Auslands­aktien Special

Ausländische Aktien bringen oft hohe Dividenden. Anleger verspielen einiges davon, weil sie die Quellen­steuer verschenken. Das muss nicht sein.

Renditen von 5 oder 6 Prozent – dafür investieren deutsche Anleger gerne in ausländische Unternehmen. Objekt der Begierde sind Aktien, die hohe Dividenden versprechen. Der französische Energieversorger GDF Suez verwöhnt Aktionäre dieses Jahr zum Beispiel mit 5,89 Prozent, die Altria Group in den USA mit 5,41 Prozent.

Das ist verlockend, darf aber nicht darüber hinweg­täuschen, dass Anleger mit Aktien auch Verluste machen können. Die Rendite durch Dividenden ist außerdem nicht immer so hoch und fällt nach Steuern oft viel geringer aus als vor Steuern. Doch dagegen können Aktionäre etwas tun.

Rendite retten

Von 3,41 Prozent Rendite des Schweizer Nestlé-Konzerns bleiben nach Steuern zum Beispiel nur 1,85 Prozent. Von der Dividende geht neben der deutschen Abgeltung­steuer die Schweizer Quellen­steuer ab. Die ausländische Steuer lässt sich zurück­holen. Dann steigt die Nestlé-Rendite auf 2,54 Prozent.

700 Millionen Euro verschenkt

Im Ausland werden Anlegern aus Deutsch­land bis zu 35 Prozent Quellen­steuer abge­zogen. Ein Teil lässt sich mit der Abgeltung­steuer verrechnen, wenn welche fällig ist. Den Rest erstattet das Ausland auf Antrag.

Viele Aktionäre holen sich die Quellen­steuer im Ausland aber nicht zurück. Fast 700 Millionen Euro haben Deutsche laut Studie des Londoner Finanz­dienst­leisters Goal Group welt­weit für 2010 verschenkt.

Wie Anleger am besten vorgehen, hängt vom Land ab. Aus der Schweiz können sie die Quellen­steuer recht leicht selbst zurück­holen, Staaten wie die Nieder­lande machen es ihnen noch einfacher, weil nur die Verrechnung in Deutsch­land nötig ist. Auch die USA und Frank­reich bieten gute Lösungen. Gar keine Quellen­steuer nehmen Länder wie Groß­britannien, Irland und Singapur.

Tipp: Vordrucke und Adressen hat die Depot­bank oder das Bundes­zentral­amt für Steuern (www.bzst.de, „Steuern interna­tional“, „Ausländische Antrags­formulare“).

Leichtes Spiel in der Schweiz

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Die Schweiz nimmt 35 Prozent Steuer und erstattet 20 Prozent auf Antrag. Der Rest wird in Deutsch­land verrechnet.

Tipp: Für die Erstattung in der Schweiz brauchen Sie als Beleg über die Quellen­steuer von Ihrer Depot­bank einen „Tax Voucher“. Den schi­cken Sie samt Antrag an Ihr Finanz­amt, damit es bestätigt, dass Sie in Deutsch­land als Steuerzahler registriert sind. Kommen die Papiere zurück, leiten Sie diese an die Eidgenössische Steuer­verwaltung, Eiger­straße 65, CH-3003 Bern. Oft dauert es ein paar Monate, bis Sie das Geld haben.

Gute Lösung in den USA

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Den Antrag in den USA können Anleger sich ganz sparen, wenn sie ihre US-Aktien bei einer der vielen Banken in Deutsch­land kaufen, die den Status „Qualified Interme­diary“ haben. Dann gehen von ihren Dividenden nur 15 Prozent Quellen­steuer ab. Genauso viel lässt sich mit der Abgeltung­steuer in Deutsch­land verrechnen.

Ohne Status „Qualified Interme­diary“ nimmt Amerika für Dividenden 30 Prozent Quellen­steuer. 15 Prozent lassen sich von der Abgeltung­steuer abziehen. Die anderen 15 Prozent erstattet die US-Steuerbehörde. Dafür ist aber eine Steuererklärung nötig.

Tipp: Die zuständige US-Steuerbehörde finden Sie im Internet (www.irs.ustreas.gov).

Günstig wie die Nieder­lande

Die Nieder­lande, China und Russ­land halten sich unabhängig von der Depot­bank bei der Quellen­steuer zurück. Sie nehmen immer nur so viel, wie sich in Deutsch­land mit der Abgeltung­steuer verrechnen lässt.

Chance in Ländern wie Frank­reich

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Frank­reich, Italien und Schweden stellen wie die USA eine Bedingung, ehe sie die Quellen­steuer reduzieren. Deutsche Anleger müssen sich vor der ersten Dividenden­gutschrift als Investor registrieren lassen. Das ist aufwendig und kostet meist auch Gebühren, erspart aber später den Antrag im Ausland.

Tipp: Fragen Sie Ihre Depot­bank. Geht es um Italien oder Frank­reich, kommen Sie auch beim Bundes­zentral­amt für Steuern in Bonn weiter.

Ohne Status als Investor beträgt die Quellen­steuer in Italien 20 Prozent. In Schweden und Frank­reich sind es 30 Prozent. 15 Prozent lassen sich von der Abgeltung­steuer in Deutsch­land abziehen. Den Rest müssen Aktionäre sich im Ausland zurück­holen. Frank­reich erstattet zum Beispiel 15 Prozent, wenn der Antrag inner­halb von vier Jahren eingeht.

Die Erstattung ist aber nicht in Eigen­regie möglich. Die Depot­bank muss den Antrag über den Dienst­leister Clear­stream weitergeben. Das kostet Geld. Die Targo­bank nimmt für einen Antrag in Frank­reich zum Beispiel 117,10 Euro.

Gebühren und Spesen der Banken

In den meisten anderen Ländern können Deutsche wählen, ob sie die Quellen­steuer selbst zurück­holen wollen oder die Depot­bank damit beauftragen. Manchmal ist der Service mit der Depot­gebühr abge­golten, manchmal nicht:

  • Die Comdirect Bank nimmt zum Beispiel für jede Erstattung 20 Euro plus Spesen.
  • Bei der ING Diba sind allein für den Stempel auf dem ausgefüllten Erstattungs­antrag 50 Euro je Dividenden­gutschrift fällig. Dazu kommen zirka 35 Euro Gebühr je Antrag für den Daten­leister Clear­stream.
  • Auch die Deutsche Schutz­ver­einigung für Wert­papier­besitz bietet ihre Dienste an, aber nur für Mitglieder. Sie zahlen dafür 70 Euro je Erstattungs­antrag und Land (www.dsw-info.de).

Tipp: Prüfen Sie, wie viel Dividende bleibt, wenn Sie Dienst­leister bezahlen. Wählen Sie als Depot­bank möglichst Banken, die wenig oder gar kein Geld nehmen.

Steuern in Deutsch­land

Und dann ist da noch der Fiskus in Deutsch­land. Für Dividenden sind 25 Prozent Abgeltung­steuer fällig, wenn der Sparerpausch­betrag ausgeschöpft ist. Im Gegen­zug dürfen Aktionäre die Quellen­steuer, für die sie im Ausland keine Erstattung erhalten können, auf ihre Abgeltung­steuer anrechnen lassen. Da die Schweizer zum Beispiel von ihren 35 Prozent Quellen­steuer auf Antrag nur 20 Prozent erstatten, bleiben 15 Prozent zum Verrechnen in Deutsch­land.

Verwaltet eine deutsche Bank die Aktien, über­nimmt sie in der Regel das Verrechnen. Andernfalls können Anleger die Ermäßigung über die Steuererklärung beantragen. Ein Erstattungs­antrag im Ausland ist keine Voraus­setzung für die Ermäßigung in Deutsch­land.

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