Ende 1999 hat sich das britische Versicherungsunternehmen Unum aus Deutschland wieder zurückgezogen.

Die Nachricht kam für die deutschen Mitarbeiter der britischen Versicherungsgesellschaft Unum Limited Ende September überraschend: "Zum Jahresende wird kein Neugeschäft mehr in Deutschland gezeichnet", so der Beschluss der Zentrale des 150 Jahre alten britischen Unternehmens nach Absprache mit der Konzernleitung in Maine (USA).

Grund für den Rückzug aus Deutschland sei, dass der Konzern sich verstärkt auf profitable Geschäftsfelder im US-Markt konzentrieren wolle.

Unum, die in der letzten Untersuchung der Stiftung Warentest zu Berufsunfähigkeitsversicherungen wegen guter Bedingungen in der Spitzengruppe rangierte, bietet weltweit Risikolebens-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherungen an. In Deutschland hatte die Gesellschaft nach Angaben von Thomas Gerald Foth, bisher Abteilungsleiter Research and Development in der Kölner Zentrale von Unum Limited in Deutschland, rund 700 Kunden gewonnen. Der Unum-Mitarbeiter: "Bis Jahresende gingen noch täglich 30 bis 35 Anfragen ein. Neue Verträge haben wir aber nicht mehr abgeschlossen."

Was bedeutet der Rückzug für die Unum-Kunden? "Wir können und werden von uns aus nicht kündigen. Deshalb bleiben die bestehenden Verträge unangetastet, wenn der Kunde das will", sagt Thomas Foth. Seine Gesellschaft werde entweder einen Treuhänder mit der Vertragspflege beauftragen oder den Bestand auf ein anderes Unternehmen übertragen. "Wir sind noch in Verhandlungen."

Aus Gründen einer "pragmatischen Kulanz" habe man den Versicherten die Rückzahlung der bisher eingezahlten Beiträge zugesagt, falls jemand seinen Vertrag auflösen wolle. Foth: "Bisher hat sich etwa ein Drittel der Kunden darauf eingelassen."

Die übrigen halten lieber an ihren Verträgen fest. Einer von ihnen ist Hans Peter Sauter, 41-jähriger kaufmännischer Angestellter aus Gammertingen in der Schwäbischen Alb. Bei Unum ist er gegen Berufsunfähig-keit versichert. "Mein Vertrag ist gut, weil Bedingungen und Preis stimmen. Müsste ich jetzt zu einem anderen Versicherer, käme ich schlechter weg", meint Sauter.

Damit dürfte er Recht haben. Bei Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen ist ein Versichererwechsel oft nicht zu empfehlen, weil der Kunde inzwischen älter geworden ist und sein neuer Vertrag durch einen höheren Risikoanteil teurer wäre. War der Betroffene inzwischen krank, findet er im schlechtesten Fall wegen zusätzlicher gesundheitlicher Risiken überhaupt keine Gesellschaft mehr, die ihn vorbehaltlos versichert.

Rückzug ist folgenlos

"Auf den einzelnen Vertrag wirkt sich der Rückzug eines ausländischen Versicherers aus Deutschland generell nicht aus", sagt Elke Washausen-Richter, Sprecherin des Bundesaufsichtsamts für das Versicherungswesen in Berlin. Meistens würden die Bestände von einem deutschen Unternehmen übernommen. "Ansonsten muss die Gesellschaft einen Repräsentanten bestimmen, der Ansprechpartner für die deutschen Kunden bleibt."

Dieser Artikel ist hilfreich. 665 Nutzer finden das hilfreich.