Interview: Steuer­probleme mit Fonds

Wolfgang Wawro, Vorstands­mitglied des Deutschen Steuerberater­verbandes (DStV) sagt, was Anleger bei thesaurierenden ausländischen Investmentfonds beachten sollten.

Welche Belege müssen Anleger parat haben, wenn sie nach dem Verkauf eines thesaurierenden Auslands­fonds die zu viel gezahlten Steuern zurück­holen wollen?

Wawro: Die Bank­abrechnungs­belege der alten Jahre, aus denen der bereits vorgenommene Steuer­abzug ersicht­lich ist. Sinn­voll ist es, zusätzlich Kopien der alten Steuererklärungen, also konkret die Anlage KAP nebst eventuellen zusätzlichen Zusammen­stel­lungen, bereit­zuhalten.

Was kann man tun, wenn die Fonds­gesell­schaft die notwen-digen Informationen für die Steuererklärung zu spät liefert oder unzu­reichende Daten zur Verfügung stellt?

Wawro: Das ist leider ein großes Problem, weil ausländische Geld­institute nicht den deutschen Steuer­vorschriften unterliegen. Dennoch sind sie zur Rechnungs­legung verpflichtet. Es ist ratsam, stets recht­zeitig Abrechnungen anzu­fordern. Man sollte aber auch konsequent Banken oder Fonds­verwaltungen meiden, die sich mit detaillierten Auskünften schwertun.

Was können Besitzer solcher Fonds tun, die seit Jahren keine Erträge in ihrer Steuererklärung angegeben haben, weil ihr Sparerpausch­betrag nicht ausgeschöpft war?

Wawro: Anleger müssen beim Verkauf des Fonds detailliert nach­weisen, dass sie in den einzelnen Jahren die Frei­grenzen nicht über­schritten haben. Dazu benötigen sie alle Abrechnungen über ihre Kapital­einkünfte in diesen Jahren.

Wäre es nicht ratsam, gleich die Finger von solchen Fonds zu lassen?

Wawro: Wenn nicht über­zeugende Rendite­vorteile auf der Hand liegen, sollte man solche Anlagen meiden, weil der Aufwand relativ hoch ist.

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