Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Fast die Hälfte der untersuchten Tarife bietet „sehr gute“ Vertragsbedingungen. Ihren telefonischen Notdienst müssen mehrere Anbieter allerdings stark verbessern.

Alle, die vor ihrem Sommerurlaub noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen, haben beste Chancen auf einen Tarif mit „sehr guten“ Vertragsbedingungen: In unserer aktuellen Untersuchung konnten wir für die Bedingungen von 20 der 43 untersuchten Angebote ein „Sehr gut“ vergeben. Kein Tarif schnitt schlechter als „befriedigend“ ab.

Das Ergebnis zeigt, dass die Versicherer in den letzten Jahren ihre Bedingungen verbessert haben. Nur ein Beispiel: Wenn der Patient monatelang nicht transportfähig ist, zahlen viele Gesellschaften jetzt, bis er wieder nachhause kann. Früher musste der Rücktransport innerhalb von drei Monaten erfolgen.

Im Test waren die gängigen Jahresverträge für Urlauber. Die meisten verlängern sich automatisch, wenn sie nicht gekündigt werden. Viele Kunden haben deshalb noch einen Vertrag aus früheren Jahren. Weil die Verträge seither besser geworden sind, lohnt sich oft ein Wechsel.

Die Kündigungsfrist beträgt bei den meisten Versicherern drei Monate. Gilt die Frist zum Jahresende, ist der Anbieterwechsel für diesen Sommer nicht mehr möglich. Je nach Tarif kann aber auch das Datum des Vertragsabschlusses entscheidend sein: Wer Mitte August 2007 den Vertrag unterzeichnet hat, kann bis Mitte Mai reagieren.

Schutz für unter 10 Euro im Jahr

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Den privaten Krankenversicherungsschutz für das Ausland bekommt ein Erwachsener für unter 10 Euro im Jahr.

Das günstigste Angebot, das all unsere Kriterien erfüllt, finden Einzelpersonen bei der Debeka. Hier kostet der Schutz altersunabhängig 6 Euro. Den günstigsten Familientarif unter den Besten bietet die Huk-Coburg mit einem Jahresbeitrag von 19,50 Euro für Versicherte bis 69 Jahre.

Es gibt weitere Angebote im Test, die ähnlich günstig sind. Manche stehen allerdings nur Mitgliedern bestimmter gesetzlicher Krankenkassen offen, mit denen private Versicherer zusammenarbeiten.

Ältere Reisende müssen damit rechnen, dass sie mehr zahlen müssen als Jüngere. Warum einzelne Versicherer Senioren als Neukunden ablehnen, obwohl Altersdiskriminierung heute verboten ist, hat sich uns nicht erschlossen.

Vertrag muss sein

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Allen Reisenden, die in Deutschland in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung unbedingt zu empfehlen: Außerhalb Europas und in Ländern, mit  denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat wie Ägypten oder Thailand, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse keine Behandlungskosten.

Auch innerhalb Europas werden Behandlungskosten nicht immer voll erstattet. Für einen Krankenrücktransport nach Deutschland zahlt die Krankenkasse nie.

Die privaten Versicherer kommen für den Rücktransport auf, aber nicht immer, wenn sich der Patient das wünscht. Wann eine Gesellschaft zahlt, hängt von den Formulierungen im Vertrag ab.

Versicherer wie der Deutsche Ring kommen für den Rücktransport auf, sobald er sinnvoll oder vertretbar ist. Andere Anbieter wie die Allianz zahlen dagegen erst, wenn der Rücktransport in die Heimat aus medizinischen Gründen notwendig ist.

Dann hat es der Patient viel schwerer, möglichst schnell nachhause zu kommen. Eine solche Vertragsklausel haben wir deshalb schlechter bewertet.

Kaum Nothilfe

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Unauffindbar war für mehrere Notdienste das nahe „Centro Medico“ in Orotina. Sie schickten die Costa-Rica-Reisenden drei Stunden weit nach San José.

Entscheidend für die Qualität einer Auslandsreise-Krankenversicherung sind die Vertragsbedingungen. Schön wäre auch noch ein guter Service, wenn ein kranker Kunde anruft und um Hilfe bittet. Immerhin werben mehrere Reise-Krankenversicherer damit, dass Urlauber täglich rund um die Uhr Unterstützung erhalten, etwa bei der Suche nach Ärzten vor Ort.

Leider war der Notdienst der meisten Versicherer keine echte Hilfe. Testpersonen haben für uns aus Costa Rica die Notdienste angerufen und erhebliche Schwächen festgestellt: Die Ansprechpartner an den Hotlines waren zum Teil völlig überfordert. Das gilt auch für Anbieter mit sehr guten Vertragsbedingungen.

Nur drei Notdienste halfen unseren Testern wirklich gut bei der Suche nach einem Arzt in der Nähe: das waren der ADAC Ambulance Service, der Notdienst der R+V-Versicherung und der Örag-Service, der für die UKV und die Würzburger arbeitet.

In allen drei Fällen nannten die Mitarbeiter eine Klinik, die unsere Urlauber in etwa einer Stunde mit dem Mietwagen erreichen konnten. Unsere Tester hatten am Telefon erklärt, dass sie sich in der Nähe des Ortes Santa Rita bei einer Wanderung den Fuß verletzt haben. Aufgrund der Zeitverschiebung gingen die Anrufe in Deutschland etwa zwischen 20 Uhr und 1 Uhr nachts ein.

Andere Notrufdienste konnten zwar auch Krankenhäuser nennen, diese waren erheblich weiter entfernt. Sie verwiesen die Anrufer meist an Kliniken in Costa Ricas Hauptstadt San José. Die Fahrt dorthin hätte gut drei Stunden und damit deutlich länger als nötig gedauert.

Insgesamt haben die Urlauber 19 Notrufdienste überprüft, darunter externe Dienstleister, die für mehrere Versicherer arbeiten. Denn nur ein Teil der Auslandsreise-Krankenversicherer unterhält diesen Service mit einer eigenen Abteilung.

Kunde häufig alleingelassen

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Mehrere Versicherer oder ihre Partner halfen unseren Testern gar nicht: Eine Mitarbeiterin des Axa-Notdienstes erklärte, sie könne nicht helfen, da keine Liste von Ärzten in Costa Rica vorhanden sei. Erfolglos war auch der Anruf bei der Barmenia: Man müsse erst selbst recherchieren. Nachts um 1 Uhr sei das ein Problem. Die Servicemitarbeiterin des LVM konnte ebenfalls nicht auf Anhieb helfen. Der erhoffte Rückruf blieb aus.

Auch beim Notdienst der Allianz, die mit Mondial Assistance zusammenarbeitet, und bei der Gothaer Versicherung – Partner ist Roland Assistance – erhielt unser Tester nicht die gewünschte Information: Wer in abgelegene Gebiete reise, müsse damit rechnen, dass kein Arzt in der Nähe sei, erklärte die Ansprechpartnerin für die Gothaer.

Von der Central-Versicherung, die mit Europ-Assistance zusammenarbeitet, bekam unsere Anruferin den Tipp, sich Hotels zu suchen, da diese Ärzte haben müssten. Der Anruf bei der Münchener Verein brachte den Rat, Einheimische zu fragen.

Bei der DEVK erfuhren unsere Tester, dass die zuständige Kollegin am nächsten Morgen wieder zu erreichen sei. Immerhin erhielten sie die Telefonnummer des Ambulanzflugdienstes Augsburg, mit dem der Versicherer zusammenarbeitet. Die Mitarbeiter dort nannten eine Klinik, die nicht so weit entfernt war wie San José. Die nächste Klinik war aber auch dies nicht.

Ähnlich wie vor zwei Jahren

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Nur mit Handy. Ohne Telefon wären unsere Tester auf einsamen Wanderungen in Costa Rica im Ernstfall hilflos gewesen.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Versicherer und ihre Partner bei den Notrufdiensten noch viel zu verbessern haben. Gerade für Urlauber, die auf eigene Faust ohne Reiseleiter unterwegs sind, hätten wir uns oft deutlich mehr Unterstützung gewünscht. Die drei erfolgreichen Anrufe zeigen, dass wir trotz des exotischen Reiselandes und der Zeitverschiebung nichts Unmögliches verlangt haben.

Schon bei unserem ersten Test vor zwei Jahren – damals hatten wir aus der Türkei angerufen – waren viele Hotlines überfordert (siehe Test Auslandsreise-Krankenversicherung aus Finanztest 06/2006). Die „Checkliste“ nennt daher einige zusätzliche Informationsquellen, damit Urlauber im Ernstfall bei der Arztsuche nicht allein auf die Informationen des Reiseversicherers angewiesen sind.

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