Wird eine Ehe nur geschlossen, um Versicherungsleistungen zu kassieren, muss der Versicherer nicht zahlen. Das entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. 4 U 63/99).

Dem Urteil lag ein kurioser Fall zugrunde: Im Alter von 15 Jahren heiratete ein in Deutschland aufgewachsener türkischer Jugendlicher in der Türkei mit einer gerichtlichen Ausnahmegenehmigung eine 18-Jährige. 16 seiner Verwandten, die in Deutschland lebten, verlangten daraufhin von derselben deutschen Versicherungsgesellschaft die Auszahlung der Versicherungssumme ihrer auf den Namen des 15-Jährigen abgeschlossenen Aussteuerversicherung. Das Unternehmen weigerte sich mit der Begründung, die Ehe sei nur zum Schein geschlossen worden.

Die Richter fanden die Angaben des Vaters des Jungen und des Bräutigams selbst zur Eheschließung und zum Aufenthaltsort der Braut unstimmig. Es sei unter anderem nicht glaubhaft, dass eine echte Hochzeit stattgefunden habe, wenn es keinerlei Hochzeitsfotos gebe. Die Eheschließung einzig zur Erlangung von Versicherungsleistungen zu instrumentalisieren, sei treuwidrig. Verdächtig fanden die Richter zudem, dass über denselben Versicherungsvermittler für vier andere Kinder der Familie zusammen weitere 82 Aussteuerversicherungen abgeschlossen worden waren.

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