Junge Leute, die im Ausland reisen und jobben, benötigen den richtigen Krankenversicherungsschutz. Unser Test zeigt: Schon für wenig Geld können sie sich optimal versichern.

Zwei Monate Farmarbeit in Neuseeland, paradiesisches Abtauchen auf den Fidschi-Inseln und zum Schluss mit dem Rucksack quer durch Australien. Für das Auslandspraktikum kombiniert mit einem Urlaub legte Johann Wulf sein Landwirtschaftsstudium in Rendsburg für ein Semester auf Eis. „Alles lief super – doch gegen Ende der Reise erwischte es mich dann“, sagt der heute 26-Jährige.

Die Erkältung, wahrscheinlich auf dem Weg nach Queensland im klimatisierten Bus eingefangen, entwickelte sich zu einer Lungenentzündung. Der Arzt überwies den Patienten in ein Krankenhaus.

Wenigstens musste sich Wulf keine finanziellen Sorgen machen. Vor der selbstorganisierten viermonatigen Reise ans andere Ende der Welt hatte er sich um eine Krankenversicherung fürs Ausland gekümmert. Denn wie jede gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland kommt auch seine Kasse für Behandlungen außerhalb Europas generell nicht auf.

Wulf schloss einen Langzeit-Auslandsreisekrankenschutz beim ADAC ab. Als Mitglied des Automobilclubs konnte er sich dort günstig versichern. 63 Euro kostet der Schutz heute beim ADAC für 90 Tage Reisedauer. Nichtmitglieder zahlen 81 Euro.

Wulf war damit nicht nur im Urlaub abgesichert, sondern auch während des Jobs auf der Farm.

Auch bei Work & Travel versichert

Finanztest hat Reisekrankenversicherungen geprüft, die auch dann Schutz bieten, wenn jemand während des Auslandspraktikums oder beim Gelegenheitsjob einen Unfall hat oder erkrankt. Da das Kleingedruckte das A und O ist, wenn es darum geht, ob und in welchem Umfang der Versicherer leistet, haben wir wieder Testurteile für die Verbraucherfreundlichkeit der Bedingungen vergeben.

Zu den günstigsten unter den „sehr guten“ Tarifen mit weltweitem Schutz zählt die Tarif-Kombi ARJ+ART der LVM. Für 88 Euro sind Abenteuerlustige 90 Tage lang versichert. 528 Euro zahlen sie für ein Jahr. Das Angebot des ADAC ist in unserem Test nur befriedigend.

Sind USA und Kanada als Reiseziele ausgeschlossen, finden Interessenten bei der HanseMerkur sogar schon für 383 Euro ein Jahr lang „sehr guten“ Schutz.

Ein Jahr mit Working-Holiday-Visum

Jobben in der Ferne ist in. Kiwis pflücken in Neuseeland, Gemüse ernten in Tasmanien, Snowboardlehrer in Kanada sein oder Meeresschildkröten in Costa Rica schützen: Viele junge Menschen lernen jährlich Kultur und andere Länder nicht nur als Tourist, sondern per „Work & Travel“ kennen. Wer zwischen 18 und 30 Jahre alt ist, kann für viele Länder außerhalb der Europäischen Union das „Working-Holiday-Visum“ beantragen, mit dem Arbeiten und Reisen bis zu zwölf Monaten erlaubt ist.

Längst nicht alle buchen solch einen Aufenthalt über eine Organisation, die auf Work & Travel-Programme oder Freiwilligenarbeit spezialisiert sind und schließen dort ein Komplettpaket von Flugbuchung über Jobvermittlung bis zur Reiseversicherung ab. Organisieren sie wie Johann Wulf ihre Reise selbst, müssen sie sich vorher um den wichtigen Auslandsreise-Krankenversicherungsschutz kümmern.

Versicherer haben nachgebessert

Erfreulich: Im Vergleich zur letzten Untersuchung haben einige Versicherer Klauseln in ihren Bedingungen verbessert, die wir kritisiert hatten.

So erhielt der Versicherer LVM diesmal ein „Sehr gut“. Vorerkrankungen können nur noch dann zum Ausschluss der Leistung führen, wenn im Ausland eine Behandlung geplant war oder aufgrund ärztlicher Diagnose vor Reiseantritt feststand.

LVM und Huk-Coburg haben ihre Klausel zu Kriegen und inneren Unruhen umformuliert. Nun ist klar, dass der Schutz nur dann gefährdet ist, wenn jemand entgegen einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes in ein Land reist und bei vorhersehbaren Kriegsereignissen verletzt wird.

Etwas nachgearbeitet hat auch die Allianz. Sie verbesserte die Bedingungen für den erleichterten Krankenrücktransport und den Versicherungsschutz im Todesfall.

Mit dem Rücktransport in die Heimat im Krankheitsfall tun sich die Versicherer schwer. Nur HanseMerkur, Deutscher Ring, ADAC und Mondial erhielten bei diesem Prüfpunkt die volle Punktzahl. Sie springen ein, wenn der Rücktransport sinnvoll und vertretbar ist und machen keine weiteren Einschränkungen.

Wulfs einwöchiger Krankenhausaufenthalt kostete rund 4 500 Euro. Abzüglich eines Selbstbehalts von 50 Euro übernahm der Versicherer alle Kosten.

„Eigentlich verlief alles sehr unkompliziert“, findet Wulf. Er legte im Krankenhaus seine Versicherungsnummer vor und die Verwaltung setzte sich direkt mit dem deutschen Versicherer in Verbindung. Seine Ausgaben für die vom Arzt verschriebenen Medikamente erhielt Wulf erstattet.

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