Auslands­kranken­versicherung Test

Studenten, Berufs­tätige und Rentner im Ausland – sie alle brauchen eine spezielle Krankenver­sicherung. 67 Angebote in unserem Test schnitten sehr gut bis mangelhaft ab. Die Preis­unterschiede sind enorm.

Ein Gap Year, aus dem Eng­lischen über­setzt „Lücken­jahr“, ist eine Auszeit, die sich gerne Schul­abgänger oder Studenten für einen mehr­monatigen Aufenthalt im Ausland nehmen. Sie machen Rund­reisen durch Länder wie Thai­land oder Vietnam, arbeiten auf Farmen in Australien („Wwoofen“) oder unter­richten ehren­amtlich Kinder in Südafrika. Andere machen ein oder mehrere Auslands­semester an Universi­tä­ten in der ganzen Welt.

Nicht nur junge Menschen steigen mal aus. Immer mehr Berufs­tätige entscheiden sich für eine Auszeit, bekannt als Sabbatical. Dazu kommen Rentner, die gerne im warmen Süden über­wintern.

Schutz für Notfälle

Sie alle brauchen eine spezielle Auslands­reise-Kranken­versicherung. Denn die für normale Urlaubs­reisen üblichen Tarife reichen nicht aus: Wer mehr als sechs bis acht Wochen unterwegs ist, hat mit diesen Policen in der Regel keinen Schutz.

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur in­nerhalb der EU und in Staaten, mit denen ein Sozial­versicherungs­abkommen besteht, im Notfall für die Behand­lung vor Ort. Den Rück­trans­port müssen gesetzlich Kranken­versicherte immer selbst zahlen.

Privat Kranken­versicherte müssen Auslands­schutz und Leistungen in ihren Verträgen prüfen. Meist ist der Schutz außer­halb Europas auf einen Monat begrenzt, manchmal auch auf drei. Ein weiteres Problem ist der Krankenrück­trans­port: Nicht alle Verträge schließen ihn mit ein.

Für jeden Reisenden etwas dabei

Wir haben 67 Reisekranken­versicherungen für längere Einzel­reisen untersucht. In unserer Tabelle nennen wir Preise für 90 Tage, 180 Tage und für ein Jahr.

Die Auswahl ist nicht leicht: Es gibt Tarife für welt­weite Reisen und alle Alters­klassen, daneben spezielle Policen für junge Menschen bis 34 oder 35. Für beide Gruppen gibt es außerdem Angebote, die bestimmte Länder ausschließen, etwa die USA, wo medizi­nische Behand­lungen besonders teuer sind. Die Angebote decken außerdem oft berufliche Reisen ab. Einige Versicherer bieten auch Tarife für Familien.

Unser Test zeigt auch: Wie viel ein Reisender zahlen muss, hängt von der Reisedauer, seinem Alter und dem Reiseziel ab.

Testsieger sowohl bei den welt­weit gültigen als auch den regional begrenzten Tarifen für alle Alters­klassen ist die Concordia. Sie bietet die besten Leistungen und ist am verbraucherfreundlichsten. Ebenfalls sehr guten, aber viel güns­tigeren Schutz bieten die HanseMerkur (Tarif „Reise-Krankenver­sicherung“) und die Würzburger.

Ältere Weltenbummler zahlen mehr

Weiteres Ergebnis: Beiträge für ältere Reisende um die 65 und älter sind deutlich teurer. Für eine einjährige Reise um die ganze Welt müssen Senioren ab 65 bei der Concordia 8 105 Euro berappen. Jüngere zahlen dafür nur 3 242 Euro.

Reisende zwischen 65 und 74 fahren mit der Würzburger güns­tiger als mit dem Testsieger. Der auch sehr gute Schutz kostet dort 3 614 Euro. Aus unserer Sicht reicht aber auch der gute Schutz der Barmenia zum Preis von 2 447 Euro.

Besondere Angebote für junge Leute

Viele Versicherer bieten besondere Tarife für junge Leute an. Die besten Angebote für welt­weite Reisen und solche außer­halb der USA bietet die ERV. Um einen solchen Vertrag abschließen zu können, darf der Versicherte nie älter als 34 oder 35 Jahre sein.

Doch anders, als man vielleicht vermuten würde, lohnen sich diese speziellen Tarife längst nicht immer.

So fahren junge Leute, die nur 90 Tage unterwegs sind, mit einem Angebot für alle Alters­klassen sehr viel güns­tiger. Ein Versicherter bis 35 Jahre zahlt für den guten, welt­weit gültigen und für alle Alters­klassen offenen Tarif der SDK nur 99 Euro. Der beste Spezial­tarif für junge Leute (ERV) ist nicht besser und würde 237 Euro kosten.

Versicherungen auch für Familien

Planen Familien längere Reisen, gibt es auch für sie Tarife bei einigen Versicherern, etwa bei Concordia und HanseMerkur. Die Leistungen in diesen Angeboten gelten für die ganze Familie und bieten oft noch einige Extras. Erkrankt zum Beispiel ein Kind auf der Reise und muss im Kranken­haus behandelt werden, können seine Eltern auf Kosten der Versicherung über Nacht bei ihm bleiben („Rooming-In“). Die Versicherung über­nimmt oft auch die Kosten für die Kinder­betreuung, wenn den Eltern etwas passiert und sie sich nicht um ihr Kind kümmern können.

Selbst­beteiligung lieber vermeiden

Wir empfehlen Tarife ohne Selbstbe­teili­gung. Bei Angeboten mit Selbst­beteiligung zahlen Versicherte bei jedem Krank­heits­fall einen Eigen­anteil, meist 50 oder 100 Euro. Bei mehreren Erkrankungen während einer langen Reise können da leicht ­einige Hundert Euro zusammen­kommen.

Bei früherer Rück­reise Geld zurück

Wer vor der Abreise nicht weiß, wie lange er wegbleibt, sollte bei der Versicherung nach­fragen, ob er seinen Vertrag nach­träglich verlängern kann. Manchmal ist das nicht möglich. Besser ist es, gleich einen längeren Aufenthalt zu versichern. Wer dann die Heimreise doch früher als geplant antritt, bekommt auf Nach­weis den zu viel gezahlten Beitrag meist zurück. Auch dies sollte der Reisende vorher mit dem Versicherer abklären.

Behand­lungen müssen belegt werden

Brauchen Reisende im Ausland eine medizi­nische Behand­lung, sollten sie bei ihrer Versicherung telefo­nisch nach­fragen und alle Details abklären, wenn nötig auch die Frage des Rück­trans­ports. Wichtig ist es, alle Belege für Kosten aufzuheben, um diese nach der Reise bei der Versicherung einreichen zu können.

Verweigert ein Versicherer im Nachhi­nein die Zahlung, können sich Kunden kostenlos an den Ombuds­mann wenden (Pkv-ombudsmann.de). Dieser bietet ein Schlichtungs­verfahren an. Viele Versicherer nehmen daran teil.

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