Ausländische thesaurierende Fonds Special

Fonds, die im Ausland aufgelegt sind, machen bei der Steuererklärung häufig Stress. Finanztest gibt Tipps.

Wer Fonds kauft, hat die Wahl: Es gibt Fonds, die laufende Erträge wie Zinsen oder Dividenden ausschütten, und solche, die sie im Fonds­vermögen behalten. Das sind thesaurierende Fonds. Im Ausland aufgelegte thesaurierende Fonds können die Steuererklärung verkomplizieren.

Der Grund dafür ist, dass ausländische Fonds­gesell­schaften keine Abgeltung­steuer an deutsche Finanzbehörden abführen. Statt­dessen müssen die Anleger die Steuer selbst mit dem Finanz­amt abrechnen.

Es ist gar kein Problem, die jähr­lichen Erträge in der Steuererklärung anzu­geben. Die Banken stellen Bescheinigungen aus, in denen alle notwendigen Angaben stehen Abrechnung mit dem Finanzamt.

Mühsam wird es erst beim Verkauf des Fonds. Macht der Anleger Gewinn, zieht seine deutsche Depot­bank ihm davon Abgeltung­steuer ab. Dabei zieht sie auch Abgeltung­steuer auf sämtliche Erträge ab, die bis zum Verkauf aufgelaufen sind und die der Anleger mit dem Finanz­amt schon abge­rechnet hat. Er wird also zweimal zur Kasse gebeten: einmal während der Lauf­zeit und einmal am Ende.

Damit es nicht bei dieser doppelten Besteuerung bleibt, muss der Anleger in seiner Steuererklärung nach­weisen, dass er die laufenden Erträge immer abge­rechnet hat. Dann bekommt er die bereits versteuerten Erträge ange­rechnet.

Fonds am Kürzel erkennen

Fonds­käufer können sich entscheiden: Entweder sie nehmen den Aufwand bei der Steuererklärung in Kauf oder sie wählen von vorn­herein einen Fonds, der ihnen keine Extraarbeit beim Finanz­amt macht.

Sie erkennen Auslands­fonds in der Regel an der Isin, der zwölf­stel­lige Wert­papierkenn­nummer. Am Anfang steht dann meist nicht das Kürzel DE, sondern LU, IE, FR, GB oder US.

Zu einer Doppel­besteuerung kommt es nur bei den laufenden Erträgen. Bei Aktienfonds sind das in erster Linie die Dividenden, die im Schnitt 2 bis 3 Prozent pro Jahr ausmachen – je nach Anlagemarkt. Wer 10 000 Euro angelegt hat, kann mit jähr­lichen Erträgen von rund 200 bis 300 Euro rechnen.

Bei Rentenfonds können die laufenden Erträge sehr unterschiedlich ausfallen. Fonds mit Staats­anleihen aus dem Euroraum haben zurzeit vorwiegend nied­rig verzinste Papiere im Portfolio. High-Yield-Fonds dagegen kaufen auch Hoch­prozenter.

Schütten ausländische Fonds ihre Erträge aus, tritt das Steuer­problem nicht auf. Auch deutsche thesaurierende Fonds sind nicht betroffen. Im ersten Fall über­nimmt den Steuer­abzug die Bank in Deutsch­land, im zweiten Fall die Fonds­gesell­schaft.

Tipp: Im Produktfinder Fonds finden Sie Bewertungen für rund 3 000 aktiv gemanagte und Indexfonds (ETF) aus 37 Fonds­gruppen – von Aktienfonds Welt bis Rohstoff­fonds.

Nichts tun ist verboten

Der Gedanke liegt nahe, sich das Leben einfach zu machen und während der Lauf­zeit keine Steuern auf die Erträge abzu­führen – wenn ohnehin später alles noch einmal abge­zogen wird. Das ist jedoch nicht erlaubt.

Anleger sind verpflichtet, ihre Erträge laufend mit dem Finanz­amt abzu­rechnen.

Wieder­anlage kann teuer werden

Wer den Aufwand partout vermeiden will, muss auf andere Fonds ausweichen, beispiels­weise auf ausschüttende Fonds. Oft gibt es mehrere Anteils­klassen je Fonds, sodass Anleger wählen können. Mit ausschüttenden Fonds können sie sich allerdings andere Probleme einhandeln. Sie müssen sich möglicher­weise um die Anlage der ausgezahlten Erträge kümmern.

Häufig bieten Banken oder Fonds­gesell­schaften zwar eine auto­matische Wieder­anlage an. Doch vor allem für Käufer von börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) bietet sich diese Möglich­keit oft nicht.

Anleger kaufen ETF über die Börse und erhalten die Dividenden oder Zinsen aufs Konto. Es kann dauern, ehe sich genug Geld für einen neuen Kauf­auftrag ange­sammelt hat. Käufe für kleinere Beträge lohnen sich aus Kostengründen nicht, da die Banken oft Mindest­gebühren berechnen.

Daher haben wir für unsere Pantoffel­portfolios – Depot­vorschläge für bequeme Anleger – möglichst thesaurierende ETF angegeben. Mehr dazu im Test Geldanlage für Bequeme.

Kaum deutsche thesaurierende ETF

Anleger können auch auf deutsche thesaurierende Fonds ausweichen. Unter den aktiv gemanagten findet sich möglicher­weise eine Alternative zum Wunsch­fonds, deutsche thesaurierende ETF gibt es dagegen kaum.

Zu den Ausnahmen zählen ETF auf die deutschen Aktienindizes Dax, MDax und TecDax, die sich jedoch nicht als Basis­anlage eignen. Auf den Welt­aktien­index MSCI World gibt es keine thesaurierenden ETF, die in Deutsch­land aufgelegt sind.

Auf Swap-ETF ausweichen

Eine weitere Möglich­keit, der doppelten Besteuerung aus dem Weg zu gehen, bieten ETF mit sogenannten Swaps. Swaps sind Tausch­geschäfte. Sie funk­tionieren so:

Im Portfolio des ETF liegen andere Wert­papiere als die des Indexes, den der Fonds nach­bildet. Der Fonds tauscht die Wert­entwick­lung dieser Papiere gegen die Wert­entwick­lung des Indexes. Tausch­partner ist oft die Mutter­bank.

Beim Tausch können Swap-Fonds Dividenden­erträge in Kurs­gewinne ummünzen und es gibt keine Erträge mehr, die Anleger jähr­lich angeben müssten. Dann kommt es auch nicht zur doppelten Besteuerung.

Bisher bevor­zugten Anleger ETF, die den Index mit Original­titeln abbilden. Fonds mit Swaps waren ihnen oft nicht geheuer. Jetzt, da nicht zuletzt die Deutsche-Bank-Tochter db x-trackers einige Swap-Fonds auf Original­titel umstellt, entdeckt mancher ihre Vorzüge, siehe Meldung Fondsumstellungen bei db x-trackers. Eine Garantie dafür, dass Swap-ETF niemals Erträge thesaurieren, gibt es jedoch nicht. Vorsichts­halber weisen wir in unseren Tabellen bei ausländischen thesaurierenden Fonds darauf hin, dass die Steuererklärung aufwendiger sein könnte. Auch Käufer von Swap-ETF sollten daher die Steuer­bescheinigungen ihrer Bank im Blick haben.

Mal ausschütten, mal thesaurieren

Ein ausschüttender Fonds muss kein ausschüttender Fonds bleiben. Die Anbieter können die Ertrags­verwendung ändern. Umge­kehrt kann aus einem thesaurierenden auch ein ausschüttender Fonds werden.

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