Udo Kirmse vom MSV Duisbug (rechts), der damalige Autark-Vertriebs­leiter Grischa Pietsch (Mitte) sowie Stefan Kühn (2.von rechts und bis vor kurzem Chef der nunmehr insolventen Autark Invest AG) beim Zeichnen einer Zebra-Anleihe in fünf­stel­liger Höhe. Das Foto stammt aus November 2013.

Finanztest darf die Inco Genossenschaft „unseriös“ nennen und sie in die Warnliste der Stiftung Warentest aufnehmen. Das hat das Ober­landes­gericht Stutt­gart entschieden und die Berufung der Inco als unbe­gründet zurück­gewiesen (Az. 4 U 233/18). Wir hatten den heimlichen Verkauf des „Autark-Theaters“ kritisiert. Er bedeutet für Anleger der Autark Invest AG und für Genossen der Inco nichts Gutes. Und wir hatten zudem vor einer Mitgliedschaft bei der Inco Genossenschaft gewarnt.

Umstrittener Verkauf eines Theaters

Bereits in erster Instanz war die Inco Genossenschaft aus Duisburg mit ihrem Antrag auf Erlass einer Einst­weiligen Verfügung gegen die Stiftung Warentest vor dem Land­gericht Stutt­gart gescheitert. Jetzt erklärte das OLG Stutt­gart, dass es sich bei dem Bericht der Stiftung Warentest nicht um eine Verdachts­bericht­erstattung handele. Die Stiftung Warentest „berichtet nicht etwa, dass der Verdacht bestehe, die Klägerin (Inco) sei unseriös, sondern sie berichtet, dass sie es tatsäch­lich ist, und zwar aufgrund konkret mitgeteilter Tatsachen.“ Entsprechend darf die Stiftung Warentest die Inco Genossenschaft in der Warnliste „Unseriöse Firmen und Produkte“ aufführen.

Finanztest hatte den Verkauf des „Autark-Theaters“ kritisiert

Die Inco war gegen den Bericht Erneut schlechte Nachrichten für Autark Anleger vorgegangen. Darin hatten wir die Über­tragung von 94 Prozent der Anteile des Duisburger Theaters am Marientor (TaM Betriebs­gesell­schaft mbH) auf die Inco Genossenschaft kritisiert. Die restlichen sechs Prozent gingen an eine Leipziger Gesell­schaft. Die Über­tragung war für Anleger der Autark Invest AG aus Liechten­stein ein Schock, da ihnen das Theater stets als gewinn­bringendes „Flaggschiff“ verkauft worden war. Zudem hatte Stefan Kühn, der einschlägig wegen Vermögens­delikten vorbestrafte Autark-Boss, Anleger über den selt­samen Deal nicht informiert. Auch Genossen der Inco erfuhren damals nicht, dass die Genossenschaft über 30 Millionen Euro für die Anteile zahlen sollte. Sie könnten aber durch die Über­tragung der Anteile Nachteile haben: So erscheint der Preis für die Anteile sehr hoch. Auch könnte es passieren, dass der Deal mit dem „Autark-Theater“ wieder rück­gängig gemacht werden muss.

Friends and Family – die handelnden Personen

Vor dem Hintergrund, dass hunderte Anleger der Autark Invest AG aus Liechten­stein bereits seit Monaten vergeblich auf die Rück­zahlung ihres Geldes warten, kam es uns sonderbar vor, dass ausgerechnet Autark-Boss Kühn und seine Tochter Laura Koschate Mitbegründer der Incomm Genossenschaft waren, die später in Inco umfirmiert wurde.

Die Anteils­über­tragung fand nach Recherchen von Finanztest zudem statt, als Kühns Ehefrau Sabine Geschäfts­führerin der TaM war. Stefan Kühn selbst war bis August 2017 Geschäfts­führer der TaM und wurde nach der Über­tragung der Anteile von der Autark Invest AG auf die Inco Genossenschaft erneut Geschäfts­führer der TaM.

Stutzig machte uns auch, dass der privat insolvente Grischa Pietsch – ein früherer Vertriebs­mit­arbeiter der Autark und alter Bekannter von Autark-Boss Stefan Kühn – Vorstand der Inco wurde und Jens Walther, Rechts­anwalt der Autark Invest AG den Posten des Aufsichts­rats­vorsitzenden bei der Genossenschaft einnahm. Hinzu kommt, dass die Ehefrau von Inco-Vorstand Grischha Pietsch, Katharina Magarete Pietsch bis zum 10. Dezember 2018 bei der TaM Einzel­prokura hatte.*

Theater­anteile sollen für über 30 Millionen Euro über­tragen worden sein

Insider berichteten zudem, dass die Anteile an dem einst­mals für rund 3 Millionen Euro gekauften „Autark-Theater“ jetzt plötzlich für weit über 30 Millionen Euro an die Inco über­tragen wurden. Weitere Informationen besagen, dass die Inco den Kauf­preis in Raten von monatlich 250 000 Euro an eine Rahl Geschäfts­besorgungs­gesell­schaft mbH aus Holz­minden zahlen soll. Diese Gesell­schaft soll Stefan Kühn zur Über­tragung von Vermögens­werten der Autark Invest AG benutzt haben. Geschäfts­führerin dort ist Kühns Bekannte Adele Raschke. Fragen zu den Verstri­ckungen und Geld­flüssen zwischen den Unternehmen haben uns weder Kühn, Pietsch noch Raschke beant­wortet. Pietsch begründete dies mit dem laufenden Inco-Prozess, gab aber auch vor Gericht keine Auskünfte dazu. Er erschien dort erst gar nicht.

Ungute personelle Verstri­ckungen zwischen Inco und Autark

Die vielen personellen und persönlichen Verstri­ckungen zwischen der Inco Genossenschaft und der Autark-Gruppe sind weder für Inco-Genossen noch für Autark Anleger vertrauens­erweckend (Details zu den personellen Verflechtungen zeigt unsere Grafik am Ende dieses Beitrags). So wechselte der zweite Inco-Vorstand Bram ten Hove zur TaM. Dort ist er seit September 2018 Geschäfts­führer. Die Ehefrau von Grischa Pietsch, Katharina Pietsch, hatte bei der TaM bis zum 10. Dezember 2018 Einzel­prokura.*, **

Dubioses Umtausch­angebot der Rahl an Autark-Anleger

Hinzu kommt, dass Anlegern kurz nach der Liquidation der Autark Invest AG im Oktober 2018 ein dubioses Umtausch­angebot der Rahl erreichte. Danach sollten sie ihre Nach­rangdarlehen, die sie der Autark Invest AG gegeben haben, in vermutlich wert­lose Aktien der inzwischen von der Autark Group AG in Autark Entertainment AG umbe­nannten Gesell­schaft tauschen („Weiteres dubioses Angebot“). test.de hatte ausdrück­lich vor der Annahme dieses Angebots gewarnt.

Pietsch und Kühn-Tochter sind Direktoren bei Londoner Firma

Zwar behauptete der Anwalt der Inco in erster Instanz vor Gericht, dass sich Kühn und Pietsch nicht näher kennen würden. Ein von Finanztest vorgelegtes Foto, bei dem Kühn im Beisein von Pietsch eine Anleihe der Autark an den MSV Duisburg über­gab, erklärte Pietschs Anwalt als rein zufäl­lig zustande gekommenes Foto. Hingegen belegten von Pietsch an Autark-Mitarbeiter geschickte E-Mails, dass er Informations­ver­anstaltungen für die Autark organisierte und durch­führte. Im Oktober 2018 gründete Pietsch dann sogar zusammen mit Kühns Tochter Laura Koschate in London die Firma First Entertainment Group PLC. Pietsch und Koschate sind Direktoren der Firma.**

OLG Stutt­gart: Finanztest darf vor der Inco warnen

Wie diese personellen Verflechtungen zusammenpassen, wissen Kühn, Pietsch und Raschke natürlich. Auskünfte darüber haben sie Finanztest verweigert. Pietsch verwies dabei auf das laufende Verfahren vor dem Ober­landes­gericht Stutt­gart, dass die Inco nun verloren hat. Das OLG urteilte, dass die unstreitigen, teil­weise von Finanztest im Artikel „Herber Schlag für Autark Anleger“ mitgeteilten Tatsachen in der Gesamt­schau das Wert­urteil „unseriös“ und damit die Aufnahme der Klägerin in die Warnliste der Stiftung Warentest recht­fertigen. Wegen der intrans­parenten Darstellung ihres Geschäfts­zwecks in der Inco-Satzung sei nicht auszuschließen, dass das bei privaten Kapital­anlegern einge­sammeltes Vermögen für die Verfolgung unbe­kannter, möglicher­weise im Interesse Dritter liegender Zwecke dienen solle. Weder seien die Über­nahme des TaM-Anteile öffent­lich kommuniziert worden, noch sei erklärt worden, warum die durch Nach­rangdarlehen von Privat­anlegern finanzierten Anteile, gegen die ein Liechten­steiner Gericht ein „Sicherungs­bot“ erlassen habe, an die Inco über­tragen wurden.

Vorbestrafter Straf­täter Kühn hat Konzept mitentwickelt

Dass Kühn als Mitbegründer der in Inco umfirmierten Genossenschaft zur Über­tragung der TaM Geschäfts­anteile schweige sowie die Tatsache, dass ein wegen Vermögendelikten vorbestrafter Straf­täter das Konzept mitentwickelt habe, sei eine wesentliche Tatsachen­grund­lage zur Bewertung des Genossen­schafts­konzept. Auch die Privat­insolvenz des Vorstands der Inco, Grischa Pietsch habe „erhebliches Gewicht“, urteilte das OLG. Für Kapital­anleger sei es wichtig, dass ein Genossen­schafts­vorstand, der ihr Vermögen verwalten solle, schon privat nicht in der Lage war, seine eigenen wirt­schaftlichen Verhält­nisse zu über­sehen, heißt es im Urteil. Auch die Funk­tion des für die Autark Invest AG tätigen Rechts­anwalts Jens Walther als Aufsichts­rats­vorsitzender der Inco, ist laut OLG eine wichtige Mitteilung.

Kühn trickste offen­bar auch den Gerlachreport aus

Die Machenschaften des bereits wegen dubioser Finanz­geschäfte vorbestraften Stefan Kühn gehen noch weiter. So hat er offen­bar Vermögens­werte der Autark Invest AG, die vor einigen Tagen Konkurs angemeldet hat, nicht nur an die Inco und die Rahl gegeben. Auch Rainer von Holst, ein Finanzhai, der sich in die USA abge­setzt hat, wollte wohl die Autark über­nehmen, nachdem er sie zuvor monate­lang in seinem aus den USA gesendeten unseriösen Online­dienst Gerlachreport als Betrugs­unternehmen bezeichnet hatte. Als Rainer von Holst dahinter kam, dass Autark-Boss Stefan Kühn Autark-Vermögens­werte anderwärtig über­trug, veröffent­lichte er im Gerlachreport mehrere negative Artikel über Stefan Kühn und seine Ehefrau Sabine Kühn.

In SMS-Nach­richten drohte er Sabine Kühn Ende November mit Negativbe­richten über die Autark im Gerlachreport und Tätlich­keiten gegen ihre Kinder, wenn sie nicht umge­hend eine vereinbarte Geldsumme auf sein US-Konto über­weisen würde (weitere Informationen zum Erpresserportal Gerlachreport). Sabine Kühn war bei mehreren Autark-Firmen Geschäfts­führerin – unter anderem bei der TaM. Sie gibt an, seit der Durch­suchung ihres Hauses wegen Betrugs­verdachts und Untreue­vorwürfen im Juli 2018 mittel­los zu sein. Ihre gesamten Vermögens­werte seien beschlag­nahmt worden, erklärte sie nach der Durch­suchung gegen­über Finanztest.

Drohungen vom Rechts­anwalt

Ob das stimmt, können wir nicht beur­teilen. Wegen des laufenden Ermitt­lungs­verfahrens will sich Sabine Kühn derzeit nicht äußern. Auch will sie Fragen danach, ob Immobilien der Autark Invest AG auf ihren Namen einge­tragen wurden und ob mit dem Theater am Marientor unter ihrer Geschäfts­führung Verluste gemacht wurden, nicht beant­worten. Statt­dessen ließ sie uns durch ihren Anwalt damit drohen, dass eine Nennung ihres Namens zwingend zu unterbleiben habe. Sollte Finanztest dieser Aufforderung nicht nach­kommen, „teile ich Ihnen bereits jetzt mit, dass ich mit der Einleitung umfassender recht­licher Schritte gegen Sie, insbesondere der Stellung einer Straf­anzeige, beauftragt bin“, schreibt ihr Straf­verteidiger Gennaro Festa aus Dort­mund an Finanztest.

Am Ende seines Schreibens droht der Anwalt, dass eine Wieder­gabe seiner Antwort auf die von uns an Sabine Kühn gestellte Anfrage zu unterbleiben habe. Offen­bar möchten der Rechts­anwalt und seine Mandantin nicht, dass seine Drohungen öffent­lich werden.

* Korrigiert am 12.02.2019
** Korrigiert am 14.03.2019

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Grafik: Wer mit wem verstrickt ist

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