Ausländische Zinserträge Meldung

Europa wächst immer weiter zusammen. Auch die Behörden überwinden eine Grenze nach der anderen. Seit Juli neu: Für die Meldung von Zinserträgen ans Finanzamt gibts innerhalb Europas kaum noch Grenzen. Die Folge solcher Kontrollmitteilungen: Deutsche Sparer, die dem Finanzamt Zinszahlungen für ein Auslandssparbuch verschweigen, laufen Gefahr, unangenehme Fragen beantworten zu müssen und unter Steuerhinterziehungsverdacht zu geraten. Finanztest erklärt, welche EU-Staaten deutschen Finanzämtern Zinseinkünfte melden und was in den übrigen Ländern gilt.

Kapitalerträge sind steuerpflichtig

Kapitalerträge jenseits der Freibeträge von 1 370 Euro für Ledige und 2 740 Euro für Ehepaare sind steuerpflichtig, auch wenn sie für Guthaben im Ausland gezahlt werden. Bislang allerdings erfuhr das Finanzamt von Auslandsguthaben in der Regel nur durch den Sparer selbst. Allenfalls durch Bargeldfunde bei Bundesgrenzschutz- oder Zollkontrollen in Grenznähe oder durch verräterische Spuren in Unterlagen, die der Steuerprüfung unterliegen, konnten die Behörden Auslandskonten und -kapitalerträgen auf die Spur kommen.

EU-weite Kontrollmitteilungen

Seit Juli jedoch gilt die EU-Richtlinie über die Zinsbesteuerung. Jetzt sind die meisten Mitgliedsstaaten in der Pflicht, Zinseinkünfte auch an die Finanzämter der übrigen EU-Staaten zu melden. Ausnahme: Belgien, Luxemburg und Österreich machen nicht mit. In diesen Ländern können Anleger sich durch Zahlung einer Quellensteuer von derzeit 15 Prozent von der Pflicht zur Kontrollmitteilung freikaufen. Die Quellensteuer entfällt, wenn Sparer Kontrollmitteilungen an die Behörden ihres Heimatstaates zustimmen.

Mancherorts Quellensteuer als Alternative

An dem Quellsteuer-System beteiligen sich auch eine ganze Reihe von Nicht-EU-Staaten. Mit von der Partei sind unter anderem die Schweiz, Liechtenstein und die britischen Kanalinseln. 25 Prozent der Quellensteuereinnahmen bleiben in dem Land, wo die Zinsen angefallen sind. Den Rest leiten die Behörden dort anonym an den Heimatstaat des Konto- oder Sparbuchinhabers weiter.

Sonderangebote in Steueroasen

Allerdings sind die Regeln löchrig. Was genau alles Zinseinnahmen sind, regelt die EU-Richtlinie nämlich nicht. Das darf jeder Staat in Eigenregie festlegen. Bankinstitute in den Steueroasen machen längst reichlich Kasse mit Papieren, die die Zinsrichtlinie ganz legal umgehen. Ohnehin gilt sie nicht für Dividendenerträge und Kursgewinne aus Aktien und Aktienfonds. Auch die Erträge von Lebensversicherungsverträgen bleiben außen vor.

Heimatrecht hat Vorrang

Doch Vorsicht: Über die Steuerpflicht in Deutschland entscheidet allein das deutsche Steuerrecht. Nach dessen Maßgabe steuerpflichtige Kapitalerträge sind dem Finanzamt hier auch dann zu melden und zu versteuern, wenn sie nach den Vorschriften des Staates, in dem das Geld angelegt ist, nicht unter die EU-Zinsbesteuerungsrichtlinie fallen. Wegen der Regeln im Ausland erhalten die deutschen Behörden über solche Kapitalerträge jenseits der Zinsbesteuerungsrichtlinie allerdings weiterhin keine Informationen.

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