Auslandsreise-Krankenpolicen sind günstig und viele Versicherer haben ­ihre ­Bedingungen verbessert. Menschen mit Vorerkrankungen können sich aber nicht blindlings auf den Schutz verlassen.

Als Dorothee Schmidt dieses Jahr nach Mittelberg in Österreich aufbrach, war ihre Nebenhöhlenentzündung noch nicht ganz ausgeheilt. „Aber das wird schon“, dachte die Grafikdesignerin aus Berlin. „Der Arzt sah schließlich keine Probleme. Er hatte mir ein Antibiotikum verschrieben“, sagt sie. „Ich bekomme diese Entzündung regelmäßig. Mit dem Medikament ging sie eigentlich immer problemlos weg.“

Diesmal verlief die Entzündung aber nicht so glatt. Nach ein paar Tagen wurden die Schmerzen so schlimm, dass sie in ­Österreich zu einem Arzt gehen musste. Doch ihre Auslandsreise-Krankenversicherung übernahm die Kosten für die Behandlung der Nebenhöhlenentzündung nicht. Schließlich sei die Erkrankung bereits in Deutschland bekannt gewesen, schrieb ihr der ADAC-Auslands-Krankenschutz und verwies auf einen Paragrafen in seinen Bedingungen. Er schließt den Schutz aus, wenn Versicherungsnehmer damit rechnen müssen, dass ihre Beschwerden während der Reise einen Arztbesuch erforderlich machen.

Bei Reiseversicherern hängt es oft von einigen wenigen Worten im Versicherungsvertrag ab, ob sie bei einer Krankheit im Urlaub zahlen oder nicht. Deshalb haben wir geprüft, wie verbraucherfreundlich die Bedingungen der Anbieter sind. Denn sie sind entscheidend dafür, dass der wichtige Schutz für Reisen ins Ausland auch wirklich greift.

Kunden sollten bei der Auswahl des Tarifs nicht nach dem Preis gehen, sondern danach, wie gut dessen Bedingungen sind. Siebenmal haben wir die Note „sehr gut“ für die Bedingungen von Versicherungen für Einzelpersonen vergeben. Das sind drei Tarife mehr als in unserem Test im letzten Jahr. Die drei Aufsteiger sind Barmenia, Huk24 und LVM.

Fünf Familienverträgen konnten wir ein „Sehr gut“ geben (siehe Tabelle). Letztes Jahr bekam nur einer die Bestnote. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für den Auslandskrankenschutz bei Familien bietet Huk24. Der Beitrag für einen Jahresvertrag kostet 14,50 Euro. Ist ein Elternteil ­älter als 70 Jahre, wird allerdings ein Zuschlag von 11 Euro fällig.

Probleme bei Vorerkrankungen

Vor allem bei Vorerkrankungen – wie sie Dorothee Schmidt hatte – kann es zum Streit mit Versicherern kommen. Viele schreiben in den Bedingungen, dass sie nur zahlen, wenn die Krankheit am ­Urlaubsort „akut“, „unvorhergesehen“ oder „unerwartet“ auftritt. Das sind ­Begriffe, mit denen sie sich leicht herausreden können. Denn vor allem bei chronischen Krankheiten heißt es dann schnell, die Krankheit sei nicht unvorhergesehen.

Allerdings kommen sie vor Gericht damit nicht immer durch. So verurteilte das Oberlandesgericht Hamm (Az. 20 U 44/00) einen Versicherer, die Kosten für einen Krankenrücktransport aufgrund extremer Rückenschmerzen zu übernehmen, obwohl der Versicherte vor Antritt der Reise einen Bandscheibenvorfall erlitten hatte. Doch bevor er nach Tunesien aufbrach, waren die akuten Beschwerden abgeklungen. Die Richter argumentierten, dass der Versicherte zwar grundsätzlich mit plötzlichen Rückfällen rechnen müsse, doch wann sie konkret eintreten würden, sei unvorhersehbar. Die Gesellschaft musste zahlen.

Auch das Landgericht Passau (Az. 4 O 119/93) verurteilte einen Versicherer, die stationäre Behandlung eines chronisch Asthmakranken zu übernehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Asthmanotfall auftrete, hätte allenfalls bei 20 Prozent gelegen und sei damit für den Versicherungsnehmer nicht vorhersehbar gewesen.

Allerdings zeigen die Richter nicht immer so viel Verständnis für die erkrankten Reisenden. Wer auf der sicheren Seite sein will, wählt einen Anbieter, der nur dann den Schutz verweigert, wenn die Behandlung vor Reiseantritt im Ausland ausdrücklich geplant oder aufgrund einer ärztlichen Diagnose absehbar war. Alle von uns mit „sehr gut“ bewerteten Tarife erfüllen diese Vorgabe.

Urlauber mit einer Auslandsreise-Krankenversicherung, die dies nicht tut, können sich im Zweifel auch vor Antritt der Reise von einem Arzt bestätigen lassen, dass sie reisefähig sind. Das erleichtert später eine mögliche Auseinandersetzung mit dem Versicherer.

Doch nicht allein eine angemessene ­Behandlung der Vorerkrankungen im ­Paragrafenwerk macht einen guten Vertrag aus. Wichtig ist unter anderem auch, dass der Versicherer einen Rücktransport zahlt, sobald dieser sinnvoll und vertretbar ist, und nicht nur bei medizinischer Notwendigkeit. Für besonders wichtig halten wir auch, dass der Versicherer für den Beginn des Versicherungsschutzes keine Altersbegrenzung festlegt. Außerdem muss er auch bei Verletzungen durch Kriege oder innere Unruhen zahlen, sofern diese nicht bereits vor der Reise ausgebrochen waren.

Empfehlenswerter Schutz

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit sehr guten Bedingungen ist allen gesetzlich Krankenversicherten uneingeschränkt zu empfehlen. Denn außerhalb Europas und in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, wie Ägypten oder Thailand, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse keinerlei Kosten. Aber auch innerhalb Europas bekommen Urlauber Behandlungskosten nicht immer voll erstattet. Einen Krankenrücktransport zahlt die Kasse nie. Und Normalverdiener können mehrere Wochen Krankenhaus oder einen Rücktransport selbst nicht so leicht schultern. So kommen bei einem Aufenthalt in einem US-amerikanischen Krankenhaus schnell 2 000 Euro pro Tag zusammen.

Dorothee Schmidt will auf jeden Fall am Krankenversicherungsschutz für den Auslandsurlaub festhalten. Doch sie überlegt: „Vielleicht wechsle ich zu einer besseren Versicherungsgesellschaft.“

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