Ausländische Fonds mit steuerlichen Tücken haben wohl die meisten Fonds­anleger im Depot. Sie sollten Ärger recht­zeitig vorbeugen.

Zu steuerlichen Neben­wirkungen fragen Sie bitte Ihren Banker oder Steuerberater!“ Diesen Zusatz sollten alle Investmentfonds tragen, die im Ausland aufgelegt wurden und ihre regel­mäßigen Einnahmen nicht an die Anleger ausschütten. Statt­dessen bleiben Zinsen und Dividenden im Fonds­vermögen und erhöhen dessen Wert. Thesaurierung heißt dieser Vorgang.

Anleger sollten prüfen, ob sie solche Fonds im Depot haben. Am Sitz der Fonds­gesell­schaft können sie das nicht erkennen, denn auch viele Fonds deutscher Anbieter wie DWS, Union Investment oder Deka sind in Luxemburg oder Irland aufgelegt. Am einfachsten erkennt man ausländische Fonds an der zwölf­stel­ligen Isin. Die Anfangs­buch­staben der Kenn­nummer kenn­zeichnen das Heimatland, etwa „DE“ für Deutsch­land, „LU“ für Luxemburg oder „IE“ für Irland.

Das böse Erwachen für Anleger kommt, wenn sie einen thesaurierenden Auslands­fonds verkaufen. Die Depot­bank zieht dann neben der Abgeltung­steuer auf Kurs­gewinne auch Steuern auf „ausschüttungs­gleiche Erträge“ ab. Dabei geht es nicht nur um die thesaurierten Zinsen und Dividenden für das laufende Jahr. Steuern werden für alle Erträge aus der Zeit fällig, in der Anleger die Fonds im Depot hatten.

Bei Aktienfonds geht es meist um vergleichs­weise geringe Summen. Thesaurierende Top-Fonds wie der Warburg Value A oder Carmignac Investissement (siehe Produktfinder Investmentfonds) haben in den vergangenen Jahren keine oder nur sehr geringe Erträge ins Fonds­vermögen über­führt. Sie setzen vor allem auf Kurs­gewinne.

Bei Rentenfonds kommen im Laufe der Jahre dagegen erhebliche Summen zusammen, weil hohe Zins­erträge anfallen. Wer einen fleißig thesaurierenden Rentenfonds nach zwanzig Jahren verkauft, muss bei einer Anlagesumme von 10 000 Euro auf Steuer­abzüge in vierstel­liger Größen­ordnung gefasst sein.

Steuer­ehrliche Anleger, die das Problem nicht kennen, denken sofort an einen Fehler der Depot­bank. Schließ­lich haben sie die regel­mäßigen Fonds­erträge jedes Jahr schon in ihrer Steuererklärung angegeben.

Doch die Doppel­besteuerung ist kein Versehen. Der Fiskus will auf keinen Fall zulassen, dass ihm systematisch Steuern entgehen. Er kann die im Ausland sitzende Fonds­gesell­schaft nicht zwingen, Steuern für ihn abzu­führen. Gleich­zeitig will er sich nicht auf die Ehrlich­keit der Anleger verlassen. Also schlägt er beim Verkauf zu und verlangt von der inländischen Depot­stelle, dass sie die Steuern pauschal abzieht.

Inländische Fonds machen den Steuerbehörden dagegen kein Problem. Die Fonds­gesell­schaften zweigen von den jähr­lichen Fonds­erträgen auto­matisch Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag ab – unabhängig davon, ob die Erträge ausgeschüttet werden oder im Fonds­vermögen verbleiben.

Auch an die ausgeschütteten Erträge ausländischer Fonds kommt der Fiskus problemlos heran, wenn das Wert­papierdepot in Deutsch­land ist. Die depotführende Bank leitet die Steuern weiter.

Nur auf die thesaurierten Erträge von Fonds­gesell­schaften mit Sitz in Luxemburg, Irland und Co. haben deutsche Steuerbehörden keinen direkten Zugriff. Deshalb halten sie sich in dem Moment schadlos, in dem der Fonds verkauft wird.

Ärgerlicher Papierkram

Die Steuerbehörden, die lieber zu viel als zu wenig kassieren, schieben den schwarzen Peter dem Verbraucher zu. Anleger müssen sich die zu viel gezahlten Steuern wohl oder übel mit der nächsten Steuererklärung zurück­holen. Auf dem über­schaubaren Zins­verlust für das dem Fiskus unfreiwil­lig gestundete Geld bleiben sie allerdings sitzen.

Der Verkauf eines thesaurierenden ausländischen Fonds bringt einiges an Bürokratie mit sich. Der Papier­stapel, den Anleger für den Nach­weis beim Finanz­amt parat haben müssen, um an ihr Geld zu kommen, kann recht groß sein. Und er wächst mit jedem Jahr, in dem der Anleger den Fonds im Depot hat.

Wenn der Fonds verkauft wird, müssen Anleger nämlich detailliert nach­weisen, dass sie seine Erträge jedes Jahr ordnungs­gemäß angegeben haben. Anleger mit ausländischen thesaurierenden Fonds sollten die Anlage KAP der Steuererklärung sogar dann ausfüllen, wenn sie den jähr­lichen Steuerfrei­betrag von 801 Euro nicht ausschöpfen. Ansonsten ist es später sehr mühselig, das beim Verkauf abge­zogene Geld wieder­zubekommen.

Depot­über­trag mit Tücken

Besonders hart kann es Anleger treffen, die einen thesaurierenden Auslands­fonds ein- oder mehr­mals in ein anderes Wert­papierdepot über­tragen haben. Wenn beim Verkauf des Fonds nicht klar ist, seit wann der Anleger ihn in Besitz hatte, gibt es einen pauschalen Steuer­abzug auf alle seit dem 1. Januar 1994 thesaurierten Erträge.

Schlimms­tenfalls ergeht es Anlegern wie dem Finanztest-Leser, der nach lediglich eineinhalb Jahren einen High-Yield-Rentenfonds mit hoch­verzinsten Staats­anleihen exotischer Länder verkaufte und dafür fast 3 000 Euro an das Finanz­amt zahlen sollte. Dabei waren in den eineinhalb Jahren nur ein paar hundert Euro Erträge thesauriert worden.

Zwar sollen die Banken seit Einführung der Abgeltung­steuer bei einem Depot­über­trag dem neuen Institut auch die gesammelten Erträge von Fonds mitteilen, die vor 2009 gekauft wurden. Dann haben Anleger bei einem späteren Verkauf kein Problem. Aber eine Gewähr, dass diese Information klappt, gibt es nicht. In diesem Fall müssten Anleger mitunter Einnahmen versteuern, die ihnen gar nicht zugeflossen sind.

Wer spätere Unbill sicher vermeiden möchte, kann vor einem Depot­über­trag alle ausländischen thesaurierenden Fonds verkaufen oder in ausschüttende Tranchen umschichten. Allerdings geht damit der steuerliche Bestands­schutz auf Fonds verloren, die vor Einführung der Abgeltung­steuer im Jahr 2009 gekauft wurden. Anleger hätten dann nicht mehr das Privileg, alle in Zukunft anfallenden Kurs­gewinne steuerfrei einzustreichen.

Sie sollten im Einzel­fall abwägen, welches Übel das kleinere ist. Bei Rentenfonds mit hohen jähr­lichen Erträgen dürfte es der Verkauf sein. Bei erst­klassigen Aktienfonds ist der Bestands­schutz dagegen zu wert­voll, um ihn vorzeitig aufzugeben.

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