Jetzt gibt es höhere Steuer­entlastungen bei Schicksals­schläge wie Unwetter oder Krankheit. Auch mit privaten Zuzah­lungen für Medizin, Therapien und Pflege lassen sich Steuern sparen. Doch nicht alle Ausgaben zählen in voller Höhe. Betroffene müssen in der Regel einen Teil ihrer Kosten selbst tragen, sind auf einen Höchst­betrag oder eine Pauschale beschränkt. Mit guter Planung lässt sich der Eigen­anteil knacken. Hier lesen Sie, wie das gelingt.

Das Wichtigste in Kürze

Medikamente, Brille und Kur absetzen

Alle Infos. Alle Infos für die Steuererklärung finden Sie im großen Sonderheft Steuern. Die wichtigsten Fakten rund um außergewöhnliche Belastungen lesen sie in diesem kostenlosen Special.

Private Ausgaben. Im Normalfall erkennt das Finanz­amt private Kosten nicht steuer­mindernd an. Für schwierige Lebens­situationen wie Beerdigungen, Flutschäden oder Krankheit macht es aber eine Ausnahme. Wenn die Aufwendungen zwangs­läufig und notwendig waren, dürfen Sie diese als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung geltend machen.

Krank­heits­kosten. Den größten Posten bilden meist Krank­heits­kosten. Ausgaben für Hilfs­mittel wie Zahn­spangen, Brillen, künst­liche Befruchtung, Therapien oder Kuren lassen sich absetzen. Allerdings müssen Sie auch hier stets einen Teil Ihrer Ausgaben selbst tragen.

Eigen­anteil. Inwieweit Ihre Ausgaben abzieh­bar sind, hängt von Einkommen und familiärer Situation, wie Familien­stand und Kinder, ab. Danach berechnet sich die zumut­bare Belastung (Eigen­anteil). Erst wenn diese über­schritten ist, zählen die Kosten in der Steuererklärung.

Hürde geringer. Seit einem Grund­satz­urteil des Bundes­finanzhofs ist der zugemutete Eigen­anteil nicht mehr so hoch (BFH, Az. VI R 75/14). Deshalb können viele nach den neuen Regeln mehr Krank­heits­kosten und andere allgemeine außergewöhnliche Belastungen absetzen als früher (siehe Tabelle unten).

Pauschalen und Höchst­beträge. Für Menschen mit Behin­derung gibt es für (Mehr-)ausgaben je nach Grad der Behin­derung einen pauschalen Frei­betrag (siehe Tabelle). Wer einen nahen Angehörigen (Pfle­gegrad 4 oder 5) pflegt, erhält 924 Euro Pflegepausch­betrag. Wer einen bedürftige nahe Angehörigen oder den Lebens­gefährten unterstützt, kann bis zu einem gewissen Betrag Unter­halts­kosten absetzen.

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Außergewöhnliche Belastungen – darum gehts

Sie mussten aufgrund einer Krankheit Medikamente kaufen oder nach einem Unwetter Schäden an Ihrer Immobilie beseitigen? Weil Ihnen die Kosten zwangs­läufig entstanden sind, können Sie diese als außergewöhnliche Belastungen abrechnen. Das müssen Sie im Zweifels­fall nach­weisen können.

Normaler­weise gibt es für Ausgaben der privaten Lebens­führung keine Steuer­vorteile. Bei schweren Schicksals­schlägen wie Schäden durch Natur­katastrophen, Brand oder Krankheit macht das Finanz­amt eine Ausnahme. Denn Betroffene schultern in diesen Fällen oft so hohe finanzielle Lasten, dass diese sogar ihre Existenz bedrohen können. Doch einen Teil davon müssen sie selber tragen. Für andere außergewöhnliche Belastungen gelten Höchst­beträge oder Pauschalen – ohne das ein Eigen­anteil abgeht, zum Beispiel für Menschen mit Behin­derung oder für den Unterhalt und die Pflege von Angehörigen.

Höhere Ausgaben zählen

Sie können jetzt mehr Krank­heits­kosten und andere allgemeine außergewöhnliche Be­lastungen absetzen, weil die zumut­bare Belastung geringer ist als nach den alten Regeln bis 2017. Das ­haben Steuerzahler vor dem Bundes­finanzhof erstritten (Az. VI R 75/14). Allerdings müssen Sie einen gewissen Eigen­anteil nach wie vor selber tragen. Erst Ausgaben über Ihrer zumut­baren Belastung wirken sich steuerlich aus.

So wird die zumut­bare Belastung berechnet

Wie hoch Ihre zumut­bare Belastung ist, hängt in erster Linie vom Einkommen, Familien­stand und Kinder­zahl ab. Allerdings muss das Finanz­amt seit 2017 diesen Eigen­anteil stufen­weise ermitteln: Nur der Teil des Gesamt­betrags der Einkünfte, der 15 340 Euro und 51 130 Euro über­steigt, wird mit dem jeweils höheren Prozent­satz belastet (siehe Tabelle unten). So kann ein Ehepaar mit 52 000 Euro Einkünften bis zu 665 Euro mehr absetzen als früher.

Tabelle Zumut­bare Belastung – diese Prozent­werte gelten

Familien­stand der/des Steuerzah­lers

Prozent­satz je Anteil an den Gesamt­einkünften (ohne Kapital­einkünfte)

Anteil bis 15 340 Euro

15 341 bis 51 130 Euro

Über 51 130 Euro

Familien­stand der/des Steuerzah­lers

Prozent­satz je Anteil an den Gesamt­einkünften (ohne Kapital­einkünfte)

Anteil bis 15 340 Euro

15 341 bis 51 130 Euro

Über 51 130 Euro

Single ohne Kind

5

6

7

Paar ohne Kind

4

5

6

1 oder 2 Kinder

2

3

4

3 oder mehr Kinder

1

1

2

Rechner: Höhe der zumut­baren Belastung schnell ermitteln

Die Höhe Ihrer zumut­baren Belastung können Sie einfach mit unserem Rechner berechnen. Dafür entnehmen Sie Ihren Ge­samt­betrag der Einkünfte aus dem letzten Steuer­bescheid, falls sich Ihre Einkünfte nicht wesentlich verändert haben. Rechnen Sie alle Posten zusammen, die Ihnen im Jahr entstanden sind. Oft kommen Sie dann über den Eigen­anteil.

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So über­springen sie den Eigen­anteil

Knacken Sie Ihre zumut­bare Belastung, indem Sie sämtliche Ausgaben bündeln und alle Belege sammeln. Über­legen Sie, ob Sie Kosten für Zahn­ersatz, Brille oder Augen­lasern in ein gemein­sames Jahr schieben können. Das hilft, über die zumut­bare Belastung zu kommen. Nur Ausgaben darüber wirken sich steuer­mindernd aus. Um die Hürde dieses Eigen­anteils zu nehmen, zählen nicht nur Gesund­heits­kosten, sondern auch Pflege- und Heim­kosten, Beerdigungs­kosten, Ausgaben für die Beseitigung gesund­heits­gefähr­dender Schad­stoffe und für selbst getragene Schäden wegen Natur­katastrophen.

Ob Verordnung, Privatrezept oder Kauf­quittung – heben Sie alle Belege sorgfältig auf, vor allem, wenn Sie größere Ausgaben stemmen müssen, etwa während einer langen Krankheit.

So rechnen Sie Krank­heits­kosten in der Steuererklärung ab

Ihre außergewöhnlichen Kosten werden in der Steuererklärung abge­fragt. Den größten Posten bilden fast immer Krank­heits­kosten. Rechnen Sie unbe­dingt alle Ausgaben zusammen, die Ihnen im abzu­rechnenden Steuer­jahr entstanden sind. Oft können Sie nur so Ihren Eigen­anteil knacken. Anerkannt werden Ihre Ausgaben – dazu gehören auch die für Ehepartner und Kinder – nur dann als außergewöhnliche Belastungen, wenn Arznei oder Behand­lung medizi­nisch notwendig waren. Für diese Ausgaben reicht als Nach­weis eine Verordnung des Arztes oder Heilpraktikers.

Sie müssen aber zuerst Ver­sicherungs­leistungen in Anspruch nehmen. Nur die darüber hinaus privat getragenen Zahlungen dürfen Sie angeben. Krank­heits­kosten gelten grund­sätzlich als außergewöhnliche Belastungen. Das gilt auch, wenn Sie einen Verkehrs- oder Sport­unfall selbst verschuldet haben.

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Wann Verordnungen und Rechnungen reichen

Arznei- und Verbands­mittel: Abzugs­fähig sind Zuzah­lungen zu rezept­pflichti­gen Medikamenten, ausgenommen Verhütungs­mitteln. Als Nach­weis genügt der Zahlungs­beleg der Apotheke. Arzneien, die die Kasse nicht zahlt, lassen Sie sich möglichst vom Arzt auf einem Privatrezept verordnen und behalten es als Quittung. Privatpatienten legen eine Rezept­kopie und die Abrechnung ihrer Kasse vor. Zahlt diese nur ein güns­tigeres Präparat, rechnen Sie den Aufpreis ab. Chro­nisch Kranke legen einmalig eine (Dauer-)Verordnung vor.

Anerkannte Therapien: Neben schulmedizi­nischen lassen sich homöo­pathische, anthroposophische und heileuryth­mische Behand­lungen sowie Phyto­therapien abrechnen.

Künst­liche Befruchtungen: Sie zählen steuerlich mit, wenn ein Arzt zuvor die Unfrucht­barkeit von Mann oder Frau fest­stellt. Es zählen auch die Aufwendungen einer empfäng­nis­unfähigen Frau, die in einer gleich­geschlecht­lichen Beziehung lebt, für eine künst­liche Befruchtung mit Spender­samen einschließ­lich der Kosten für die Bereit­stellung und Aufbereitung des Spender­samens (BFH, Az. VI R 47/15).

Zahn­ersatz: Anerkannt werden Zuzah­lungen, etwa zu Inlays, Kronen, Implantaten oder zur Zahn­spange fürs Kind. Als Nach­weis genügt die Rechnung. Prophylaktische Behand­lungen sind dagegen Privatsache.

Hilfs­mittel: Zuzah­lungen für Hörgeräte, Gehhilfen, Prothesen, Roll­stuhl oder ortho­pädisches Schuh­werk sind mit Verordnung und Kauf­quittung nach­zuweisen. Ebenso die Montage von Hand­läufen oder der Einbau eines Treppenliftes (BFH, Az. VI R 61/12).

Sehhilfen: Bei Brillen und Kontaktlinsen bewertet das Finanz­amt im Einzel­fall, ob die Kosten angemessen sind. Wer etwa aufgrund einer nachgewiesenen schweren Sehschwäche teure Gläser braucht, kann seine Ausgaben voll abrechnen – wer eine ausgesprochene „Luxusfassung“ wählt, nicht. Das Amt darf aber nicht pauschal auf ein simples Kassen­gestell verweisen. Hat der Augen­arzt einmal eine Sehhilfe verordnet, ist das später nicht mehr nötig – ein Gang zum Optiker genügt. Heben Sie die Verordnung auf, um sie auf Nach­frage vorweisen zu können. Wer die Erst­ver­ordnung nicht mehr hat, lässt sich seine nächste Sehhilfe verordnen – etwaige Gebühren sind abzugs­fähig. Wer sich die Augen lasern lässt, braucht als Nach­weis nur die Arzt­rechnung.

Fahrten: Fahren Sie mit Bus oder Bahn zum Arzt oder zur Apotheke, listen Sie die Kosten auf. Auto­fahrer rechnen pro gefahrenem Kilo­meter 30 Cent ab. Nur Kranke ohne Auto, für die öffent­liche Verkehrs­mittel nicht zumut­bar sind, setzen Taxi­kosten ab.

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Hier benötigen Sie mehr Nach­weise

Für die folgenden Ausgaben für Ihre Gesundheit benötigen Sie für den Steuer­abzug entweder ein amts­ärzt­liches Attest oder eine Bescheinigung des Medizi­nischen Dienstes der Krankenkassen (MDK).

Nicht anerkannte Therapien: Dazu zählen etwa Frisch- oder Trocken­zellenbe­hand­lungen, Sauer­stoff-, Chelat-, Eigen­blut- und Delfin­therapien sowie Ayurvedakuren.

Kur und Reha: Hat der Aufenthalt eindeutig medizi­nischen Charakter und stehen Sie unter ärzt­licher Kontrolle, zieht der Fiskus mit. Absetz­bar sind neben der Gebühr für das Attest und eigenen Ausgaben für Medikamente, Behand­lungen, Kost und Logis, auch Kurtaxe und Fahrt­kosten – aber maximal in Höhe öffent­licher Verkehrs­mittel.

Psycho­therapie: Ein Attest benötigen Sie auch dann, wenn Ihr Therapeut selbst Arzt ist. Wollen Sie die Behand­lung nach Auslaufen der Bezu­schussung fortsetzen, brauchen Sie vorab ein neues Attest.

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Die Kosten von Pflege und Heim

Wer einen Angehörigen oder eine nahe stehende Person unentgeltlich zu Hause pflegt, erhält eine steuerliche Entlastung. Das geht auf zwei Wegen: Entweder Sie machen Ihre tatsäch­lichen Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen als Einzel­posten per Nach­weis geltend oder Sie beantragen den Pflegepausch­betrag in der Steuererklärung. Belege sind dann nicht nötig. Der Pausch­betrag in Höhe von 924 Euro steht allen Personen, die bei der Pflege mithelfen, anteilig zu. Teilen sich zwei Personen die Pflege eines Menschen, hat jeder nur Anspruch auf jeweils 462 Euro. Die Pauschale kann aber auch mehr­fach genutzt werden, etwa weil beide Eltern­teile gepflegt werden müssen. Vorteil: In diesem Fall müssen Sie keinen Eigen­anteil tragen. Der Pflegepausch­betrag setzt allerdings die unentgeltliche, häusliche Pflege eines Angehörigen oder einer nahe stehenden Person voraus, die hilf­los (Behinderten­ausweis mit Merkzeichen „H“) oder schwerst­pflegebedürftig (Pfle­gegrad 4 oder 5) ist.

Tipp: Umfassende Informationen rund um die Pflege bieten Ihnen unsere Tests und Specials auf der Themenseite Pflege von Angehörigen.

Pflege­kosten und Heim­unterbringung absetzen

Pflege­kosten können Ihnen durch die Beschäftigung einer ambulanten Pfle­gekraft, die Unterbringung in einem Pfle­geheim oder in der Pfle­gestation eines Altenheims oder in einem Alten­pfle­geheim entstanden sein. Sind Ihnen selbst oder Ihrem Ehepartner Pflege­kosten entstanden, können diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen berück­sichtigt werden.

Hatten Sie einen Pflegegrad oder haben Sie einen nahen Angehörigen mit Pfle­gegrad unterstützt, können Sie Kosten, die Sie privat getragen haben, abrechnen. Bei fest­gestelltem Pfle­gegrad geht das problemlos. Als Nach­weis legen Sie Rechnungen sowie die Bescheinigung des Pfle­gegrades oder den Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen H (hilf­los) vor. Leistungen aus einer privaten Zusatz­versi­cherung müssen Sie vorher abziehen (BFH, Az. VI R 8/10).

Achtung: Pflege­kosten und Behindertenpausch­betrag (siehe Tabelle) können Sie nicht kombinieren. Wenn Sie pflegebedürftig sind und an einer Behin­derung leiden, müssen Sie sich entscheiden: Entweder beantragen Sie den Pausch­betrag oder weisen höhere Kosten einzeln nach.

Heim­auf­enthalt nur aus Alters­gründen nicht absetz­bar

Soll das Finanz­amt die Ausgaben anerkennen, muss die Unterbringungwegen der Pflegebedürftig­keit, einer Behin­derung oder Krankheit notwendig sein. Ein Heim­auf­enthalt allein aus Alters­gründen ist steuerlich nicht absetz­bar.

Übrigens: Kosten für eine krank­heitsbedingte Unterkunft in einem Pfle­geheim zählen auch ohne fest­gestellten Pfle­gegrad (BFH, Az. VI R 38/09).

Finanz­amt zieht Haus­halts­ersparnis ab

Wurde der eigene Haushalt aufgelöst, zieht das Finanz­amt von den Ausgaben 9 168 Euro Haus­halts­erspar­nis für 2019 ab – 26 Euro pro Tag oder 764 Euro pro Monat. Bei einer Heim­unterbringung beider Ehegatten ist für jeden der Ehegatten eine Haus­halts­ersparnis anzu­setzen (BFH, Az. VI R 22/16). Dem Abzug einer Haus­halts­ersparnis hat das Finanzge­richt Köln wider­sprochen. Es hat keine Ersparnis von den Kosten, die ein Sohn für die Unterbringung seiner Mutter in einem Pfle­geheim getragen hat, abge­zogen (FG Köln, Az. 14 K 2643/16). Das Urteil ist rechts­kräftig. Danach entfällt die Anrechnung der Haus­halts­ersparnis immer, wenn die pflegebedürftige Person über der Haushalts­ersparnis liegende Bezüge und Einkünfte hat, die sie für die Unterbringung im Heim verwendet hat. Ob der Bundes­finanzhof diese Recht­sprechung in einem anderen Verfahren bestätigen wird, bleibt abzu­warten.

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Natur­katastrophen, Bestattungen, Scheidung

Natur­katastrophen: Der Gesetz­geber sieht auch Erleichterungen vor, wenn Sie durch ein unabwend­bares Ereignis, wie einen Brand oder Hoch­wasser, existenziell notwendige Gegen­stände verloren haben. Dazu zählen Hausrat und Kleidung, nicht aber ein Auto oder Garage. Die Wiederbeschaffungs­kosten zählen wie Krank­heits­kosten zu den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen von dem ein Eigen­anteil abgeht (siehe Tabelle „Zumut­bare Belastung“).

Berück­sichtigt werden die notwendigen und angemessenen Kosten der Schadens­beseitigung. Anerkannt sind Ausgaben für die Schaden­beseitigung und Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung. ­Erstattet die Versicherung Kosten zur Schaden­beseitigung, müssen Sie Ihre Ausgaben um den Erstattungs­betrag kürzen. Sie dürfen auch nicht auf Versicherungs­ansprüche verzichten. Ein Schaden allein reicht für die Steuer­erleichterung nicht aus, sondern es muss eine tatsäch­liche finanzielle Belastung vorliegen. Hat der Gegen­stand nach dem Schaden noch einen Rest­wert, kürzt das Finanz­amt um diesen Wert.

Beerdigungs­kosten: Das Finanz­amt erkennt angemessene Ausgaben bis zu 7 500 Euro für Begräbnis, Grabstätte oder Grab­stein an, wenn sie den Wert des Erbes über­steigen. Kosten für Trauerkleidung und -feier sind nicht abzieh­bar. Ausgaben weisen Sie mit Belegen und Erbschein nach.

Darlehens­zinsen: Müssen Sie zwangs­läufig einen Kredit aufnehmen, um etwa Flutschäden beseitigen zu können, können Sie die Zinsen steuer­mindernd anrechnen.

Gesund­heits­gefähr­dende Stoffe: Ist Ihr Haus durch nachgewiesene gesund­heits­gefähr­dende Stoffe belastet, können Sie die Beseitigung geltend machen. Ein Gutachten ist nicht zwingend (BFH, Az. VI R 21/11).

Scheidungs­kosten: Die Finanz­ämter haben Scheidungs­kosten ohnehin kaum noch anerkannt. Im August 2017 hat der Bundes­finanzhof klar­gestellt: Scheidungs­kosten sind seit 2013 nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen absetz­bar. (BFH, Az. VI R 9/16). Ausnahme: Der Steuer­pflichtige muss das Gerichts­verfahren führen, um seine existenz­notwendigen Einkünfte zu sichern.

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Behin­derung, Flücht­linge, Bedürftige

Menschen, die aufgrund einer Behin­derung höhere Ausgabe haben, dürfen wählen: Sie können die mit der Behin­derung zusammenhängenden Kosten einzeln nach­weisen oder einen Pausch­betrag in Anspruch nehmen. Mit dem Pausch­betrag sind die Ausgaben für die Hilfe bei gewöhnlichen und regel­mäßig wieder­kehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens, Ausgaben für einen erhöhten Wäschebedarf und Pfle­geaufwendungen abge­golten.

Wer sich für den Pausch­betrag entscheidet, kann seine Pflege­kosten nicht als außergewöhnliche Belastungen ansetzen. Auch die Steuerermäßigung für Pflege­leistungen im Haushalt dürfen dann nicht bean­sprucht werden. Als Nach­weis genügt der Fest­stellungs­bescheid oder Schwerbehinderten­ausweis, ab einem Grad von 50 bekommen Sie die Pauschale ohne Voraus­setzungen. Je nach Grad der Behin­derung gibt es zwischen 310 und 1 420 Euro. Für Kinder beantragen Sie die Pauschale in der Anlage Kind. Diese können Sie sich über­tragen lassen, wenn Sie für das Kind Kinder­geld bekommen.

Tabelle: Der Grad der Behin­derung und die Steuer

Pauschale ablesen

Ab einem Grad der Behin­derung (GdB) von 25 gewährt das Amt einen Pausch­betrag. Wer höhere Kosten geltend machen will, muss dies belegen.

Pauschale ablesen

Ab einem Grad der Behin­derung (GdB) von 25 gewährt das Amt einen Pausch­betrag. Wer höhere Kosten geltend machen will, muss dies belegen.

Grad der Behin­derung

Pauschale (Euro)

25 und 30

310

35 und 40

430

45 und 50

570

55 und 60

720

65 und 70

890

75 und 80

1060

85 und 90

1230

95 und 100

1420

Hilf­los oder blind

3700

Pausch­betrag für Hinterbliebene beantragen

Waisen, hinterbliebene Eltern oder Ehegatten erhalten 370 Euro Pausch­betrag, wenn sie Hinterbliebenen­bezüge nach dem Bundes-/Soldaten­versor­gungs­gesetz oder einer entsprechenden Regelung beziehen. Als Nach­weis dient der Bescheid laut Versorgungs­gesetz.

Unterhalt für bedürftige Angehörige oder Flücht­linge absetzen

Haben Sie einen bedürftigen Angehörigen finanziell unterstützt und können Ihre Zahlungen belegen? Für 2019 lassen sich 9 168 Euro (2020: 9 408 Euro) absetzen plus über­nommene Krank­heits- und Pflege­versicherungs­beiträge. Der Höchst­betrag gilt auch für Kinder, die für pflegebedürftige Eltern Heim­kosten bezahlen – und für Eltern, die ihr Kind unterstützen, für das sie kein Kinder­geld mehr bekommen. Einkünfte des Unterstützten über 624 Euro im Jahr (minus 180 Euro Kostenpauschale) zieht das Amt vom Höchst­betrag ab.

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