Auslandsimmobilie Meldung

Endlich Eigentümer. Jahrelang stritten sich Helga und Bernd Stein mit dem Bauträger. Die Grundbucheintragung erfolgte erst sieben Jahre nach Unterschrift unter den Kaufvertrag

Auslandsimmobilie. Ein Zweitwohnsitz am Meer ist für viele ein Traum. Helga und Bernd Stein haben ihn sich erfüllt und ein Haus auf Zypern gebaut. Dabei mussten sie viele Hürden überwinden.

Rund 150 Faxe, 200 Telefonate, Kosten für einen deutschsprachigen Rechtsanwalt, viel Eigenleistung, Geduld und gute Nerven: Sieben Jahre nach der Unterschrift unter den Bauvertrag für ihre Traumimmobilie auf der Mittelmeerinsel Zypern sind Helga und Bernd Stein endlich Eigentümer geworden.

„Es hat sich gelohnt. Aber wir hätten nie gedacht, dass wir mit solchen Schwierigkeiten und Verzögerungen zu rechnen haben“, sagt die 68-jährige Helga Stein.

Einen Zweitwohnsitz am Meer planten die Steins schon lange. „Wir haben unsere Lebensplanung darauf ausgerichtet“, erzählt der mittlerweile 73-jährige Bernd Stein, der früher als Geschäftsführer eine Supermarktkette leitete.

Nach vielen Reisen in verschiedene Länder verliebten sich die beiden in die verwilderte und raue Insel, die vor allem bei Briten ein beliebtes Ferienziel ist. Das war im Jahr 2001, als der EU-Beitritt des griechischensprachigen Teils der Insel Zypern noch nicht geklärt war.

Kaufvertrag mit Sonderleistungen

Auslandsimmobilie Meldung

Ein Standardhaus in einer Touristensiedlung, wie es auf den Werbetafeln von großen Immobilienfirmen angeboten wurde, kam auf keinen Fall in Betracht. „Wir wollten etwas Individuelles“, betont die ehemalige Geschäftsführerin einer Boutique.

Mit einem örtlichen Bauträger wurden sie sich schnell über ein Grundstück einig. Ein deutsch sprechender Mitarbeiter führte die Verhandlungen und der Kaufvertrag über die schlüsselfertige Übergabe für ein Haus mit Pool und Carport wurde vor dem Notar geschlossen.

Der Bauträger sicherte zu, sich um die spezielle Zustimmung der Regierungsbehörde zu kümmen, die EU-Bürger für den Immobilienerwerb benötigen. Für Ausländer, die auf Zypern bauen oder kaufen wollen, gibt es noch Erwerbsbeschränkungen. Die zuständige Behörde stimmte dem Vorhaben zu.

In den Kaufvertrag nahmen Steins auch ihre Sonderwünsche für den Innenausbau und die Gartenanlage auf. „Der vorgelegte Standardvertrag entsprach nicht unseren Vorstellungen“, erklärt Stein.

Die Extraleistungen wurden inklusive Bauausführungsbeschreibung Bestandteil des Vertrags und notariell vereinbart.

Um auf der sicheren Seite zu sein, ließen sie sich den Vertrag, der in englischer Sprache formuliert war, in die deutsche Sprache übersetzen.

„Allerdings haben wir den Vertrag erst nach Unterzeichnung unserem Anwalt in Deutschland vorgelegt“, räumt Bernd Stein ein. Der Vertrag war in Ordnung. „Dennoch sind wir im Rückblick ziemlich naiv an die Sache herangegangen.“

Auch eine Bankbürgschaft, die den Bauträger als solventen Vertragspartner ausweist, ließen sie sich nicht vorlegen. „Für uns war der Kauf auch eine Vertrauenssache“, sagt Helga Stein.

Der Vertragspartner erschien seriös und hatte vor Ort schon einige Bauvorhaben durchgeführt. „Heute würden wir uns besser über unseren Vertragspartner infor­mieren.“

Rohbau statt schlüsselfertig

Auslandsimmobilie Meldung

Rohbau statt schlüsselfertig. „Wir waren geschockt“, sagt Bernd Stein. Der Einzug in die Traumimmobilie auf Zypern zog sich über Monate hin.

Steins zahlten – wie bei Bauträgerverträgen üblich – den Kaufpreis von rund 210 000 Euro nach und nach entsprechend den Baufortschritten. Den Restbetrag wollten sie nach schlüsselfertiger Übergabe überweisen.

Als das Ehepaar im Juli 2002 wie vereinbart in das neue Domizil einziehen wollte, „war der Schock groß“, berichtet Bernd Stein. Das Haus befand sich noch halb im Rohbau. Es gab weder Strom noch Telefon. Heizung, Sanitäreinrichtungen und Küche waren unvollständig. Fliesen fehlten, Türen schlossen nicht und der gesamte Außenbereich lag brach. Pool und Carport waren noch gar nicht angelegt.

Steins mussten handeln und quartierten sich in einem Apartment ein. Zunächst stoppten sie die Auslieferung des Containers mit den Möbeln aus Deutschland.

Als sie schließlich den einzigen deutschsprechenden Anwalt in der Region ein­schalteten, stellte sich heraus, dass der ­Unternehmer nur gegen eine Kaufpreiserhöhung weiterbauen wollte. Die vielen Extrawünsche hätten das Vorhaben verteuert.

Weiterbau verzögert

Doch Steins ließen sich nicht einschüchtern. Zunächst überwiesen sie an den Bauträger keinen Cent mehr. Über ihren Anwalt vereinbarten sie Gesprächstermine, die allerdings entweder platzten oder bei denen sie nur kleine Zugeständnisse aushandeln konnten.

Mit Helfern aus Deutschland, einem zypriotischen Architekten und örtlichen Handwerksbetrieben bauten sie in Eigen­regie weiter. Nach zwei Monaten konnten sie den Möbelcontainer ausladen und provisorisch einziehen.

Als sich die Verhandlungen und weitere Baumaßnahmen schleppend hinzogen, gewannen Steins den Eindruck, der Weiterbau werde absichtlich verzögert. „Wir wurden nicht mehr als Vertragspartner, sondern eher als lästige Käufer behandelt“, so Stein. Er vermutet einen Zusammenhang mit den zu diesem Zeitpunkt steigenden Grundstückspreisen auf Zypern. Für die Immobilie hätte der Bauträger mittlerweile einen wesentlich höheren Preis erzielen können.

Vier Jahre keine Stromlieferung

Als größtes Hindernis stellte sich die fehlende Stromlieferung heraus. Der Stromanschluss musste noch gelegt werden und der Bauträger machte die Behörden für die Verzögerung verantwortlich.

Deshalb organisierten sich Steins einen Generator, der sie die nächsten Jahre mit Strom versorgte. „In vier Jahren haben wir vier Generatoren verschlissen und insgesamt 7 000 Euro dafür hingelegt“, berichtet Bernd Stein.

Durch eigene Recherchen fanden Steins schließlich heraus, dass der Bauträger überhaupt keinen Stromantrag gestellt hatte. Als sie über ihren Architekten den Antrag stellten, verweigerte die Behörde die Genehmigung. Begründung: Strom gibt es nur mit einer Baugenehmigung. Und diese lag nicht vor.

Schwarzbau nachträglich genehmigt

„Uns hat zu diesem Zeitpunkt nichts mehr überrascht“, sagt Helga Stein. Immerhin reichte der Bauträger die Papiere nachträglich ein und die Baubehörde nahm den Bau nach einigem Hin und Her ab. Danach konnte auch das Haus an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden.

Endlich Eigentümer

Zur Eintragung in das Grundbuch und damit zum rechtmäßigen Eigentumserwerb kam es erst im März 2008. Hierfür mussten Steins noch einmal 4 600 Euro auf den Tisch legen. Der Bauträger hatte es versäumt, die seit 2001 angefallenen Besitzsteuern regelmäßig zu überweisen.

Der Streit um die Kosten ist noch nicht ausgestanden. Bernd Stein hat ein Bauprotokoll geführt und alle Eigenleistungen und Ausgaben dokumentiert. Aus seiner Sicht ist der Kaufvertrag unzureichend erfüllt worden.

Sofern die laufenden Verhandlungen nichts fruchten, wollen Steins vor Gericht ziehen. „Dann geht es in die nächste Runde“, sagt das engagierte Ehepaar.

Dieser Artikel ist hilfreich. 858 Nutzer finden das hilfreich.