Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Ein schwerer Unfall zeigt es: Die paar Euro für eine Auslandsreise-Krankenversicherung müssen sein. Ihren Notrufservice sollten die Versicherer allerdings noch verbessern.

Heidi Niederhausen hatte nicht extra ­eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen, als sie mit ­ihrer Schulklasse nach Spanien fuhr. Warum sollte sie auch? Schließlich war die Fahrt in die Nähe von Barcelona für die Lehrerin für Französisch, Englisch und Deutsch eine Dienstreise.

„Ich dachte, wenn etwas passiert, zahlt entweder mein Dienstherr oder meine private Krankenversicherung“, sagt die 61-jährige Main­zerin. Die Realschullehrerin hat aber nicht damit gerechnet, dass es Monate dauern würde, bis sich das Land Rheinland-Pfalz als Dienstherr der Beamtin für zuständig erklärte und sich ihres Falles ­annahm.

„Ich habe mich selten in meinem Leben so hilflos gefühlt. Ich hatte mir bei einem Sturz beide Beine gebrochen. Die Brüche waren so kompliziert, dass das örtliche Krankenhaus in der Nähe von Barcelona nur erste Notmaßnahmen ergriff und mir riet, mich zurück nach Deutschland fliegen zu lassen.“

Teurer Krankenrücktransport

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Für die Behandlung im spanischen Krankenhaus kam zunächst ihr privater Krankenversicherer auf. „Den 4 000 Euro teuren Rücktransport wollte aber erst einmal keiner zahlen“, erklärt sie. Der Krankenversicherer verwies auf den Dienstherrn, doch der kümmerte sich um gar nichts.

Ans Bett gefesselt, war es für die Patientin schwierig, den notwendigen Rücktransport zu organisieren. „Im Krankenhaus sprach niemand Deutsch, Englisch oder Französisch. Und ein Telefon gab es auch nicht auf dem Zimmer. Ich konnte mich ja nicht bewegen.“

Fünf Tage dauerte es, bis die Lehrerin endlich in die Mainzer Uniklinik gebracht wurde. Es war höchste Zeit. Geklappt hat es nur, weil ihr Mann bereit war, für die Kosten des Rückflugs zu bürgen.

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung hätte ihr viel erspart. Ein Anruf, und der Versicherer regelt den Rückflug und die Kostenübernahme ­direkt mit dem Krankenhaus. Schon für knapp 5 Euro hätte sie den Schutz haben können.

Wir haben die Angebote der Versicherungsgesellschaften geprüft. Welches für einen Kunden geeignet und günstig ist, hängt vom Alter ab und davon, ob er allein oder mit Familie versichert wird. Viel Geld kosten die Angebote alle nicht.

„Ich verreise nicht mehr ohne zusätzliche Versicherung. Das Wichtigste ist doch, dass man weiß, an wen man sich im Notfall wenden kann und dass sich jemand zuständig fühlt“, resümiert Heidi Niederhausen.

Hilfe im Notfall getestet

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Wie gut die Unterstützung im Notfall ist, wollten wir ebenfalls wissen und haben die Hotlines der Auslandsreise-Krankenversicherungen getestet.

Die meisten versprechen Hilfe rund um die Uhr. Nur für den günstigen Tarif ­Delfin Travel der DBV-Winterthur und den Tarif der Düsseldorfer gibt es keinen Notruf, der 24 Stunden besetzt ist.

Finanztest war in Badalona, einem kleinen Ort in der Nähe von Barcelona, und hat die Hotlines nach 22 Uhr ange­rufen. Ein Tester klagte über plötzliche, starke Zahnschmerzen und fragte nach einem Zahnarzt in der Nähe.

Die Ergebnisse des Tests waren durchwachsen, denn fast alle Notrufe schickten den Zahnkranken ins 20 Kilometer entfernte Barcelona, obwohl es eine Klinik im Ort gibt.

Barmenia, Hallesche und LVM ließen sich mit den Informationen bis zum nächsten Tag Zeit. Allerdings bieten Barmenia und Hallesche wie die Pax-Familienfürsorge den nächtlichen Notruf offiziell nur für den Fall eines Krankenrücktransports an.

Mit der Bitte unseres Mitarbeiters nach einem Deutsch oder Englisch sprechenden Zahnarzt waren sämtliche Notrufzentralen überfordert.

Bis auf eine Ausnahme waren aber wenigstens alle genannten Ärzte tatsächlich unter den angegebenen Adressen in Badalona und Barcelona zu finden. Nur von der DBV-Winterthur bekamen wir eine falsche Adresse.

Fast jeder braucht den Zusatzschutz

Die Arztauskünfte waren nicht immer überzeugend. Aber immerhin hat unser Tester alle Versicherer erreicht und alle meldeten sich zurück.

Heidi Niederhausen hätte das völlig ­genügt. Sie wäre froh gewesen, überhaupt einen Ansprechpartner zu haben, der dem Krankenhaus und der Fluggesellschaft eine Kostenübernahmegarantie gibt.

Die Mainzer Lehrerin schaffte es dennoch nach Hause und bekam das Geld mit viel Mühe von ihrem Dienstherrn zurück. Privaturlauber, die gesetzlich krankenversichert sind und keine Auslandsreise-Krankenversicherung haben, hätten den Krankenrücktransport selbst bezahlen müssen. Denn dafür kommt die gesetzliche Krankenkasse nicht auf.

Die Kasse zahlt allenfalls für die Behandlung vor Ort, und das auch nur innerhalb der EU und in Staaten, mit denen ein ­Sozialversicherungsabkommen besteht.

Schon allein wegen des Krankenrücktransports sollten gesetzlich Krankenversicherte also eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen.

Privat Krankenversicherte sollten vor einer Auslandsreise bei ihrer Gesellschaft nachfragen, ob sie einen Rücktransport erstatten würde. Die meisten tun dies, aber nicht alle. Das hat der Fall von Heidi ­Niederhausen gezeigt. „Ich habe inzwischen eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen. Für alle Fälle“, sagt sie.

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