Eine neue Versicherung ist oft besser als eine alte. Im Test von 81 Angeboten liegen Allianz und Würzburger vorn.

Bonbons und Tee halfen nicht. Heftige Hals­schmerzen plagten die 19-jährige Djamilia im Urlaub an der Copacabana: „Ich musste unbe­dingt zum Arzt.“

Die junge Frau aus Bonn erholte sich nach dem Abitur ein paar Wochen in Rio de Janeiro, der zweitgrößten Stadt Brasiliens – und nun das. Der Hals-Nasen-Ohren­arzt stellte eine Mandel­entzündung fest und verlangte gleich rund 100 Euro. In der Apotheke legte Djamilia Prange de Oliveira für die verschriebenen Medikamente etwa 50 Euro auf den Tisch.

„Ich wusste, dass ich in Brasilien mit meiner Krankenkassenkarte nicht weiterkomme und in Vorleistung treten muss“, sagt sie. Die Krankenkasse kommt außer­halb der Europäischen Union und in Ländern, mit denen kein Sozial­versicherungs­abkommen besteht, nie für Behand­lungen und Medikamente auf.

Auch in Europa erstattet sie Behand­lungs­kosten nicht immer voll, zum Beispiel wenn Ärzte Behand­lungen privat abrechnen. Für einen Krankenrück­trans­port nach Deutsch­land zahlt die Kasse nie.

Schutz bei unerwarteter Krankheit

Auf ihren Kosten von rund 150 Euro blieb Djamilia trotzdem nicht sitzen: „Ich hatte ja eine Auslands­reise-Kranken­versicherung.“

Eine unerwartete Krankheit wie bei der 19-Jährigen oder ein Unfall sind typische Fälle, in denen diese Versicherung hilft.

Djamilias Mutter hatte bei der Huk-Coburg einen Jahres­tarif für die Familie abge­schlossen. Bei Neuabschluss kostet der Vertrag zurzeit 21 Euro im Jahr. Kinder sind bis zum Alter von 20 Jahren mitversichert.

Nach ihrem Urlaub reichte die Bonnerin ihre Arzt­belege und Quittungen beim Versicherer ein. „Alles wurde unkompliziert erstattet.“

Familien­tarife unter 20 Euro im Jahr

In unserem Test schneidet der Huk-Coburg-Tarif der Familie Prange de Oliveira gut ab Tabelle - Policen für Familien. Doch es gibt unter den 35 Familien­tarifen Angebote, die leistungs­stärker und güns­tiger sind.

Die sehr guten Tarife von Allianz, Ergo Direkt und Neckermann kosten alle weniger als 20 Euro im Jahr. Beim Testsieger Würzburger zahlen Urlauber 28 Euro (TravelSecure AR ohne Selbst­behalt).

Für Reisen bis zu 56 Tagen

Geprüft haben wir Verträge, die das ganze Jahr gelten und sich auto­matisch verlängern. Kunden können zum Ende des Versicherungs­jahres schriftlich mit einer Frist von einem oder drei Monaten kündigen.

Es kann sich lohnen, den alten Vertrag zu wechseln. Unsere jähr­lichen Tests zeigen, dass neue Tarife oft besser und leistungs­stärker sind als alte. Über die Jahre sind auch unsere Test­kriterien strenger geworden.

Mit einer Jahres­police sind beliebig viele Reisen versichert. Alle sehr guten Angebote für Familien bieten Schutz für Reisen bis zu mindestens 56 Tage Dauer. Viele andere Tarife schützen „nur“ für sechs Wochen.

Zum ersten Mal haben wir bewertet, bis wann Kinder im Familien­tarif mitversichert sind. Mit den sehr guten Angeboten der Würzburger und Barmenia können sie bis einen Tag vor dem 25. Geburts­tag mit oder ohne Eltern verreisen. Andere ziehen die Grenze bei 18 oder 21 Jahren.

Kinder­betreuung inklusive

Auch für Familien mit kleineren Kindern lohnt sich ein Blick in unsere Tabelle. Manche Anbieter über­nehmen „Rooming-in-Kosten“: Dann kann im Notfall eine Begleit­person beim Kind im Kranken­haus bleiben.

Erkranken dagegen die Eltern im Urlaub schwer, ist es gut, wenn die Kinder versorgt sind. Manche Versicherer organisieren eine Notfall­betreuung vor Ort oder bei Bedarf eine begleitete Rück­reise. Sie arbeiten dabei mit eigenen Dienst­leistern zusammen Notruf.

Sehr gute Einzel­police ab 7,50 Euro

Für Djamilia Prange de Oliveira hat sich das Thema Familien­tarif bald erledigt. Ab dem 21. Geburts­tag ist sie über den Tarif ihrer Mutter nicht mehr mitversichert.

Einen neuen und sehr guten Jahres­vertrag kann die Bonnerin jedoch schon für den Preis eines ordentlichen Früh­stücks abschließen. Von 46 Angeboten für Einzel­reisende in unserem Test sind elf sehr gut. Sie kosten zwischen 7,50 und 17 Euro Tabelle - Policen für Einzelpersonen. Den Testsieger von der Allianz, den Tarif R32, könnte Djamilia für 9,80 Euro im Jahr bekommen.

Durch­gefallen ist der Tarif AKV des Versicherers LKH. Das Angebot über­zeugte uns in keinem Prüf­punkt. Ein Toptarif aus dem vergangenen Jahr, von der DFV, rutschte auf befriedigend ab. Der Versicherer hat Leistungen gestrichen. Für Kunden mit älteren DFV-Verträgen wirkt sich das aber nicht aus.

Bei Unruhen oder Bürgerkrieg

Wichtig ist, dass der Schutz auch nach Verletzungen bei plötzlichen Unruhen oder Bürgerkrieg im Ausland gilt. Manche Versicherer wie die DFV, Gothaer oder Signal Iduna regeln das nicht klar.

Alle sehr guten Tarife bieten dann Schutz, wenn es nicht schon bei der Einreise in das Land eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gab. Das ist klar nach­voll­zieh­bar.

70 000 Euro für einen Ambulanz­flug

Längere Klinik­aufenthalte, vor allem in Nord­amerika, oder ein Rück­flug nach Deutsch­land mit medizi­nischer Begleitung gehören zu den teuersten Leistungen, für die ein Versicherer im Notfall aufkommt.

Ein Ambulanz­flug von Südamerika nach Deutsch­land kann schon mal 70 000 Euro kosten, ein Flug aus der Südtürkei um die 17 000 Euro. Zahlt der Versicherer bereits dann, wenn ein Krankenrück­trans­port „medizi­nisch sinn­voll und vertret­bar“ ist? Lautet die Antwort Ja, haben wir für diesen Prüf­punkt die höchste Punkt­zahl vergeben.

Manche Versicherer fordern dagegen, dass der Rück­trans­port „medizi­nisch notwendig“ ist oder springen erst ein, wenn ein Patient länger als 14 Tage im Kranken­haus liegen muss. Das gab Punkt­abzug.

Auch für Privatversicherte sinn­voll

Eine Auslands­reise-Kranken­versicherung kann auch für privat Kranken­versicherte sinn­voll sein. Auch sie sollten prüfen, ob ihr Schutz ausreicht.

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