Auslandsreise-Krankenversicherung Test

Versicherungsschutz im Gepäck: Eine Kranken­versicherung für 90 Tage in den USA bekommt Franziska Schreiber ab 45 Euro.

Ob Student, Arbeitnehmer oder Rentner: Wer mehrere Monate im Ausland verbringt, braucht eine besondere Krankenversicherung. Die besten Bedingungen bietet die Barmenia.

In wenigen Wochen geht es los: Die 25-jährige Franziska Schreiber fliegt für drei Monate in die USA. Die junge Frau, die in Trier Tourismusgeografie studiert, zieht es nach Florida, wo sie in Miami und Fort Lauderdale für ihre Diplomarbeit recherchiert. „Seit einem Schüleraustausch faszinieren mich die USA“ , sagt die Studentin. Mittlerweile war sie mehrmals dort.

Im Gepäck wird sie eine Auslandsreise-Krankenversicherung haben. Sonst müsste sie die Kosten für eine ärztliche Behandlung aus eigener Tasche bezahlen. In den USA übernimmt ihre gesetzliche Krankenkasse aus Deutschland keinerlei Ausgaben.

Die Studentin braucht eine besondere Auslandsreise-Krankenversicherung für Einzelreisen. Ein Jahresvertrag, wie er beispielsweise für einen zweiwöchigen Badeurlaub zu empfehlen ist, reicht nicht: Denn der Schutz solcher Jahresverträge ist auf Reisen begrenzt, die je nach Versicherer maximal sechs Wochen oder bis zu zweieinhalb Monate dauern dürfen (siehe „Unser Rat“).

Oft sehr gute Vertragsbedingungen

Finanztest hat 23  Krankenversicherungsangebote für längere Reisen geprüft. Für Reisen zwischen 90 Tagen und einem Jahr liegen die Preise zwischen 36 Euro und mehr als 7 000 Euro. Der Preis hängt von der Dauer der Reise, dem Reiseziel und dem Alter des Versicherten ab.

Die Versicherungsbedingungen der Verträge für lange Aufenthalte sind zum Teil etwas schlechter als in den Verträgen für kurze Urlaubsreisen (siehe Test Auslandsreisekranken-Versicherung 5/2008). Dennoch ist fast die Hälfte „sehr gut“.

Die Barmenia hat als einziger Anbieter all unsere Prüfkriterien erfüllt. Für Franziska Schreiber ist sie aber recht teuer. 90 Tage Schutz kosten 179 Euro. Andere Angebote mit geringfügig schlechteren Bedingungen sind für die junge Frau deutlich günstiger: Die Victoria macht für junge Reisende das günstigste Angebot für die USA: Reisende bis 59 Jahre zahlen für 90 Tage 45 Euro.

Die volle Punktzahl erreicht die Victoria mit ihren Vertragsbedingungen nicht. Beispiel Krankenrücktransport: Die Victoria trägt die Kosten, wenn der Transport medizinisch notwendig ist. Wird die Notwendigkeit nicht nachgewiesen, bezahlt sie nur Transportkosten bis 500 Euro.

Besser sind Versicherer, die auf solche Einschränkungen verzichten. Sie tragen die Kosten, sobald der Transport medizinisch sinnvoll oder vertretbar ist oder wenn die stationäre Behandlung länger als 14 Tage dauert. Dennoch sind die Bedingungen der Victoria insgesamt noch sehr gut.

Ältere Reisende zahlen mehr

Für ältere Reisende ist der Preis des Barmenia-Schutzes deutlich attraktiver als für jüngere: Anders als bei den meisten Versicherern ist der Beitrag hier vom Alter unabhängig: Eine 72-jährige Rentnerin, die für 90 Tage zu ihrer Tochter nach New York fliegt, zahlt bei der Barmenia wie jeder andere 179 Euro. Ähnlich günstig sind LVM und Victoria mit etwas schlechteren Vertragsbedingungen. Die HanseMerkur verlangt dagegen 801 Euro.

Während einige Versicherer Älteren den Abschluss über höhere Preise erschweren, zieht gut ein Drittel der Anbieter noch immer eine Altersgrenze – einige nehmen schon Reisende, die älter als 69 Jahre sind, nicht auf. Altersdiskriminierung ist verboten. Ob die Altersgrenzen der Versicherer in diesem Fall zulässig sind, ist bisher nicht abschließend geklärt.

USA häufig ausgeschlossen

Würde Franziska Schreiber nicht nur drei Monate in den USA bleiben, sondern ein knappes halbes Jahr, müsste sie viel mehr bezahlen: Ein Vertrag mit sehr guten Bedingungen ohne Selbstbehalt kostet sie für 180 Tage statt 45 Euro mindestens 225 Euro.

Für die USA und Kanada ist die Versicherung besonders teuer. Reisende, die 180 Tage in Irland oder Spanien verbringen, könnten sich dagegen für 144 Euro bei der Central zu sehr guten Bedingungen versichern.

„Die Kosten für eine ärztliche Behandlung in den USA sind deutlich höher als in anderen Ländern“, erklärt Jürgen Schmitt, Geschäftsführer von Mercur Assistance. Im Auftrag mehrerer Versicherer betreut das Unternehmen den Notfallservice für die Reisenden. „Wenn eine Rentnerin in Florida mit einem Oberschenkelhalsbruch behandelt werden muss, kann das über 50 000 Euro kosten. In Spanien ist eine solche Behandlung selbst in einer guten Privatklinik für unter 10 000 Euro möglich.“

Große Unterschiede bei langen Reisen

Die meisten Versicherer begrenzen den Schutz für eine Einzelreise auf eine Dauer von einem Jahr. Je nach Anbieter sind auch fünf Jahre oder nur 90 Tage möglich.

Je länger der Auslandsaufenthalt dauert, desto größer werden die Preisunterschiede. Sehr guten Schutz für ein ganzes Jahr – auch für die USA – gibt es bereits für rund 500 Euro. Ältere sollten mit etwa 1 000 Euro kalkulieren. Je nach Anbieter sind aber auch Preise von über 7 000 Euro möglich.

Kassenpatienten niemals ohne

Die Kosten für den Auslandsschutz belasten die Reisekasse – gerade wenn das Budget für das Auslandsstudium oder die Au-pair-Zeit knapp ist. Dennoch sollte niemand, der in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist, auf den privaten Zusatzschutz verzichten.

Die gesetzliche Krankenkasse kommt selbst für viele Behandlungen in der Europäischen Union nicht komplett auf. In vielen anderen Ländern muss sie gar keine Behandlungskosten übernehmen. Einen Krankenrücktransport, der je nach Reiseland und Art des Transports mehr als 50 000 Euro kosten kann, bezahlt sie nie.

Hier springt der private Versicherer ein. Neben den Ausgaben für einen Krankenrücktransport zahlt er unter anderem für

  • ambulante ärztliche Behandlungen, Röntgendiagnostik und Operationen,
  • ärztlich verordnete Arznei-, Verband- und Heilmittel sowie
  • schmerzstillende Zahnbehandlungen, einfache Füllungen sowie Reparaturen von Zahnersatz.

Steht aber von vornherein fest, dass während der Reise eine Behandlung stattfinden muss oder ist das sogar der Zweck der Reise, kommt der Versicherer dafür nicht auf.

Als Privatpatient Bedarf prüfen

Reisende, die in Deutschland privat versichert sind, sollten sich ebenfalls Gedanken über den Versicherungsschutz machen. Wichtig ist, vorab zu klären, ob die Krankenversicherung für Auslandsreisen ausreicht und ob der Rücktransport inbegriffen ist. Sonst brauchen auch Privatpatienten einen zusätzlichen Vertrag.

Franziska Schreiber bringt vor dem Abflug noch ihre letzten Prüfungen an der Universität in Trier hinter sich, dann sind die letzten Reisevorbereitungen und die Wahl einer passenden Auslandsreise-Krankenversicherung dran: So einen Versicherungsvertrag bekommt sie auch noch auf den letzten Drücker. 

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