Immer mehr Studenten zieht es für eine Zeit lang ins ­Ausland: Die Finanzierung eines Studienaufenthalts ist leichter geworden.

Das Studium wird für die deutschen Studenten immer internationaler: 13 Prozent der Studierenden gehen für ein oder mehrere Semester ins Ausland – Tendenz: weiter steigend.

Da die meisten deutschen Studenten Englisch sprechen, liegen ihre Favoriten auf der Hand: 44 Prozent der Studie­renden reisen in die USA oder nach Großbritannien. Auch Kanada, Neuseeland und Australien sind beliebt. Wer sich im Alltag nur schwer verständigen und den Vorlesungen und Seminaren an der Gasthochschule nicht folgen kann, wäre dort allerdings fehl am Platze.

Auslands-Bafög für viele

Noch nie war die Chance so groß, im Ausland zu studieren, ohne den Geldbeutel der Eltern über Gebühr zu belasten: Staatliche Fördermittel, Stipendien und Austauschprogramme helfen den Studierenden, die Reise zur Gasthochschule, den Lebensunterhalt und eventuell anfallende Studiengebühren zu ­bezahlen.

Für einen Studienaufenthalt im Ausland können Studierende zum Beispiel Zuwendungen nach dem Ausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhalten. Wenn sie zwei Semester an einer deutschen Hochschule gefördert worden sind, dür­fen sie ihr Studium an einer Universität ihrer Wahl in der Europäischen Union (EU) fortsetzen. Sie werden dann wie im Inland innerhalb der Regelstudienzeit unterstützt; der Förderhöchstsatz beträgt derzeit 525 Euro im Monat.

Nach der Auslandszuschlagsverordnung bekommen die Studierenden zusätzlich Geld für Studiengebühren (bis zu 4 600 Euro pro Studienjahr), für ­Reisekosten und Lebenshaltung sowie Krankenversicherung. Für einen Aufenthalt im außereuropäischen Ausland lehnt sich die Höhe der zusätzlichen Unterstützung an die Lebenshaltungskosten in den Gastländern an. All diese Zuschläge müssen nach Studienende nicht zurückgezahlt werden.

Da die Bedarfssätze für Studienaufenthalte im Ausland oft großzügiger als bei einem Inlandsstudium bemessen werden, lohnt sich ein Antrag auf Auslands-Bafög in jedem Fall – auch für die Studenten, die in Deutschland nicht förderungsberechtigt sind.

Europaweites Programm

Der Großteil des europäischen Studentenaustauschs läuft über das Erasmus-Programm, das seit 1995 Teil des EU-Bildungsprojekts Sokrates ist. Im Hochschuljahr 2000/2001 verließen 16 000 deutsche Studierende mit Erasmus ihren Campus, um für drei bis zwölf Monate an einer ausländischen Hochschule zu studieren. Das Programm läuft inzwischen in 31 europäischen Ländern.

Um Erasmus-Student zu werden, muss der Bewerber an einer deutschen Universität immatrikuliert sein und mindestens das dritte Fachsemester absolviert haben. Zuständig für die Vergabe der Plätze ist der Erasmus-Beauftragte des jeweiligen Fachbereichs. Das Programm ist dezentral organisiert: Die Zahl der Stipendien ist von den Partnerschaften abhängig, die die Fakultäten der Heimathochschule mit ihren Partneruniversitäten eingegangen sind.

Gute Aussichten für Bewerber

Das Stipendium ist mit Beträgen zwischen 50 und 200 Euro nicht üppig. Allerdings müssen die Stipendiaten im Gastland keine Studiengebühren zahlen. Auch Studierende, die Bafög erhalten, dürfen teilnehmen.

Erasmus soll vor allem die persönliche Entwicklung und die internationale Perspektive der europäischen Studierenden fördern. Bewerber haben gute Aussichten, einen Platz zu bekommen. Das gilt gerade für Studierende, die sich für einen Studienaufenthalt in Osteuropa interessieren – Bewerber für diese Länder sind noch selten.

Nicht ganz so leicht zu bekommen sind die Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes: Für den DAAD zählt allein die fachliche Qua­lifikation der Bewerber. Neben guten Studienleistungen müssen die Stipendiaten die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, an einer inländischen Hochschule eingeschrieben sein und ein abgeschlossenes Grundstudium vor­weisen. Zu den üblichen Bewerbungsunterlagen wie Lebensläufen und Zeugnissen müssen die Bewerber zwei Persönlichkeitsgutachten und einen Studienplan für den Auslandsauf­enthalt einreichen. Hinzu kommt ein Sprachtest. Für englischsprachige Länder ist zum Beispiel der Toefl-Test (Test of English as a foreign language) Pflicht.

Haben die Reisewilligen die bürokratischen Hürden übersprungen, bekommen sie ein Teilstipendium, dessen Höhe sich an den Lebenshaltungskosten im Zielland orientiert. Für einen Aufenthalt in den USA zahlt der DAAD zum Beispiel rund 750 Euro im Monat. Zudem übernimmt die Organisation Studiengebühren, Reise- und Versicherungs­kosten. Den Studienplatz müssen sich die Bewerber im Gegensatz zu den Erasmus-Studenten selbst organisieren.

Internationale Studiengänge

Neben den DAAD-Stipendien und dem Erasmus-Programm gibt es noch weitere Möglichkeiten, um eine Förderung für einen Studienaufenthalt im Ausland zu bekommen. Sie können fachlich oder auf ein bestimmtes Land begrenzt sein. So ist zum Beispiel die Fulbright-Kommission der bekannteste Anbieter von Stipendien für Studien in den USA. Neben der fachlichen Qualifikation müssen Bewerber ein erkennbares Engagement für die deutsch-amerikanischen Beziehungen vorweisen.

Auch Hochschulkooperationen sind eine gute Möglichkeit, für eine Zeit im Ausland zu studieren. Die Hochschulen regeln den Austausch ihrer Studenten untereinander und erlassen sich gegenseitig die Studiengebühren.

Das Modell der Zukunft könnten internationale Studiengänge sein. Bei diesen Studiengängen ist ein Auslandsaufenthalt Bestandteil des Studiums. Da sich solche Programme sowohl an international orientierte deutsche als auch an ausländische Studierende richten, ist oft Englisch die Unterrichtssprache.

Mit diesem Angebot sollen auch internationale Abschlüsse üblicher werden: So können zum Beispiel Studierende an der Universität Freiburg ihren Master in Social Sciences machen. Sie gehen zwischendurch nach New Delhi, Indien, und Durban, Südafrika.

Die Studenten müssen so auch nicht mehr um die Anerkennung ihrer Leistungen fürchten, die sie im Ausland erbracht haben. Das ist in den gewöhnlichen Studiengängen wegen der unterschiedlichen Bildungssysteme der Staaten oft noch ein Problem. Aber auch Studenten, die bereits ein Studium aufgenommen haben, können sich nachträglich den internationalen Programmen anschließen.

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