Geht es ein paar Monate auf ­Reisen, muss eine spezielle Krankenversicherung her. Die Preisunterschiede sind riesig. Senioren zahlen oft mehr.

Die USA kennt die 84-jährige Mathel Strasser fast so gut wie ihren Wohnort Ahrensfelde bei Berlin. Seit sie im Renten­alter ist, fliegt Frau Strasser regelmäßig in die Staaten und erkundet im Wohnmobil mit Freunden die Ost- und Westküste.

Ob Florida, Las Vegas oder Grand Canyon Nationalpark: „Am wichtigsten ist mir immer, krankenversichert zu sein. Sonst hätte ich mir die Urlaube in meinem Alter gar nicht mehr zugetraut“, sagt die rüstige Seniorin. Vor jedem Urlaub schließt die gesetzlich Krankenversicherte eine weltweit geltende Auslandsreise-Krankenversicherung für Langzeitreisen ab, in der Regel für die Dauer von 90 Tagen.

Muss sich die 84-Jährige vom Arzt oder im Krankenhaus behandeln lassen, übernimmt der Versicherer die Kosten. „In den USA übersteigen die Kosten bei Krankenhausaufenthalten mit schwereren Erkrankungen nicht selten die 500 000-Euro- Grenze“, sagt Heinz-Gerhard Wilkens, Leiter der Pressestelle der HanseMerkur.

Selbst innerhalb Europas übernehmen die Krankenkassen nicht alle Kosten. Sie kommen zum Beispiel nicht für einen Krankenrücktransport nach Deutschland auf. Solch ein Flug kostet schon von Mallorca nach Hamburg zwischen 9 000 und 12 000 Euro. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung würde die Kosten decken.

Enorme Preisunterschiede

Finanztest hat 36 Angebote für private Langzeitreisen geprüft. Für den Preis sind Reisedauer, Urlaubsziel und Lebensalter wichtig. Die Versicherer verlangen für Reisen von mehreren Monaten leicht ein paar Hundert Euro. Die Preisunterschiede für dieselbe Reise sind oft dreistellig. Urlauber sollten unbedingt Angebote vergleichen. Mathel Strasser kann damit besonders viel Geld sparen. Denn gerade von Senioren verlangen einige Versicherer extra hohe Beiträge. Außerdem sind Reiseversicherungen, die auch für die USA gelten, wegen der hohen Kosten für Gesundheitsleistungen besonders teuer.

Für den dreimonatigen USA-Urlaub muss Strasser bei der HanseMerkur, dem Anbieter mit den besten Vertragsbedingungen im Test, 801 Euro zahlen. Bei der zweitplatzierten Barmenia kommt sie dagegen mit 179 Euro weg und hat immer noch „sehr gute“ Bedingungen.

Jüngere können sich oft deutlich günstiger versichern. Unter 59-Jährige bekommen zum Beispiel schon für 45 Euro ­„guten“ Schutz bei der Victoria.

Senioren zahlen mehr

Testsieger HanseMerkur ist mit 801 Euro für Senioren extrem teuer. Der Versicherer verlangt ab dem 65. Geburtstag für den gleichen Tarif 540 Euro mehr als von Urlaubern bis zum Alter von 64 Jahren.

„Generell ist die Krankheitskostenentwicklung bei Senioren höher als in der Gruppe der Erwerbstätigen“, begründet Heinz-Gerhard Wilkens von der HanseMerkur den höheren Preis. Bei der Altersgrenze hat sich der Versicherer am früheren gesetzlichen Renteneintrittsalter orientiert. „Irgendwo muss die Grenze gezogen werden, um der höheren Schadensentwicklung im Alter zu entsprechen.“

Manche Versicherer bieten Reisenden ab 69, 74 oder 75 Jahren gar keinen Schutz mehr an. Die Central sagt zu ihrem Höchsteintrittsalter von 73 Jahren schlicht: „Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung bei der Tarifkalkulation.“

Dass es anders geht, zeigt die Barmenia. Bei ihr können sich alle – jung oder alt – zum gleichen Preis versichern. 179 Euro kostet der Schutz für drei Monate und 467 Euro für ein halbes Jahr.

Auf das Kleingedruckte achten

Der Preis ist nicht das alleinige Kriterium bei der Auswahl. Das A und O sind die Vertragsbedingungen. Von ihnen hängt ab, ob und wie viel der Versicherer bei Unfall oder Krankheit zahlt.

Manche beschränken zum Beispiel die Nachleistungen, wenn die Behandlung im Ausland länger dauert und der Versicherungsschutz eigentlich schon abgelaufen ist. Und nicht alle Versicherer zahlen, wenn Urlauber auf Reisen in Krieg oder innere Unruhen geraten und verletzt werden.

Die HanseMerkur erfüllt als Einzige alle Bedingungen, die Finanztest als verbraucherfreundlich ansieht. Sie übernimmt die Kosten für einen Krankenrücktransport nicht nur, wenn er medizinisch notwendig ist oder wenn die Krankenhausbehandlung mehr als 14 Tage dauert. Sie bezahlt den Transport sogar, wenn er sinnvoll und vertretbar ist.

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