Dauert die Auslandsreise länger als sechs bis acht Wochen, muss eine ­besondere Krankenversicherung für Einzelreisen her. Die besten ­Bedingungen bieten Barmenia, LVM und Central.

Mitte vergangenen Jahres flog Petra Ussler aus Buchholz in Norddeutschland nach New Hampshire in die Vereinigten Staaten. Sie wollte für ein paar Monate ihren Sohn besuchen.

Ein Jahr später ist sie immer noch da. Sie ist auf der Treppe im Haus ihres Sohnes gestürzt. „Statt meines 5. Wirbels habe ich jetzt eine Metallschiene im Rücken“, sagt die 65-jährige Rentnerin. „Bis vor kurzem sollte ich nicht fliegen. Deshalb bin ich immer noch hier.“

Ussler ist sehr erleichtert, dass sie vor ­ihrem Aufbruch noch daran gedacht hat, eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. „Ich bin kurz vor der Abreise nachts aufgewacht und dachte, was ist eigentlich, wenn ich in Amerika mal zum Arzt muss? Am nächsten Tag habe ich dann gleich den ADAC angerufen. Zum Glück. Die 57 000 Euro für die Operation hätte ich nicht alleine bezahlen können.“

Gesetzlich Krankenversicherte brauchen einen Zusatzschutz, wenn sie im Ausland Urlaub machen. Wir haben 27 Tarife für Langzeitreisen getestet. Ein „Sehr gut“ bekamen Barmenia, LVM und Central für die Verbraucherfreundlichkeit der Bedingungen in Angeboten ohne Selbstbehalt.

Der ADAC erreichte ein „Gut“. Seine Kunden müssen einen Eigenanteil zahlen.

Die gesetzliche Kasse übernimmt außerhalb Europas und in Ländern wie Ägypten oder Thailand, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, nichts. Auch in Europa bekommen Urlauber nicht immer alles erstattet. Einen Krankenrücktransport zahlt die Kasse nie.

Auch einige private Krankenversicherer übernehmen den Rücktransport nicht. Privat Krankenversicherte sollten vor Reiseantritt auf jeden Fall bei ihrem Versicherer nachfragen.

Mehr Rücktransporte

Die Krankenrücktransporte nehmen zu. „Wir hatten 5 Prozent mehr Rücktransporte letztes Jahr im Vergleich zu 2005“, sagt Thomas Oesterle, Pressesprecher beim ADAC. Die meisten Urlauber holt der ­Automobilclub aus Spanien zurück.

Ein Transport von Mallorca nach Hamburg kostet nach Angaben des Clubs zwischen 9 000 und 12 000 Euro. „Insgesamt haben wir im Jahr 2006 für 15 400 Patienten den Rücktransport organisiert. Und das bei 4,3 Millionen Auslandsreise-Krankenversicherten“, sagt Oesterle.

Auch die Versicherungsgruppe Huk hat mehr Kranke zurücktransportiert. Von 1,5 Millionen Versicherten wurden 449 Urlauber im Jahr 2006 zurück nach Deutschland geholt. 2005 waren es 373 und 208 im Jahr 2004. Die Reiseversicherer Elvia und Europäische Reise wollen keine Angaben machen.

Bei der Vergabe unserer Urteile für die Versicherungsbedingungen floss in die ­Bewertung ein, ob der Versicherer einen Rücktransport zahlt, sobald dieser sinnvoll und vertretbar ist, und nicht nur bei medizinischer Notwendigkeit. Die „sehr guten“ Angebote bieten das.

Wichtig war uns auch, dass die Anbieter mit Vorerkrankungen angemessen umgehen und sich im Paragrafenwerk keine ­Bedingungen finden, die es ihnen leicht machen, sich vor Zahlungen zu drücken. Außerdem sollten Versicherer so lange zahlen, bis der Patient wieder transportfähig ist, auch wenn der Vertrag abgelaufen ist.

Schutz für Notfälle

Den meisten Urlaubern genügen die preiswerten Jahresverträge für mehrere Reisen im Jahr, die wir in unserer Juni-Ausgabe untersucht haben (siehe „Unser Rat“). Wer aber wie Petra Ussler länger als sechs Wochen im Ausland bleiben will, benötigt ­einen speziellen Vertrag für diese Reise. Der Preis hängt von der Reisedauer, dem Alter des Reisenden und manchmal dem Reiseziel ab.

Gerade Langzeitreisende müssen aber wissen, dass eine Auslandsreise-Krankenversicherung nur einen eingeschränkten Versicherungsschutz bietet. Sie ist hauptsächlich für Notfälle da.

Ihre Leistungen zum Beispiel bei Zahnbehandlungen sind geringer als die der ­gesetzlichen Kasse oder der privaten Krankenvollversicherung zuhause. Psychotherapeutische Maßnahmen oder Vorsorgeuntersuchungen deckt sie nicht ab. Die Auslandsreise-Krankenversicherung zahlt:

  • ambulante ärztliche Behandlungen, Röntgendiagnostik und Operationen;
  • ärztlich verordnete Arznei-, Verband- und Heilmittel;
  • schmerzstillende Zahnbehandlungen, einfache Zahnfüllungen, Reparaturen von Zahnersatz;
  • ärztliche Leistungen, Sachmittel, Unterbringung und Verpflegung bei einem Krankenhausaufenthalt;
  • den Transport zum nächsten Krankenhaus oder Notarzt durch Rettungsdienste;
  • den ärztlich angeordneten und medizinisch notwendigen Transport zum Wohnort oder dem nächstgelegenen geeigneten Krankenhaus am Wohnort;
  • die Überführung im Todesfall oder die Bestattung im Ausland üblicherweise bis zu einer Kostenhöhe von 10 000 Euro.

Petra Usslers Versicherer hat die Kosten für ihre Operation und den Krankenhausaufenthalt übernommen. „Zwar humpele ich meinen Enkelkindern hier immer noch ziemlich hinterher, aber zumindest bin ich jetzt so weit, dass ich mal wieder zurück nach Deutschland fliegen kann“, sagt die Rentnerin.

„Wenn ich das nächste Mal nach New Hampshire komme, bleibe ich vielleicht für immer“, fügt sie hinzu. Die Auslandsreise-Krankenversicherung reicht dann aber nicht mehr aus.

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