen teuren Neuwagen sein Eigen nennt, sollte sich deshalb den Heck-, aber auch den Kupplungstransport gut überlegen.

Dieser Test wurde von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission gefördert.

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