Urlaubskasse: Mit Bargeld und Plastik

Finanztest Leser haben nach unserem Aufruf von ihren Erlebnissen mit ­Geldautomaten, Kreditkarten und Wechselstuben berichtet. Sie stellten fest: Etwas Bargeld und zwei Plastikkarten sollten auf Reisen immer dabei sein.

Benno Schmidt-Küntzel stand in Tunesien und kam nicht an Bargeld. Der Geldautomat auf dem Flughafen in Tunis funktionierte nicht. Dieses Erlebnis bestätigt unsere Faustregel. Reisende sollten sich im Ausland nie auf nur ein Zahlungsmittel verlassen.

In die Reisekasse gehören drei Dinge: Eine kleine Summe Bargeld in der Währung des Urlaubslands, eine Maestro-Karte (frühere ec-Karte) oder wahlweise die Postbank Sparcard und eine Kreditkarte. Reiseschecks können bei sehr sicherheitsbewussten Reisenden die Urlaubskasse ergänzen.

Benno Schmidt-Küntzel ist einer von rund 70 Finanztest-Lesern, die auf unseren Aufruf nach der Sommersaison im vergangenen Jahr reagiert und uns ihre Erfahrungen mit ihrer Urlaubskasse geschildert haben.

Geldautomaten suchen

Benno Schmidt-Küntzel hatte sich auf seine Postbank Sparcard verlassen und wollte gleich nach der Ankunft am Urlaubsort damit am Automaten Bargeld ziehen.

Mit der Postbank Sparcard können Kunden bis zu viermal im Jahr kostenlos Bargeld an ausländischen Automaten mit dem blauen Plus-Symbol abheben. Erst jede weitere Abhebung kostet pauschal 5,50 Euro.

Familie Schmidt-Küntzel hatte sich die Standorte der Plus Geldautomaten in der näheren Umgebung des Urlaubsorts aus dem Internet ausgedruckt. Aber schon am Flughafen in Tunis nutzte ihnen diese Liste nichts. Der Taxifahrer, der sie abholte, fuhr die Familie zwar noch an einen weiteren Automaten, aber auch der spuckte kein Bargeld aus. „Schließlich mussten wir an der Hotelrezeption teuer Geld tauschen.“

Ähnliche Erfahrungen machte der Bonner Wolfgang Strobel. Drei von vier Geldautomaten, die Visa im Internet für die nähere Umgebung seines französischen Urlaubsorts angegeben hatte, gab es gar nicht. „Außerdem nutzt eine Liste der Geldautomaten nicht viel, wenn häufig nur die Bank, aber keine genaue Adresse angegeben ist.“ Ein Notgroschen in bar muss also mit, für Reisen außerhalb des Euro-Raums am besten in der Währung des Reiselands.

Touristen, die ihre gesamte Reisekasse in bar mitnehmen, sollten den größten Teil normalerweise erst im Urlaubsland tauschen. In Deutschland tauschen ist nur ratsam, wenn das Ziel ein Hartwährungsland ist wie Kanada, Großbritannien oder Norwegen. Für welche anderen Reiseländer diese Regel gilt, steht in der Übersicht 'Bargeld, Reiseschecks...'.

Bargeld mit der Maestro-Karte

Doch nur mit Bargeld zu reisen ist un­sicher. Besser ist es, sich genau wie in Deutschland Bargeld am Automaten im Reiseland zu holen. Viele nutzen dafür die Maestro-Karte (frühere ec-Karte). Mit der Maestro-Karte können Urlauber mittlerweile weltweit an über 800 000 Automaten Geld abheben. Wenn mal einer nicht funktioniert, wird sich also meist ein zweiter finden.

Auch für die USA eignet sich die Maestro-Karte. „Allerdings habe ich zunächst vergeblich nach dem ec-Zeichen gesucht“, schrieb Frieder Schilling. „In den USA muss man auf das Cirrus-Zeichen achten, wenn man seine ec-Karte einsetzen will.“

Welche Gebühren am Automaten fällig werden, zeigt die Tabelle 'Plastikkarten und Reiseschecks...'.

Günstiger als mit der Maestro-Karte kommen Urlauber mit der Postbank Sparcard an Bargeld, die auch Benno Schmidt-Küntzel in Tunesien dabei hatte. Die meisten ­Leser haben mit dieser besonderen Plastikkarte bessere Erfahrungen gemacht als er.

So berichtet ein Leser über gute Erfahrungen mit der Sparcard in Irland, Dänemark und Schweden. Winfried Behlau setzte die Karte sogar in der chinesischen Provinz erfolgreich ein.

Für alle, denen die vier kostenlosen Abhebungen nicht genügen, hat Kurt Bachmann einen Rat. „Die Limits haben meine Frau und ich durch ein zweites Postbank-Sparcard- Konto ausgedehnt. Das reicht dann für den Urlaub völlig aus.“ Das funktioniert, weil die Postbank die Anzahl der Postbank-Sparcard-Konten pro Person nicht beschränkt.

Die Postbank Sparcard ist auch für reisende Minderjährige geeignet. Da zu den Sparcard-Konten zwei Karten ausgestellt werden können, kann der Nachwuchs die zweite Karte mitnehmen.

Sichere Reiseschecks

Zur Absicherung – nicht nur für Jugendliche – können Reiseschecks von American Express oder Travelex (Thomas Cook) dienen. Sie sind vor allem bei Fern- und exotischen Individualreisen eine sinnvolle Ergänzung.

Am besten kauft der Reisende sie in der Währung des Reiselands. Wer mit Reiseschecks so sorgfältig wie mit Bargeld umgeht, bekommt bei Verlust noch im Urlaub kostenlos Ersatz.

Einige Leser berichteten aber, dass die Einlösung nicht überall problemlos möglich war. In Moskau winkten nicht nur die Wechselstuben, sondern auch zwei Banken ab. In Mexiko wurde ein Leser die American-Express-Reiseschecks nur in den großen Städten und auch dort nur mit Mühe los.

Noch vor der Reise sollte sich der Urlauber deshalb nach einer kostenlosen oder günstigen Akzeptanzstelle für seine Reiseschecks in der Nähe seiner Unterkunft im Reiseland erkundigen.

Diese Stellen sind auch unter www.cashmycheques.com (für Travelex) zu finden: Mastercard- oder Visa-Logo klicken und dann das Urlaubsziel auswählen.

Die Einlösestellen für American-Express-Reiseschecks gibt es unter www.americanexpress.de, „Travelers Cheques“, „65 000 Partnerstellen“. Wer an anderen Stellen Reiseschecks eintauscht, muss häufiger happige Provisionen bezahlen.

Bezahlen mit der Kreditkarte

Weder Reiseschecks noch Maestro-Karte oder Postbank Sparcard allein genügen. Reisende sollten immer eine zweite Möglichkeit haben, um im Ausland an Bargeld zu kommen.

Anke Poersch versuchte vergangenen Sommer an mehreren Automaten in der Wiener Innenstadt mit der Maestro-Karte Geld abzuheben und sah immer wieder: „Karte ungültig“. „Zum Glück hatte ich meine Visa-Karte auch dabei. Damit hatte ich Erfolg.“

Mit der Kreditkarte sollten sich Urlauber aber nur ausnahmsweise Geld holen. Denn jede Abhebung kostet üblicherweise 2 bis 4 Prozent vom abgehobenen Betrag, häufig mindestens 5 Euro. Das ist meist teurer als mit der Maestro-Karte. Nur einige wenige Kreditkarten sind günstiger (siehe Tipps).

Wer im Ausland bargeldlos bezahlen will, kann das mit der Maestro-Karte oder mit der Kreditkarte. Fürs Bezahlen ist die Kreditkarte in vielen Ländern wegen der größeren Akzeptanz sogar eine Notwendigkeit. Häufig ist sie sogar günstiger als die Maestro-Karte.

Welche Karte im Reiseland bei welcher Gelegenheit akzeptiert wird, steht in der Tabelle 'Bargeld, Reiseschecks...'. Für Mastercard und Visa gibt es die meisten Akzeptanzstellen ­ weltweit jeweils rund 30 Millionen. American Express und Diners Club haben weniger. Wie viele pro Land, verraten die Anbieter nicht.

Doch selbst wenn in einem Land Kreditkarten häufig akzeptiert werden, kann es sein, dass Bargeld gefragt ist. Bernd Lehmann-Kukies musste während seiner individuell geplanten Reise in Korsika seine Pension bar bezahlen. Er hatte aber nicht so viel Geld in der Tasche. Einen Automaten, an dem er mit Maestro- oder Kreditkarte Bargeld bekommen hätte, gab es in dem Ort nicht. Zum Glück sprangen seine mitgereisten Freunde ein. Der Tipp des Lesers: „Europareisende, die die ausgetrampelten Urlaubspfade verlassen, müssen sich rechtzeitig mit reichlich Landeswährung eindecken.“

Finanztest ergänzt: Das gilt natürlich für Reisen in alle Regionen der Welt. Abseits der Touristenpfade ist Bargeld wichtig.

Selbst in der ungarischen Hauptstadt Budapest musste Leser Stefan Druschke beim Einkaufen überwiegend bar zahlen. Herr Druschke, der sonst hauptsächlich auf die Kreditkarte setzt, hat nicht nur aus diesem Grund immer Bargeld dabei: „Dann habe ich bei Verlust der Karte wenigstens noch Geld für die Fahrt zum deutschen Konsulat oder für Telefonate.“

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