Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Unser Test ist strenger geworden. Doch die Anbieter ziehen mit. ­Neun Krankenversicherungen schaffen ein „Sehr gut“.

Wir wollen das Beste. Deshalb haben wir unsere Testkriterien für die ­Police verschärft, die Reisende am nötigsten brauchen, die Auslandsreise-Krankenversicherung. Und siehe da, es geht: Von den 38 untersuchten Tarifen schafften neun ein „Sehr gut“ und 18 ein „Gut“ für ­ihre Versicherungsbedingungen.

Hier haben viele Unternehmen nachgebessert. Urlauber, die seit Jahren mit derselben Police verreisen, sollten deshalb ­ihren Vertrag umstellen oder wechseln.

Im Jahr 2004 bezahlten zum Beispiel fast alle Versicherer den Krankenrücktransport in die Heimat nur, wenn er medizinisch notwendig war. Inzwischen übernehmen mehr als die Hälfte der Unternehmen die Kosten schon, wenn der Rücktransport sinnvoll und vertretbar ist oder wenn die Behandlung im Krankenhaus voraussichtlich mehr als 14 Tage dauert.

Die verbesserte Klausel kann sehr wichtig werden, selbst wenn die Versorgung im Urlaubsland bestens ist. Wer verbringt schon gerne Wochen mit einem komplizierten Bruch in einer Klinik fern der Heimat? Die Sprache ist fremd, die Freunde sind weit weg, da wird die Zeit lang.

In diesem Test haben wir die Messlatte noch etwas höher gelegt: Anbieter, die den Rücktransport erst bezahlen, wenn der Versicherte mehr als 14 Tage im Krankenhaus bleiben muss, haben dafür jetzt einen Abzug bei der Punktzahl bekommen.

Volle Punktzahl gibt es erst, wenn der Versicherer ohne Einschränkung leistet, sobald der Transport sinnvoll und vertretbar ist. Das bieten ADAC, Deutscher Ring, Elvia, Europäische Reise, HanseMerkur und Huk-Coburg. Von diesen sechs schafften HanseMerkur und Huk-Coburg ein „Sehr gut“.

Alle Gesellschaften in unserem Test kommen inzwischen bei schweren Erkrankungen oder Unfällen auch für die Behandlung in Kurkliniken und Sanatorien auf. Diese Leistung bewerten wir deshalb nicht mehr.

Auch die umstrittene Staatsangehörigkeitsklausel spielt keine Rolle mehr. Das war im Jahr 2005 noch anders und bereitete Ausländern Probleme, die in Deutschland leben. Viele Reiseversicherer gewährten zum Beispiel einer türkischen Familie mit Wohnsitz in Deutschland keinen Schutz, wenn sie in der Heimat Urlaub machte. Die Police galt nur in anderen Reiseländern.

Wirksam war diese Klausel nie, das hatte der Bundesgerichtshof im Jahr 2000 entschieden (Az. IV ZR 235/99). Umso mehr wundert es uns, dass die Münchener Verein noch immer daran festhält.

Kunden brauchen klare Ansagen

Volle Punktzahl beim Kriterium „Kriege und innere Unruhen“ bekommen diesmal nur noch Versicherer mit klaren Ansagen.

Gerät ein Urlauber auf Reisen in kriegerische Auseinandersetzungen und wird verletzt, zahlen die Versicherer nicht in jedem Fall. Sie machen zur Voraussetzung, dass das Kriegsgeschehen für den Reisenden „nicht vorhersehbar“ war.

Wir finden, dass diese Klausel den Unternehmen zu viel Raum für Ausflüchte gibt. Die Versicherer können leicht argumentieren, ein Aufstand in der Region sei für den Reisenden vorhersehbar gewesen, wenn er sich genug mit den Entwicklungen im Land auseinandergesetzt hätte.

Volle Punktzahl gibt es deshalb nur für Tarife, die Schutz bieten, solange das Auswärtige Amt keine klare Reisewarnung für das Urlaubsland ausgesprochen hat.

Die strengeren Anforderungen in diesen und anderen Prüfpunkten machen sich im Ergebnis bemerkbar. Schafften vergangenes Jahr noch 18 Tarife ein „Sehr gut“, gibt es dieses Jahr nur neun mit der Bestnote. Dennoch ist das Gesamtergebnis sehenswert. Mehr als zwei Drittel der Tarife bekam ein „Gut“ oder „Sehr gut“.

Raus aus schlechten Verträgen

Versicherte mit älteren Policen können ­ihren Versicherer bitten, ihren Vertrag auf die verbesserten Bedingungen umzustellen. Denn das passiert nicht automatisch. Wollen sie zu einem besseren Tarif bei ­einem anderen Anbieter wechseln, können sie ihren Vertrag mit einer Frist von oft drei Monaten zum Ende der Laufzeit kündigen.

Gilt die Frist zum Jahresende, ist der Wechsel zu den nächsten Oster- und Sommerferien nicht möglich. Je nach Tarif kann aber auch das Datum des Vertragsschlusses entscheidend sein: Wer Mitte Juli eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen hat, muss bis spätestens Mitte April seine ­Kündigung losschicken und eine neue Versicherung abschließen.

Auch für Reisen in Europa

Die Policen sind nicht teuer. Sehr gute Einzelverträge gibt es schon ab 6 Euro im Jahr, Verträge für Familien ab 15 Euro.

Den Krankenschutz fürs Ausland empfehlen wir allen Reisenden. Denn außerhalb Europas und in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Behandlungskosten. Das gilt auch für beliebte Urlaubsländer wie Thailand, Ägypten oder die ­Vereinigten Staaten. Ohne Auslandsreise-Krankenversicherung müssen Reisende dort alles selbst bezahlen.

Auch innerhalb Europas übernehmen die Krankenkassen nicht alles. Einen Rücktransport bezahlen sie nie. Und der ist teuer. „Ein Ambulanzflug von den portugiesischen Azoreninseln nach München kostet zum Beispiel um die 26 000 Euro“, sagt Eva Baumann von der DRF-Luftrettung.

Privatversicherte brauchen Schutz

Private Krankenversicherer kommen weltweit für Behandlungskosten und Medi­kamente auf. Aber auch sie übernehmen den Krankenrücktransport normalerweise nicht. „Wir empfehlen deshalb den Abschluss einer Auslandsreise-Krankenversicherung“, sagt Jens Wegner vom Verband der privaten Krankenversicherer.

Die meisten Reisekrankenversicherungen sind Jahresverträge. Sie laufen ein Jahr und verlängern sich ohne Kündigung automatisch. Der Begriff „Jahresvertrag“ täuscht jedoch: Versicherte können damit zwar beliebig oft, aber nicht beliebig lange verreisen. Meist sind es nur 42 Tage am Stück, bei der Debeka bis zu 70 Tage.

Wer einen längeren Auslandsaufenthalt plant, benötigt einen Einzelvertrag für diesen Aufenthalt. Die Tarife dafür untersucht Finanztest gerade. Die Ergebnisse gibt es in unserer nächsten Ausgabe.

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