Außergewöhnliche Belastungen Kosten für glutenfreie Diät absetz­bar?

Außergewöhnliche Belastungen - Kosten für glutenfreie Diät absetz­bar?
Pasta ohne Bauchweh genießen: Ein Kläger will für glutenfreie Produkte Krank­heits­kosten abrechnen. © iStockphoto / Antonio Truzzi

Menschen mit Zöliakie – eine chro­nische Erkrankung aufgrund einer Glutenunverträglichkeit – müssen sich lebens­lang glutenfrei ernähren, etwa auf herkömm­liches Brot oder Nudeln verzichten. Trotzdem dürfen Erkrankte ihre Mehr­kosten für Diät­nahrungs­mittel nicht absetzen, entschied jetzt das Finanzge­richt Köln, Az. 15 K 1347/16). Die Ausgaben für Zöliakie fallen unter das generelle Abzugs­verbot für Diät­verpflegung, so die Richter in der Begründung. Unter Diät­verpflegung sei jede Form einer frei erhältlichen, hoch­wertigen Ernährung zur Gesund­heits­förderung zu verstehen. Ohne Belang sei, ob diese Nahrungs­mittel von einem Arzt verordnet wurden.

Betroffene sollten nicht aufgeben. Der unterlegene Kläger hat beim Bundes­finanzhof gegen das Urteil Revision einge­legt (BFH, AZ. VI R 48/18). Die obersten Finanz­richter werden sich jetzt mit der Frage befassen, ob Ausgaben für eine ärzt­lich verordnete Diät nicht doch als Krank­heits­kosten abzugs­fähig sind.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 29.06.2020 um 10:44 Uhr
Kosten für glutenfreie Diät absetz­en

@alle: Das o.g. Verfahren ist noch am BFH anhängig. Sollte das Urteil zugunsten der Steuerzahlenden ausgehen, haben nur diejenigen einen Chance, vom Ausgang des Urteils zu profitieren, deren Steuerbescheide (ganz oder in dieser Angelegenheit) noch offen ist. (maa)

Denfie am 28.06.2020 um 18:31 Uhr
Fünfköpfige Familie davon haben drei Zöliakie

In unserer Familie gehört es schon zum Alltag, jedoch sind wir immer wieder überrascht wie teuer uns das Essen im allgemeinen kommt. Wir achten nun schon seit über 4 Jahren auf die gesunde und ausgewogene Ernährung unserer Kinder. Dabei können wir Brot nur selber backen, weil alles andere einfach viel zu teuer ist. Meine Tochter fragte mich auch vor kurzem, warum unsere Lebensmittel im Schnitt dreimal so viel kosten als andere Lebensmittel. z.B. Meine Kinder wollten Milchbrötchen haben, glutenfreie gibt es 4 Stück für 2,79 € normale gibt es 12 Stück für 1,49 €. Über die 4 Jahre hinweg haben wir unsere Ausgaben für die Nahrungsmittel im Auge behalten und Vergleiche aufgestellt. Wir haben im Monat pro Person knapp 150 - 200 € mehr Ausgaben, als Familien ohne Zöliakie. Also pro Monat 450 - 600 € zusätzlich nur für die Verpflegung. Im Jahr sind das Mehrkosten von 5.400 - 7.200 €. Davon würden wir auch gerne mal in den Urlaub fahren.
Eine steuerliche Erstattung wäre da schon angebracht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 11.06.2019 um 11:05 Uhr
Assistenzhund + außergewöhnliche Belastung

@maria.meyer: Zu einem Urteil, dass sich mit der Frage, ob eine an Epilepsie erkrankte Schwerbehinderte die gesamten Ausgaben für ihren vier­beinigen Helfer steuermindernd geltend machen kann, haben wir unter dem folgenden Link berichtet: www.test.de/Aussergewoehnliche-Belastungen-Keine-Extrawurst-fuer-Epilepsie-Warnhund-5193116-0
Die Klägerin konnte sich vor dem Finanzgericht Baden Württemberg nicht durchsetzen. (maa)

maria.meyer am 11.06.2019 um 06:45 Uhr
außergewöhnliche Belastung

Hallo, mein Mann ist Erwerbsunfähigkeitsrentner. Ein Hund begleitet ihn nun seit 6 Jahren, ärztlich attestiert. Und es hilft im Alltag. Das Finanzamt hat die Kosten des Hundes mit Attest 2 Jahre ankerannt. ab dem 3. Jahr nicht mehr....§ 33 ESTG. 2-maliger Einspruch, Telefonate. Das Finanzamt schreibt keine weitere Erläuterung und verweist auf den Amtsarzt. Dort angerufen waren diese erstaunt. wollten termin, keine Antwort mehr. wieder Einspruch beim Finanzamt durchgeführt, keine Reaktion. Was tun? obwohl ein aussagefähiges Attest vorliegt von der beh. Therapeutin wird es nicht gewährt und Amtsarzt kennt meinen Mann nicht, soll aber aufgrund eines 30-minütigen Gespräches entscheiden (was für meinen Mann nicht möglich ist Vertrauen zu einem Amtsarzt zu fassen). Wie vorgehen? Vielen Dank.