Auszahlungs­phase Riester-Rente Special

Sparer wollen die beste Riester-Rente aus ihrem Kapital heraus­holen. Finanztest hat bei 44 Anbietern nachgefragt. Wenige akzeptieren Wechsler für die Renten­phase.

Sie haben jahre­lang gespart, Zulagen­anträge ausgefüllt, Sparraten angepasst, Stand­mitteilungen studiert und am Ende ein hübsches Riester-Sümm­chen beisammen. Aber keiner will es.

Angehende Riester-Rentner, denen das Angebot ihres eigenen Anbieters für die Renten­phase nicht passt, haben zurzeit ein Riesen­problem. Es gibt kaum Versicherer, die das Ersparte fremder Riester-Kunden in eine Rente umwandeln wollen.

Kunden hängen in ihren Verträgen fest und sind den Bedingungen ihres Anbieters ausgeliefert. Fairer Wett­bewerb geht anders.

Gesetz sieht Wechsel­möglich­keit vor

Der Gesetz­geber sieht ausdrück­lich vor, dass Sparer ihren Riester-Vertrag zum Beginn der Auszahlungs­phase kündigen können, um das gebildete Kapital auf einen anderen Riester-Anbieter zu über­tragen. Geregelt ist dies im Gesetz über die Zertifizierung von Alters­vorsorgever­trägen.

Die Vorgabe ist sinn­voll. Schließ­lich kann ein Anbieter, der in der Anspar­phase stark war, in der Auszahl­phase schlechtere Konditionen haben. Doch was nutzt ein Wechsel­anspruch, wenn sich kein neuer Anbieter für die Verrentung finden lässt?

Immer wieder melden sich frustrierte Sparer bei uns, die mit ihren Bitten um Vergleichs­angebote bei Renten­versicherern ins Leere laufen. Es sind vor allem Bank­sparplan­kunden, denen das Angebot ihrer Bank oder Sparkasse für die Auszahl­phase nicht gut genug ist.

Sie seien zu alt, bekommen sie von Versicherern zu hören. Eine selt­same Begründung – geht es doch um eine Rente.

Der Wett­bewerb funk­tioniert nicht

Wir wollten wissen, was am Markt los ist und haben alle 44 Anbieter von klassischen Riester-Renten­versicherungen nach einem Angebot gefragt. Das Ergebnis: Nur Online-versicherer HanseMerkur24 und die Debeka ermöglichen einen kurz­fristigen Wechsel zum Beginn der Renten­phase.

Im Gegen­satz zu allen anderen setzen diese Versicherer keine Höchst­alters­grenze, bis zu der sie Kunden annehmen Tabelle. Sie verzichten auch auf eine Mindest­anspar­zeit. Das ist ein weiterer Kniff, mit dem sich Versicherer unlieb­same Riester-Kunden vom Hals halten. Bei einem Wechsel müssen diese ihren Vertrag erst noch einmal teils jahre­lang besparen, bevor der Versicherer ihr Kapital verrentet.

Je kürzer die Mindest­lauf­zeit und je höher die Höchst­alters­grenze, desto besser für ältere Wechsel­kunden.

Debeka bessert nach

Über das Angebot der Debeka wunderten wir uns. Wussten wir doch von Lesern wie Martin und Irmtraud Amtmann, dass die Debeka ihnen kein Angebot machen wollte Fallbeispiel Ehepaar Amtmann.

Angeregt durch unsere Unter­suchung, hätten sie ihre Bedingungen geändert, hieß es bei der Versicherungs­gesell­schaft. Mindest­lauf­zeit und Höchst­eintritts­alter entfallen jetzt für Kunden, die nach der Anspar­phase wechseln und gleich eine Rente beziehen möchten.

Sparer dürfen nicht zu alt sein

Einen relativ späten Wechsel ermöglicht auch die Allianz. Sie hat keine Alters­grenze, besteht aber auf einer Mindest­lauf­zeit von zwei Jahren vor der Verrentung.

Auch die Anbieter R+V, Alte Leipziger und Volks­wohl­bund sind für Sparer kurz vor der Rente eine Alternative.

Von Lesern wissen wir, dass Versicherer in Einzel­fällen auch von ihren Annahme­bedingungen abweichen. Manchmal führt Hartnä­ckig­keit zum Ziel.

Zweimal Nein und viel Lavieren

Weitere zwölf der 44 Versicherer, die wir gefragt haben, nehmen ebenfalls immerhin fremde Riester-Kunden auf. Diese müssten aber alle deutlich vor dem Renten­alter zu ihnen wechseln. So haben beispiels­weise Targo und Öffent­liche Berlin Brandenburg eine Höchst­alters­grenze von 52 Jahren und zusätzlich eine Mindest­spar­zeit von 15 Jahren.

Ein klares Nein zur Über­nahme von fremdem Riester-Kapital gaben uns die Versicherer Ergo und Saar­land. Andere lavierten. Sie schlossen Angebote für die Zukunft nicht völlig aus.

Sofortrente besser als Auszahl­plan

Zurzeit scheint es besonders Bank­sparplan­kunden in Richtung Sofortrente zu ziehen. Volks­banken und Sparkassen unterbreiten diesem Kunden­kreis neben dem Bank­auszahl­plan normaler­weise auch ein Angebot für eine Sofortrente des verbund­eigenen Versicherers.

In unserem Test Ende 2012 war die garan­tierte monatliche Rate des jeweiligen Versicherers meist höher als die des Auszahl­plans. Aus Leser­zuschriften bekommen wir den Eindruck, dass dies immer noch der Fall ist. Ein Blick auf weitere Versicherungs­angebote kann sich also lohnen.

Auch Fonds­sparer sollten vergleichen

Auch Fonds­sparplan­kunden wünschen sich Vergleichs­angebote, um sich vor der Auszahl­phase für die in ihrem Fall beste Lösung entscheiden zu können. Doch auch sie stoßen schnell an ihre Grenzen.

Denn Fonds­gesell­schaften bieten nur Auszahl­pläne an und keine Sofortrente über Vertrags­partner. Sparern, die zu Beginn der Renten­phase zu einer Versicherungs­gesell­schaft wechseln wollen, stehen zurzeit nur die wenigen Anbieter aus unserer Tabelle zur Auswahl.

Spontaner Wechsel nur zur Union

Für Sparer mit Fonds­sparplan, die kurz vor Auszahlungs­beginn nach einem neuen Fondsanbieter suchen, ist das Angebot noch mager. Nur die Fonds­gesell­schaft Union mit ihrem Fonds­sparplan UniProfirente Select nimmt Neukunden zur Renten­phase auf. Vorbedingung: Sie müssen mindestens 15 000 Euro Riester-Kapital mitbringen. Ansonsten liegt die Mindest­lauf­zeit vor der Verrentung bei drei Jahren.

Bei den beiden anderen Anbietern Deka (Zukunfts­plan) und DWS (RiesterRentePremium) liegen die Mindest­lauf­zeiten bei zwei Jahren.

Versicherungs­kunden im Vorteil

Für Kunden mit einer klassischen Renten­versicherung kommt ein Wechsel kaum infrage. Die garan­tierte Verzinsung, mit der sie ihren Vertrag abge­schlossen haben, gilt auch für die Rente, die ihnen in der Auszahl­phase gezahlt wird. Sie lag bei einem Abschluss vor 2004 bei bis zu 3,25 Prozent, vor 2007 noch bei bis zu 2,75 Prozent. Heute ist der Höchst­rechnungs­zins dagegen auf kümmerliche 1,25 Prozent gefallen.

Würden Kunden zur Verrentung einen neuen Vertrag abschließen, bekämen sie für die gesamte Renten­phase den neuen, geringeren Zins. Selbst höhere Über­schüsse können das kaum wett­machen.

Mit Einschränkung gilt das auch für Sparer mit einer fonds­gebundenen Renten­versicherung. Hier verzinsen Versicherer in der Auszahl­phase meist zumindest einen Teil des Kapitals zum alten Garan­tiezins. Vergleichen kann aber nicht schaden. Es wäre schön, wenn es dafür mehr Angebote gäbe.

Kein großer Reibach mit Wechs­lern

Haupt­grund für die Unlust der Versicherer, späte Riester-Wechsler aufzunehmen, ist wohl, dass sie an ihnen nicht viel verdienen können. Je später ein Riester-Kunde zu ihm wechselt, desto schwieriger wird es für den Versicherer, Kosten anzu­setzen.

Riester-Anbieter müssen Wechs­lern den vollen Über­tragungs­wert garan­tieren. Sie können bei einer direkten Verrentung keine Abschluss­provision mehr abziehen. Und selbst bei kurzen Spar­phasen vor der Rente fällt es in der Nied­rigzins­phase schwer, genug mit dem neuen Geld zu erwirt­schaften, dass ordentlich etwas für sie selbst abfällt.

Riester-Rentner auf dem Vormarsch

Die Branche klagt außerdem über die Bürokratie, die mit jedem Riester-Vertrag einhergehe. Anbieter müssen die Einzahlungen der Kunden mit der Zentralen Zulagen­stelle für Alters­vorsorge abgleichen. Wurden Zulagen zu Unrecht ausbezahlt, kann die Behörde diese bis zu vier Jahre rück­wirkend stornieren. So können sich Unsicherheiten über die Höhe des Riester-Kapitals ergeben.

Ein weiterer Grund für den Unwillen: Viele Versicherer haben noch kein auto­matisches System, um schnell und einfach Angebote für die Auszahl­phase zu errechnen. Sie müssen diese manuell erstellen. Das kostet Zeit und Geld.

Das Problem sollten sie bald angehen. 13 Jahre nach Einführung ist die Generation Riester-Rentner auf dem Vormarsch.

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