Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Kassenpatienten ist eine private Auslandsreise-Krankenversicherung dringend zu empfehlen. Sie kostet auch nicht viel.

Den Autounfall vor drei Jahren in Spanien hätte Anouk Meiser fast nicht überlebt. Nach mehreren Notoperationen in der Uniklinik in Alicante hatte die Deutsche Rettungsflugwacht die 22-jährige Diplomkauffrau damals per Learjet und Helikopter in eine Spezialklinik für Unfallchirurgie nach Duisburg geflogen.

Rund 12 000 Euro kostet ein solcher Transport nach Angaben der Rettungsflugwacht. Anders als die Kosten für die Behandlung vor Ort übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für einen Rücktransport aber nicht.

„Wir wollten alles für unsere Tochter tun und hielten den Transport in ein deutsches Spezialkrankenhaus für absolut notwendig. Zahlen mussten wir den allerdings selbst“, erklärt der Vater von Anouk, der Fernsehmoderator Hans Meiser. „Seither ist die ganze Familie auf Urlaubsreisen zusätzlich versichert.“

Mit 5 Euro dabei

Meisers konnten sich den Rücktransport wenigstens leisten, auch wenn er teuer war. Doch wer ihn im Notfall gar nicht selbst zahlen kann, hat kaum eine Chance, sich nach einem schweren Unfall in Deutschland behandeln zu lassen.

„Bei akuter Katastrophenhilfe oder in seltenen Ausnahmen fliegen wir auch schon mal ohne Bezahlung. Wir können aber nicht jedem helfen, der unsere Hilfe nötig hat. Schließlich müssen wir uns irgendwie finanzieren“, erklärt Pet-ra Hentschel, die Pressesprecherin der Deutschen Rettungsflugwacht.

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung sollten alle gesetzlich Versicherten abschließen. Jahresverträge gibt es schon für 5 Euro.

Vor allem in Ländern mit schlechten Gesundheitssystemen ist es wichtig, notfalls zurück nach Deutschland zu kommen. Auch privat Krankenversicherte sollten vor einer Auslandsreise überprüfen, ob ihre Versicherung den Rücktransport übernimmt. Die meisten tun das. Aber nicht alle.

Auch mit einer Auslandsreise-Krankenversicherung kann der Versicherte allerdings nicht selbst entscheiden, ob er im Urlaubsland oder zu Hause versorgt wird. Die meisten Unternehmen zahlen nur, wenn der Rücktransport medizinisch notwendig und vom behandelnden Arzt im Ausland angeordnet wurde.

Nur sechs Gesellschaften bezahlen den Transport auch dann, wenn er nach Ansicht des Arztes aus anderen, etwa aus sozialen Gründen sinnvoll ist. Für ältere Menschen oder Alleinreisende kann es sehr belastend sein, wenn sie schwer krank sind und in einem fremden Land versorgt werden müssen, dessen Sprache sie vielleicht nicht sprechen.

Die sechs Versicherer sind ADAC, Elvia, Europäische Reise, Huk-Coburg, HanseMerkur und KarstadtQuelle. Elvia, HanseMerkur und ­KarstadtQuelle­­­­­ bieten diese Transportregelung aber nur bei Verträgen für eine einzelne Reise, nicht bei Jahresverträgen.

Auch innerhalb der EU sinnvoll

Für die zusätzliche private Absicherung sprechen nicht nur das Risiko eines teuren Rücktransports und der günstige Preis. Reisende können mit der Versicherung auch hohe Kosten für eine Behandlung am Urlaubsort abdecken.

Zwar stehen deutschen Kassenpatienten in Europa und in einigen anderen Ländern wie Tunesien und Marokko Leistungen zu. Die sind teilweise aber viel geringer als in Deutschland.

In vielen anderen Ländern übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen überhaupt keine Kosten. Und wer in den USA ins Krankenhaus kommt, kann innerhalb weniger Tage arm werden. Ein einziger Tag im Krankenhaus kostet schnell 2 000 Euro

„Selbst bei Reisen innerhalb der EU empfehlen wir deshalb den Abschluss einer Auslandsreise-Krankenversicherung“, sagt Jens Reinders von der Deutschen Verbindungstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) der gesetzlichen Krankenkassen. „Neben dem ­Risiko des Rücktransports können in ­einem anderen Land auch höhere Eigenbeteiligungen anfallen, zum Beispiel in Frankreich und in der Schweiz.“

Neben dem Krankenrücktransport kommt die Reisekrankenversicherung weltweit für ambulante und stationäre Behandlungen, für Medikamente und für die Überführung im Todesfall auf. Der Versicherte hat freie Arztwahl und kann sich auch das Krankenhaus im Ausland frei aussuchen.

Diskriminierung alter Menschen

Doch nicht alle Unternehmen verkaufen jedem eine Versicherung, der sie haben will: 29 der 40 Anbieter in unserem Test haben Altershöchstgrenzen. Mit Personen, die diese Grenze – meist 69 Jahre – überschritten haben, schließen sie keine Neuverträge mehr ab.

Besonders krass verfährt die DBV-Winterthur (Tarif RKJ), bei der schon 55-Jährige für einen Abschluss nicht mehr infrage kommen. Viele Versicherer schmeißen sogar Altkunden raus, wenn sie das Höchsteintrittsalter erreicht haben. Unternehmen, die auf ­Altersgrenzen verzichten, finden Sie in den Tabellen.

Alte Menschen sind nicht die einzigen, die bei bestimmten Gesellschaften Probleme bekommen. Es gibt immer noch acht Versicherer, die Ausländer diskriminieren.

Menschen, die zwar ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben, aber noch die Staatsangehörigkeit eines Landes außerhalb der Europäischen Union besitzen, haben es bei ihnen schwer. Denn diese Versicherer gewähren ihnen keinen Versicherungsschutz für Reisen in ihr Heimatland.

Im Jahr 2000 hat der Bundesgerichtshof diese Klausel für unwirksam erklärt (Az. IV ZR 235/99). Wer deswegen seinen Versicherer verklagen will, wird sicher Erfolg haben.

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