Viele Versicherer haben ihre Tarife verbessert. Neuer Testsieger ist die Allianz.

Der erste Telefon­anruf sorgte für einen Schreck, erinnert sich Frau C. Ein Arzt aus Österreich rief an, um ihr mitzuteilen, dass ihre Tochter Saskia im Kranken­haus liege. Sie war beim Snowboarden in Österreich gestürzt und musste mit dem Hubschrauber abtrans­portiert werden.

„Als ich hörte, dass sie mit dem Hubschrauber geflogen werden musste, war ich sehr beunruhigt. Erst nach dem Gespräch mit ihr war ich erleichtert, weil ich wusste, dass sie am nächsten Tag das Kranken­haus verlassen durfte“, erzählt die Mutter.

Saskia hatte sich das Ellenbogengelenk ausgekugelt – eine schmerzhafte, aber häufige Sport­verletzung. Sie bekam einen Gips und musste vor Ort nichts bezahlen.

Schutz für die Familie

Saskias Mutter hatte für ihre Familie eine Auslands­reise-Kranken­versicherung bei der Debeka abge­schlossen. Sie zahlt für die Einzel­police 6 Euro im Jahr und 2,50 Euro für jedes Kind. So kommt sie jähr­lich auf 11 Euro.

„Für mich als allein­erziehende Mutter ist das ein lohnender Vertrag“, sagt Frau C. Mit dieser Police sind alle Reisen bis zu 70 Tagen abge­sichert.

Mit einem Anruf bei der Debeka war alles erledigt: Um die Frage, was die Krankenkasse und was die private Zusatz­versicherung über­nimmt, musste sich Saskias Mutter nicht kümmern. Die 3 800 Euro für den Hubschrauber­trans­port zahlte in diesem Fall die Schüler­unfall­versicherung. „Aber auch hier sicherte mir die Debeka zu, im Zweifels­fall den Betrag zu über­nehmen“, sagt die Mutter.

Gelassen reisen

Was die Auslands­reisen-Kranken­versicherung zahlt und was nicht.

Schnell können bei Erkrankungen oder Unfällen im Ausland die Kosten in die Höhe steigen. Wer keine Auslands­reise-Kranken­versicherung hat, kann leicht auf den Rechnungen sitzenbleiben. Denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen inner­halb der EU nur einen Teil und bei Reisen in ferneren Ländern häufig nichts. Diese Police ist ein Muss für jeden Reisenden – egal ob Strand­urlauber oder Profiwanderer. Unser Test zeigt: Eine gute Versicherung kostet nicht viel und es gibt viele sehr gute Angebote.

Neue Testsieger

Insgesamt haben 14 von 40 Angeboten mit dem Qualitäts­urteil sehr gut abge­schnitten. Testsieger ist die Allianz. Sie hat im Vergleich zum Test im letzten Jahr deutlich aufgeholt und ihre Leistungen nachgebessert, beispiels­weise beim Krankenrück­trans­port. Einen Rück­trans­port über­nimmt die Allianz ab diesem Jahr bereits, wenn er medizi­nisch sinn­voll und vertret­bar ist und nicht nur, wenn er medizi­nisch notwendig ist. Außerdem bezahlt sie Behand­lungen für psychische Erkrankungen und kommt für medizi­nisch notwendige Hilfs­mittel auf.

Einzel­personen können sich hier bereits für 9,80 Euro im Jahr versichern, eine Familie findet für 19,60 Euro sehr guten Schutz. Die maximale Dauer pro Reise beträgt 56 Tage. Damit sind beliebig viele Reisen, die jeweils maximal 56 Tage am Stück dauern können, versichert (siehe Tabelle).

Die Universa sorgte beim Test für Über­raschungen. Vergangenes Jahr bekam sie als einzige Versicherung das Qualitäts­urteil mangelhaft. Dieses Jahr liegt sie mit einem Sehr gut auf dem zweiten Platz und hat damit deutlich aufgeholt: Die Universa schließt nun nicht mehr grund­sätzlich Krankheiten und Unfälle aus, die in den letzten sechs Wochen vor Vertrags­abschluss behandelt wurden. Außerdem zahlt sie für einen provisorischen Zahn­ersatz und für medizi­nisch notwendige Hilfs­mittel.

Dritt­bester Anbieter im Test ist Ergo Direkt gemein­sam mit HanseMerkur/DAK und Neckermann. Nicht testen konnten wir die Tarife des ADAC, sie werden gerade über­arbeitet.

Beiträge gestiegen

Einige Anbieter haben nicht nur die Leistungen verbessert, sondern auch die Preise ange­hoben. Bei der Universa betrug im Vorjahr der Grund­beitrag bei einem Neuvertrag für Einzel­personen 7,92 Euro, dieses Jahr wurde er auf 12,84 Euro ange­hoben. Auch bei den Alters­zuschlägen hat die Universa aufgestockt. Beim Testsieger, der Allianz, und einem der Dritt­platzierten, der HanseMerkur/DAK, gab es ebenfalls Preis­erhöhungen.

Für ältere Menschen kann es manchmal schwierig sein, einen umfassenden und preis­werten Schutz im Ausland zu erhalten. In den meisten Fällen wird es für sie teurer, denn fast alle Versicherer haben Alters­zuschläge für Senioren. Trotzdem gibt es noch sehr gute und preis­werte Angebote für Personen ab 70, beispiels­weise von Inter, LVM/hkk und Arag (siehe Tabelle).

Kasse zahlt nicht in den USA

Mit dem Abschluss einer Auslands­reise-Kranken­versicherung müssen sich Urlauber keine Gedanken darüber machen, ob sie inner­halb der EU reisen oder ihren Urlaub in Übersee verbringen. Anders sieht es aus, wenn sie ohne Auslands­reise-Kranken­versicherung reisen.

Für Urlaubs­ziele wie die USA, Thai­land oder Australien über­nimmt die gesetzliche Kasse gar keine Kosten, wenn Urlauber dort erkranken. Gerade in den USA können Kranken­hausbe­hand­lungen sehr teuer werden. Eine Auslands­reise-Kranken­versicherung ist in diesen Ländern also unver­zicht­bar.

Inner­halb der Europäischen Union haben gesetzlich Versicherte einen gewissen, aber lückenhaften Schutz. Dasselbe gilt für Länder, mit denen Deutsch­land ein Sozial­versicherungs­abkommen hat. Dazu zählen die Schweiz, Tunesien, die Türkei, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Wichtig: Für Reisen nach Bosnien-Herzegowina, in die Türkei oder Tunesien müssen Reisende bei ihrer Kasse zusätzlich einen interna­tionalen Urlaubs­kranken­schein beantragen, hier reicht die Europäische Kranken­versicherungs­karte nicht aus.

Krankenrück­trans­port

Die größte Lücke bei der gesetzlichen Kasse: Sie kommt grund­sätzlich nicht für einen Krankenrück­trans­port auf, auch wenn dieser notwendig ist. Anders ist das bei der Auslands­reise-Kranken­versicherung: Unsere sehr guten Tarife bis auf die LVM* zahlen einen Krankenrück­trans­port nicht nur, wenn dieser medizi­nisch ange­ordnet wurde. Sie über­nehmen den Rück­trans­port auch, wenn er medizi­nisch sinn­voll und vertret­bar ist. Mit einer Auslands­reise-Kranken­versicherung sind Reisende daher auf der sicheren Seite. Der Patient sollte mit seinem Versicherer über die Kosten­über­nahme und die Organisation des Rück­trans­portes sprechen und den Trans­port nicht selber organisieren. Für alle Versicherer ist es Stan­dard, einen medizi­nisch notwendigen Krankenrück­trans­port zu über­nehmen. Das gilt auch für die Rettungs­kosten im Reise­land, inklusive des Trans­ports ins Kranken­haus.

Manche Versicherer zahlen auch für eine Bergung oder für Such­dienste. Das kann für Skifahrer oder Wanderer sinn­voll sein, da diese Dienste schnell mehrere tausend Euro kosten und die gesetzliche Krankenkasse nicht in jedem Fall im vollen Umfang leistet. Gut aufgehoben sind Berg­lieb­haber bei der Würzburger und bei HanseMerkur/DAK.

Chro­nisch Kranke

Eine Auslands­reise-Kranken­versicherung zahlt nur für Notfälle, das ist ein Problem für chro­nisch Kranke. Vorhersehbare Behand­lungen über­nehmen die Versicherer nicht. Allerdings springt hier die gesetzliche Kasse ein, wenn chro­nisch kranke Menschen dieser vor ihrer Reise nach­weisen können, dass sie von privaten Zusatz­versicherern abge­lehnt wurden. Unter www.test.de/chronisch-auslandsreise gibt es dazu mehr Informationen und Tipps.

Privatversicherte

Auch für Privatversicherte lohnt sich eine Auslands­reise-Kranken­versicherung, denn nicht jede Police bietet den vollen Schutz im Ausland. Meist ist der Versicherungs­schutz in der privaten Kranken­versicherung für Reisen im Ausland auf ein bis drei Monate begrenzt. „Wer in die USA zum Skifahren reist und nicht länger als vier Wochen bleibt, der ist dort auch abge­sichert, sofern das im Vertrag seiner Police so steht“, erklärt Stephan Caspary vom Verband der privaten Kranken­versicherer. Privatversicherte sollten sich hier genau bei ihrem Versicherer erkundigen. Den Abschluss einer Auslands­reise-Kranken­versicherung empfiehlt der Verband allen Privatversicherten, deren Kranken­versicherung keinen umfang­reichen Rund­umschutz im Ausland bietet.

Zufriedene Kunden

Ob privat oder gesetzlich versichert: Vergangenes Jahr hat die Stiftung Warentest rund 600 Menschen befragt, die bereits über eine Auslands­reise-Kranken­versicherung verfügen. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage zeigt: Über 70 Prozent der Teilnehmer waren „sehr zufrieden“ mit ihrem privaten Zusatz­versicherer. Häufig erfolgte die Abwick­lung in einem Schadens­fall schnell und unkompliziert. Mehr dazu unter: www.test.de/umfrage-auslandsreise.

Auch Frau C. war mit ihrem Versicherer zufrieden. Sie musste sich keine Sorgen machen und wusste, dass dieser anfallende Kosten über­nimmt. Ihre Tochter konnte nach einer Nacht im Kranken­haus mit der Schulklasse nach­hause fahren.

(* „bis auf die LVM“ geändert am 21.05.2013)

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