Mutter-Kind-Kur Wann Eltern Recht auf eine Kur haben

13.07.2021
Mutter-Kind-Kur - Wann Eltern Recht auf eine Kur haben
Pause vom Alltag. Mütter oder Väter haben Anspruch auf eine dreiwöchige Mutter-Kind-Kur. © Getty Images / Punti di Bianco
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Mutter-Kind-Kur - Wann Eltern Recht auf eine Kur haben
Innige Momente. Seit Yvonne Schulz von der Eltern-Kind-Kur zurück ist, kann sie die Zeit mit ihren Töchtern wieder genießen. © S. Korte

Rücken- und Nacken­schmerzen, nächt­liches Zähne­knirschen, Asthma, Hörsturz, Mütter oder Väter geraten im Alltag manchmal an ihre Grenzen. Doch irgend­wann lassen sich die Alarm­signale nicht länger beiseiteschieben. Sie brauchen Hilfe. Für viele ist es schwer, sich das einzugestehen.

Anne Schilling kennt dieses Phänomen. Die Geschäfts­führerin des Müttergenesungs­werks (MGW) weiß: „Von außen sieht oft alles perfekt aus. Dabei können die Frauen eigentlich nicht mehr.“ Spätestens dann ist die Zeit reif für eine Kur.

70 anerkannte gemeinnützige Kurkliniken

Unter dem Dach des Müttergenesungs­werks arbeiten 70 anerkannte gemeinnützige Kurkliniken, hinzu kommen noch zahlreiche private Angebote, zum Beispiel über die Arbeits­gemeinschaft Eltern & Kind Kliniken. Der Bedarf ist groß: 2019 machten 47 000 Mütter und Väter eine vom Arzt verordnete Pause vom Alltag.

Krankenkassen zahlen für die Mutter-Kind-Kur

Mutter-Kind-Kur, Vater-Kind-Kur sowie eine reine Mütterkur oder eine reine Väterkur sind Pflicht­leistungen der Krankenkassen (zum Vergleich Krankenkassen). Jeder gesetzlich Versicherte, der Kinder erzieht, hat Anspruch auf drei Wochen Auszeit in der Klinik, wenn er die medizi­nischen Voraus­setzungen erfüllt. Die Band­breite reicht von Erschöpfungs­symptomen über Kopf- und Rücken­schmerzen bis zu psychischen Problemen. Die Kosten tragen die Kassen, auch für mitreisende Kinder. Erwachsene zahlen pro Tag nur einen Eigen­anteil von 10 Euro.

Wichtig:Private Krankenversicherungen über­nehmen die Kosten nur, wenn Kuren vom Vertrag umfasst sind.

Mutter-Kind-Kur beantragen

Um schnell zu ihrem Recht zu kommen, sollten über­forderte Eltern sich beraten lassen lassen. Das MGW hilft weiter. Die Beraterin erklärt, was es für Therapie­angebote und Kliniken gibt. Verschrieben wird die Kur als Vorsorge- oder Reha-Maßnahme. Falls ein offizieller Antrag nötig ist, hilft die Beraterin beim Formulieren.

Dann gehen Eltern zur Haus­ärztin und schildern ihre ­gesundheitlichen Probleme, die auch die Beziehung mit dem Kind belasten. Sie bitten um eine Verordnung für eine Mutter-Kind-Kur. Hat das Kind Erkrankungen (Neuroder­mitis, Asthma), die behandelt werden sollen, benötigt es ein eigenes Attest. Die Ärztin kann spezielle Anforderungen an die Klinik in der Verordnung eintragen. Diese reichen Eltern bei der Krankenkasse ein. Vielen Kassen reicht das mitt­lerweile aus, sie benötigen kein zusätzliches Antrags­schreiben.

Voraus­setzungen für die Mutter-Kind-Kur

Die Kasse prüft nicht nur den körperlichen Gesund­heits­zustand des Antrag­stel­lers. Ärzte sollten genau die Belastungen beschreiben, mit denen der Patient im Alltag zu kämpfen hat: etwa mit dem Spagat zwischen Arbeit und Erziehung, oder dem Druck, der auf Allein­erziehenden lastet, weil sie allein für die Familie verantwort­lich sind. Für all diese Fälle gibt es ein Käst­chen auf dem Verordnungs­formular.

Auch Beziehungs­probleme oder ein Todes­fall in der Familie sind gute Gründe für Erholung und Unterstüt­zung in einer Kurklinik. Eine Mutter-Kind-Kur wird unter anderen an der Ostsee, an der Nordsee, am Bodensee und im Schwarz­wald angeboten. Auf dem Programm stehen Yoga und Massagen, Nordic Walking, psycho­soziale Einzel- und Gruppen­gespräche.

Frei­zeit­programm für die Kinder

Kinder können ihre Eltern zur Kur begleiten, wenn sich zu Hause niemand um sie kümmern kann. Sie dürfen bis zu 12 Jahren, im Ausnahme­fall bis zu 14 Jahren mitfahren. Bei Kindern mit Be­hinderungen gibt es keine Alters­grenze. Sie müssen keine Gesund­heits­probleme haben.

Für die Dauer der Kur beur­lauben Schulen die Kinder. Damit keine Lücken entstehen, erhalten sie in der Klinik schul­begleitenden Unter­richt. Für die Kinder gut gesorgt: Während die Eltern bei der Therapie sind, gibt es für den Nach­wuchs ein alters­gemäßes Frei­zeit­programm, Bogenschießen, Ausflüge in die Umge­bung.

Väter bekommen zuge­schnittene Therapie

Mutter-Kind-Kur - Wann Eltern Recht auf eine Kur haben
Vater-Kind-Kur. Sebastian Blottner und seine Tochter Ylva brauchten dringend Zeit zu zweit. © S. Korte

Für Väter gibt es spezielle Kur-Programme. „Das Müttergenesungs­werk hat Vater-Kind-Maßnahmen entwickelt. Väter werden nur als Gruppe aufgenommen und erhalten eigene väterspezi­fische Therapien“, sagt Anne Schilling. „Sie sollen die Möglich­keit haben, sich mit anderen Vätern auszutauschen.“ Viele profitieren davon. Vier Jahre nach ihrer Eltern-Kind-Kur können Mütter oder Väter erneut eine Auszeit beantragen, um aufzutanken, wenn die Kräfte schwinden.

In sieben Schritten zur Mutter-Kind-Kur

Schritt 1: Bedarf prüfen

Prüfen Sie Ihren Bedarf: Machen Körper und Psyche schlapp, wird der Alltag zur Tortur? Dann ist es vielleicht Zeit für eine Kur.

Schritt 2: Beratung in Anspruch nehmen

Lassen Sie sich beraten. Unter dem Dach des Müttergenesungs­werks finden Sie 1 300 Beratungs­stellen. Alternativ können Sie sich bei privaten Anbietern informieren. Die Beratung ist kostenlos.

Schritt 3: Der Arzt­besuch

Bitten Sie Ihren Arzt um die Verordnung einer Vorsorge- oder Rehamaß­nahme. Die Formulare hat er in der Praxis. Sie können Sie sich als Download im Internet ansehen. Soll auch Ihr Kind behandelt werden, braucht es ein eigenes Attest.

Schritt 4: Der Kurantrag

In der Verordnung kann der Arzt eintragen, ob die Klinik einen bestimmte Schwer­punkt haben soll (Allergien, Ortho­pädie). In einem Antrags­schreiben können Sie konkret eine Klinik Ihrer Wahl angeben. Informieren Sie sich zuvor über die unterschiedlichen Einrichtungen.

Schritt 5: Kinder einbeziehen

In der Verordnung trägt der Arzt auch ein, dass Ihre Kinder mitfahren sollen, wenn Sie das wollen.

Schritt 6: Unterlagen einreichen

Reichen Sie die Verordnung und bei Bedarf das Anschreiben bei Ihrer Krankenkasse ein. Vielen Kassen reicht mitt­lerweile das vom Arzt ausgefüllte Formular. Die Kasse sollte inner­halb von drei Wochen über den Antrag entscheiden.

Schritt 7: Antritts­frist beachten

Ist die Kur bewil­ligt, haben Sie meist ein paar Monate Zeit, sie anzu­treten. Die Frist steht in der Bewil­ligung.

So reagieren Sie auf eine Ablehnung

Beim Müttergenesungs­werk gibt es eine nied­rige Ablehnungs­rate von 11 Prozent. Die Chancen für eine Bewil­ligung Ihres Antrags auf eine Mutter-Kind-Kur stehen also gut.

Wider­spruch einlegen

Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, lohnt es sich, Wider­spruch einzulegen. Über 50 Prozent der haben Erfolg: Die Antrag­steller durften doch noch zur Mutter-Kind-Kur fahren.

Frist beachten

Das Wider­spruchs­schreiben muss inner­halb eines Monats nach der Ablehnung bei Ihrer Kasse eingehen. Es kann sein, dass die Begründung die Kasse nicht über­zeugt. In einem neuen Attest könnte die Ärztin die medizi­nische Notwendig­keit besser begründen.

Beratung in Anspruch nehmen

Wenn Sie nicht wissen, wie Sie den Wider­spruch formulieren sollen, können Sie sich an eine Beratungs­stelle wenden – zum Beispiel beim Müttergenesungs­werk.

Dieses Special ist im Februar 2017 auf test.de erschienen. Wir haben es zuletzt im Juli 2021 aktualisiert. Nutzer­kommentare können sich auf eine ältere Fassung beziehen.

13.07.2021
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