Interview: „Im Notfall so früh wie möglich melden“

Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Ein Krankenrücktransport kann schnell mehrere Zehntausend Euro kosten. Ehe der Reiseversicherer dafür aufkommt, muss der Urlauber im Ausland zum Arzt, erklärt Angelika Ramisch, Teamleiterin in der Koordination der Auslandsnotrufe beim ADAC.

Finanztest: Was sind die größten Sorgen der Urlauber, die im Ausland krank werden oder sich verletzen?

Ramisch: Viele wollen einfach so schnell wie möglich nachhause: Sie wünschen sich die Sicherheit einer Behandlung in einem deutschen Krankenhaus. Doch so schnell geht das nicht. Wir können aus Deutschland keine Ferndiagnose stellen, sodass die erkrankten Urlauber in jedem Fall vor Ort einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen müssen, auch wenn sie das lieber vermeiden wollen.

Finanztest: Ist die Sorge vor falscher ­Behandlung im Ausland berechtigt?

Ramisch: Es gibt viele gute Kliniken, doch es gibt auch die schwarzen Schafe, die mit der Erkrankung von Urlaubern Geschäfte machen wollen. Aber wir kennen viele Anbieter vor Ort und können ihnen auf die Schliche kommen. Wir werden natürlich hellhörig, wenn für jemanden, der etwas Falsches gegessen hat und einfache Magen- und Darmprobleme hat, ein zweitägiger stationärer Aufenthalt für 5 000 Euro vorgesehen ist. Dann müssen wir gegensteuern, sodass der Patient in dieser Klinik oder woanders die Behandlung erhält, die notwendig ist.

Finanztest: Welche Soforthilfe ist von Deutschland aus noch möglich?

Ramisch: Wichtig ist, dass die Reisenden und ihre Angehörigen das Gefühl haben, dass jemand da ist, der sie an die Hand nimmt: der ihnen möglichst genau sagt, wie es weitergeht, wie die Behandlung aussieht und wann es womöglich einen Rücktransport gibt. Wenn beispielsweise ein älterer Urlauber eine Kreuzfahrt abbrechen muss und mit seiner Frau plötzlich allein ohne Reiseleitung in einem fremden Land festsitzt, ist der Kontakt besonders wichtig - auch wenn er nur telefonisch möglich ist.

Finanztest: Was können Urlauber selbst tun, um bei Krankheit das Beste aus der Situation zu machen?

Ramisch: Hilfreich ist es, wenn sie sich vor einer Reise schon selbst informiert haben: Wo finde ich Kliniken und Ärzte, an die ich mich im Ernstfall wenden kann? Und wenn es tatsächlich einen Notfall gibt, sollten sie möglichst früh den Versicherer informieren.

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