Gleich zwei Finanz­minister greifen Anlegern mit Auslands­aktien in die Tasche. Ihr Geld müssen die Aktionäre zurück­holen – oder vorbeugen.

Ausländische Quellen­steuer Special

Holger Jung­claus aus Hamburg kennt sich als Vermögens­berater mit Geld­anlagen gut aus. Die Tücken der spanischen Quellen­steuer haben aber auch ihn über­rascht.

Holger Jung­claus hat Aktien der spanischen Telefonica. Ein wichtiger Grund für den Kauf war die hohe Dividende. Nun ist Jung­claus ernüchtert: „Durch die Doppel­besteuerung der Dividende hat die Aktie viel von ihrer Attraktivität einge­büßt.“

Dasselbe Problem wie der 72-jährige Hanseat haben viele Aktionäre, die an ausländischen Firmen beteiligt sind. Neben der deutschen Abgeltung­steuer auf Dividenden müssen sie in vielen Ländern eine Quellen­steuer bezahlen. Mal sind es 15 Prozent wie in den Nieder­landen oder den USA, mal sind es sogar 35 Prozent wie in der Schweiz. Spanien kassiert 19 Prozent.

Eine Doppel­besteuerung dürfte es gar nicht geben. So sehen es die Doppel­besteuerungs­abkommen vor, die Deutsch­land mit mehr als 80 Ländern geschlossen hat. Doch in der Praxis zahlen Anleger oft doppelt Steuern und müssen sich den zu viel gezahlten Teil mühsam zurück­holen.

Nur Besitzer von Aktienfonds haben Ruhe, für sie erledigt der Fonds­manager alles.

Andere Länder – raue Sitten

Die Schweiz ist trotz der hohen Steuer für Anleger ein gutes Pflaster. Die Erstattung klappt reibungs­los (siehe „Dividende aus dem Ausland“).

Viel Ärger gibt es mit italienischen und spanischen Aktien. Sie sind wegen ihrer oft hohen Dividenden beliebt und liegen deshalb in vielen Depots. Doch deutsche Anleger sollten sich nicht von fabelhaften Renditen blenden lassen. Die bekommen sie am Ende nur, wenn sie sich durch den Dschungel der Bürokratie kämpfen.

Beispiel Italien: Der italienische Fiskus kassiert von jeder Dividende 27 Prozent Quellen­steuer. Davon rechnet die Depot­bank des Anlegers sofort 15 Prozent auf die deutsche Abgeltung­steuer an. Die restlichen 12 Prozent müssen deutsche Aktionäre in Italien zurück­fordern.

Um die Quellen­steuer zurück­zuholen, muss der Anleger das zwei­sprachige Antrags­formular R/DE I/1 von der Internetseite des Bundes­zentral­amts für Steuern ausdrucken, ausfüllen und an die zentrale Regulierungs­stelle Centro Operativo dell’ Agenzia delle Entrate, via Rio Sparto 21, I – 65100 Pescara schi­cken.

Doch selbst wenn er alles korrekt ausfüllt und einreicht, wartet er oft jahre­lang auf die Erstattung. Die italienischen Behörden bearbeiten die Anträge sehr schleppend.

Vorabbefreiung lohnt sich

Um der Bürokratie und langen Warte­zeiten vorzubeugen, sollten Anleger einen Antrag auf „Vorabbefreiung“ stellen. Dann wird nur so viel Quellen­steuer abge­zogen, wie in Deutsch­land ange­rechnet wird. Die aufwendige Rück­erstattung entfällt. Diese Möglich­keit, die nicht für alle Länder besteht, ist vor allem für Frank­reich und Italien sinn­voll.

Die Formulare, die das Bundes­zentral­amt für Steuern auf seiner Internetseite bereit­stellt, sind teils sehr kompliziert. Da ist es naheliegend, der Aktionär lässt seine Depot­bank die Sache über­nehmen. Die Gebühren dafür sind unterschiedlich. Oft lohnt sich der Service nur bei hohen Dividendensummen. Außerdem sollten Anleger danach fragen, ob die Bank neben ihren eigenen auch fremde Spesen in Rechnung stellt. Die können sehr happig ausfallen.

Verwirrung um spanische Steuer

Große Verwirrung gab es jüngst um die Quellen­steuer in Spanien. Viele Finanztest-Leser wie Holger Jung­claus reagierten empört darauf, dass die bereits ausgezahlten Dividenden für ihre Telefonica-Aktien nach­träglich gekürzt wurden. Die ursprüng­liche Verrechnung der ausländischen mit der deutschen Steuer wurde storniert, der Differenz­betrag vom Konto abge­bucht.

Die Depot­banken setzen mit Verspätung die Vorgaben des deutschen Gesetz­gebers um. Sie hätten die spanische Quellen­steuer nie auf die Abgeltung­steuer anrechnen dürfen, sondern in voller Höhe abziehen müssen. Sie hatten über­sehen, dass Spanien am 1. Januar 2007 sein Steuerrecht geändert hat.

Seit diesem Termin gewährt Spanien Anlegern aus den Mitglied­staaten der EU auf Dividenden einen Frei­betrag von 1 500 Euro pro Kalender­jahr. Trotzdem ziehen die Finanzbehörden dort von jeder Dividende die Quellen­steuer von 19 Prozent in voller Höhe ab. Begründung: Der Staat kann nicht von vorn­herein wissen, wie viel Dividenden ein Aktionär übers Jahr kassieren wird.

Den schwarzen Peter haben deutsche Anleger. Der spanische Fiskus zieht die Quellen­steuer ein. Der deutsche Fiskus geht aber davon aus, dass die Dividenden in Spanien steuerfrei bleiben und lässt die Depot­bank die volle Abgeltung­steuer einziehen.

Der mühsame Weg zur Erstattung

Dem Anleger bleibt also nur der mühsame Weg, sich die zu viel gezahlte spanische Quellen­steuer zurück­zuholen.

Zunächst benötigt er eine spanische Steueridentifikations­nummer, die „NIE“. Die gibt es in der spanischen Botschaft in Berlin, den General­konsulaten in Frank­furt am Main, Hamburg, Hannover, München, Stutt­gart und Düssel­dorf oder – im Urlaub – bei jeder Dienst­stelle der spanischen Polizei.

Im Internet­auftritt des Bundes­zentral­amts für Steuern findet er die notwendigen Erstattungs­formulare. Die füllt der Aktionär mit den Daten zur Dividenden­gutschrift aus und lässt den dreifachen Formular­satz von seinem deutschen Finanz­amt mit einer Wohn­sitz­bestätigung versehen. Sie dient als Nach­weis, dass er als Steuerzahler in Deutsch­land ansässig ist.

Die Formulare kann der Anleger direkt an das spanische Bezirks­finanz­amt schi­cken, in dem die Aktiengesell­schaft ihren steuerlichen Sitz hat. Im Falle der Telefonica ist das Bezirks­finanz­amt Madrid zuständig.

Doch damit nicht genug: Spanien verlangt für die Auszahlung der Quellen­steuern eine spanische Bank­verbindung. Wer keine Freunde in Spanien hat, muss zum Beispiel auf eine Steuerberatungs­gesell­schaft mit Nieder­lassung in Spanien ausweichen. Das lohnt sich aber allenfalls bei Dividendensummen von mehr als tausend Euro.

Doch für Kapital­einkünfte ab dem Jahr 2011 wird es einfacher: Die Erstattung für diese Erträge ist auch auf ein deutsches Bank­konto möglich und auch die spanische Steuer­nummer „NIE“ wird nicht mehr notwendig sein.

Etwas einfacher in Norwegen

Ein ähnliches Problem wie mit spanischen gibt es mit norwegischen Aktien. Auch hier wurden Abrechnungen nach­träglich korrigiert, weil ausländische Aktionäre von der Quellen­steuer befreit sind.

Anders als in Spanien kommen Aktionäre von Statoil oder Yara aber einfacher an ihr Geld. Es reicht ein formloses Schreiben auf Deutsch mit Kopien der Dividenden­abrechnungen an die norwegische zentrale Erstattungs­behörde (The Central Office, Foreign Tax Affairs, Sentrals­katte­kontoret for Uten­lands­saker, PO-Box 80314068 Stavanger, Norway). Die Erstattung auf ein deutsches Konto ist kein Problem.

Erstattung als Dienst­leistung

Viele Anleger möchten mit dem Formularkram grund­sätzlich nichts zu tun haben. Wenn sie Glück haben, bietet ihnen ihre Depot­bank einen Erstattungs­service an. Kunden sollten bei ihrer Bank nach­fragen, was die Dienst­leistung kostet und dann abwägen, ob das in einem vernünftigen Verhältnis zum Erstattungs­betrag steht.

Auch die Deutsche Schutz­ver­einigung für Wert­papier­besitz (DSW) bietet – in Koope­ration mit dem Unternehmen KPMG – einen Erstattungs­service an (www.dsw-info.de). Der kann pro Land bis zu 85 Euro, für DSW-Mitglieder 70 Euro kosten.

Keine Probleme bei Fonds

Eine Alternative für bequeme Anleger, die ausländische Aktien wollen, sind Fonds. Allerdings sollten sie nicht ausgerechnet ausländische Fonds mit auto­matischer Wieder­anlage (Thesaurierung) wählen, denn die haben steuerliche Neben­wirkungen beim Verkauf: Die Depot­bank zieht dann Steuern auf alle bis dahin thesaurierten Erträge ab. Die muss sich der Anleger, der schon zuvor Jahr für Jahr Steuern abge­führt hat, mit seiner nächsten Steuererklärung zurück­holen.

Besonders interes­sant sind börsen­gehandelte Indexfonds (ETFs) auf Dividenden- oder Branchen­indizes. Die Telefonica-Aktie ist zum Beispiel die zweitgrößte Position des Fonds ishares Stoxx 600 Telecommunications (Isin: DE 000 628 935 8). Auch die meisten anderen Aktien in dem Fonds haben hohe Dividendenrenditen. Mit dem Fonds db x-trackers Stoxx Global Select Dividend 100 ETF 1D (LU 029 209 618 6) setzen Anleger auf dividenden­starke Aktien aus der ganzen Welt, mit dem ishares Stoxx Europe Select Dividend 30 (DE 000 263 529 9) auf europäische Titel.

Jetzt befasst sich auch die EU-Kommis­sion mit der Angelegenheit. Es geht ihr dabei um die hohen Hürden bei der Erstattung von Quellen­steuern. Die Kommis­sion prüft, ob es Verstöße gegen geltendes EU-Recht gibt und arbeitet an Lösungen. In der Diskussion sind stan­dardisierte Formulare und ein elektronisches Erstattungs­verfahren.

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